Rang elf im bundesweiten Vergleich Bremen macht bei Bildung Plätze gut

Bremen macht in Sachen Bildung weiter Boden gut. Im Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat Bremen von allen Bundesländern im Vergleich zum Vorjahr am deutlichsten zugelegt.
04.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Norbert Holst Kathrin Aldenhoff

Bremen macht in Sachen Bildung weiter Boden gut. Im Bildungsmonitor der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hat Bremen von allen Bundesländern im Vergleich zum Vorjahr am deutlichsten zugelegt.

Bremen bleibt aber trotz Platz elf in der INSM-Untersuchung ein Bundesland der Bildungsextreme. Im Handlungsfeld Hochschulen und Hightech-Fächer hat das kleinste Bundesland sogar den Bestwert erreicht. Seit dem Jahr 2000 haben entgegen den Prognosen rund 18.600 Jungakademiker zusätzlich die Bremer Hochschulen verlassen. Beim Indikator „Zeiteffizienz“ belegt Bremen den dritten Platz. Gründe: Relativ wenige Kinder werden zu spät eingeschult, und es gibt weniger Abbrecher in Lehrberufen. Auch beim Personalschlüssel in den Bildungseinrichtungen landet der Zwei-Städte-Staat laut Studie im vorderen Mittelfeld.

Bildungsarmut bleibt das Problem

Doch es bleiben die alten Schwachpunkte. Nur in Berlin liegt die Bildungsarmut bei Kindern und Jugendlichen prozentual noch höher als an der Weser. Denn häufig kommen gleich drei Risikofaktoren zusammen: erwerbslose Eltern, bildungsfernes Elternhaus, Armut. Das hat Folgen für das Abschneiden in Vergleichstests: Bei den zumeist aus 2013 stammenden Zahlen liegen die Bremer Schüler ganz hinten. Alarmierend: Bei der Integration ausländischer Schüler gibt es laut der Untersuchung gleich in zehn Ländern Rückschritte – darunter Bremen. So hat die Zahl der ausländischen Schulabbrecher zugenommen.

Im Haus von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) freut man sich über die verbesserte Platzierung. Die guten Noten für die Ausbildungsangebote bestätigen „die Leistungsfähigkeit des beruflichen Systems“, so Sprecherin Alexandra Brietzke. Zum Problemfeld Bildungsarmut und schlechtes Testabschneiden sagt sie: „Wir haben in Bremen seit 2009 unser Schulsystem mit den Oberschulen und Gymnasien neu und gut aufgestellt. Aber es braucht auch Zeit, bevor die Änderungen im System wirken. Wir sind optimistisch, dass der eingeschlagene Weg richtig ist: die Punktzahlen unserer Schülerinnen und Schüler in den Ländervergleichen haben sich Jahr für Jahr etwas verbessert.“

Auch Niedersachsen konnte im Ranking leicht zulegen: von Platz 9 schiebt sich das Land auf Rang 8 vor. Gelobt wird in der INSM-Studie der hohe Anteil von Investitionen bei den Bildungskosten – das bedeutet Platz 5 in der Kategorie „Inputeffizienz“. Und in Relation zu den Gesamtausgaben gibt Niedersachsen von allen Ländern am meisten Geld für die Hochschulen aus. Die Schüler liegen mit ihren Testergebnissen im guten Mittelfeld. Allerdings: Die Englisch-Kompetenzen sind in allen Schulgattungen unterdurchschnittlich.

Bei Inklusion ganz vorne

Für das Kultusministerium sind die Ergebnisse des Bildungsmonitors allerdings „längst überholt“. Viele Baustellen seien abgeräumt, erklärt Sprecherin Susanne Schrammar. So steige der Kultushaushalt in dieser Legislaturperiode um rund eine Milliarde Euro. Damit sollen vor allem das Angebot an Ganztagsschulen weiter ausgebaut werden und 5000 zusätzliche Krippenplätze entstehen.

Dass Bremen beim Thema Inklusion Spitze ist, freut Bildungssenatorin Bogedan. „Mit seiner Vorreiterrolle macht unser Bundesland bereits seit Längerem bundesweit positiv auf sich aufmerksam“, sagt die Senatorin. Die Abkehr von Stigmatisierung und Etikettierung sei der richtige Weg und entspreche einem modernen Verständnis von Pädagogik.

In Bremen besuchen 68,5 Prozent der Förderschüler eine Regelschule, im Bundesdurchschnitt sind es 31,4 Prozent. Niedersachsen laut Studie mit einem Inklusionsanteil von 23,3 Prozent darunter. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) weist das zurück: Die inklusive Schule werde schrittweise eingeführt, das ignoriere die Studie. Im Jahr 2013/2014 hätten Eltern für die Jahrgänge 1 und 5 zwischen Förder- und Regelschule wählen können, seitdem kämen jährlich zwei Jahrgänge dazu. In den betroffenen Jahrgängen habe die Quote 2013/2014 bei fast 45 Prozent gelegen.

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