Großwäscherei CWS verlagert Arbeitsplätze von Burgdamm nach Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein Bremen-Nord gehen 100 Jobs verloren

Burgdamm. Lange haben die Mitarbeiter der Großwäscherei CWS-boco Welker um ihre Arbeitsplätze gebangt, jetzt haben sie Gewissheit: Die Produktion wird aus der Bremerhavener Heerstraße abgezogen und nach Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein verlagert. In Bremen verbleibt nur ein Depot, in dem etwa 20 Vertriebs- und Kundendienstkräfte ihre Stellen behalten.
28.11.2015, 00:00
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Bremen-Nord gehen 100 Jobs verloren
Von Jürgen Theiner

Lange haben die Mitarbeiter der Großwäscherei CWS-boco Welker um ihre Arbeitsplätze gebangt, jetzt haben sie Gewissheit: Die Produktion wird aus der Bremerhavener Heerstraße abgezogen und nach Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein verlagert. In Bremen verbleibt nur ein Depot, in dem etwa 20 Vertriebs- und Kundendienstkräfte ihre Stellen behalten. Der weitaus größte Teil der Belegschaft wird sich nach einer neuen Tätigkeit umsehen müssen.

Die CWS-Unternehmensgruppe bietet allen Burgdammer Arbeitnehmern zwar eine Weiterbeschäftigung in Bad Oldesloe an. Doch diese Offerte dürfte für die vielen angelernten Kräfte in der Wäscherei eher theoretischer Natur sein. Viele von ihnen sind Frauen im Alter von 50 plus. Ein Umzug an den 170 Kilometer entfernten CWS-Standort in Schleswig-Holstein dürfte für sie kaum infrage kommen.

Nach Darstellung von Unternehmenssprecherin Talar Arzuyan-Kadoglu hatte CWS ursprünglich gar nicht die Absicht, den Standort Bremen-Nord aufzugeben. „Aus der Zeitung“ habe man im Frühjahr erfahren, dass der Vermieter des Firmengebäudes an der Bremerhavener Heerstraße etwas Neues mit seiner Immobilie vorhat. Wie berichtet, soll das CWS-Betriebsgebäude abgerissen und an seiner Stelle ein Supermarkt errichtet werden. „Wir waren damit vor die Wahl gestellt: Sollen wir neu bauen oder die Produktion an einen anderen vorhandenen Standort verlegen?“, so Arzuyan-Kadoglu.

Letztlich habe man sich für die kostengünstigere Variante entschieden. Und die heißt: Konzentration der Wäschereien auf dem firmeneigenen Grundstück in Bad Oldesloe. „Logistisch bedeuten die 170 Kilometer Entfernung für uns kein Problem“, unterstreicht die Sprecherin. Für die gewerblichen Großkunden im Bremer Raum werde sich nichts ändern. Zu diesem Kreis zählen unter anderem die Stiftung Friedehorst und mehrere Krankenhäuser.

Bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) bedauert man die Entscheidung der CWS-Unternehmensgruppe, deren Zentrale in Dreieich bei Frankfurt ansässig ist. Laut WFB-Sprecherin Andrea Bischoff wurden CWS mehrere verkehrlich gut angebundene Ersatzstandorte im Stadtgebiet angeboten, unter anderem auf dem Blumenthaler BWK-Gelände und im Bremer Industriepark nördlich der Stahlwerke. Doch von diesen Optionen habe CWS keinen Gebrauch machen wollen. Nach unbestätigten Informationen der NORDDEUTSCHEN kalkulierte die Großwäscherei mit Kosten von rund 700 000 Euro für die Verlagerung der Produktion nach Bad Oldesloe. Für einen Neubau in Bremen sei ein Betrag von zwei Millionen Euro angenommen worden.

Burglesums Ortsamtsleiter Florian Boehlke findet den Rückzug der Großwäscherei aus dem Stadtteil „sehr, sehr bedauerlich“. Boehlke hätte es gern gesehen, wenn es der WFB gelungen wäre, CWS zu halten. „Andererseits ist auch klar: Ein europaweit aufgestelltes Unternehmen wie CWS trifft seine Entscheidungen nicht unter regionalwirtschaftlichen Gesichtspunkten.“ Mit Blick auf den Eigentümer der Immobilie an der Bremerhavener Heerstraße fügt er an: „Wir können niemandem vorschreiben, was er mit seinem Grundstück macht.“ Doch werde das Beschäftigungspotenzial des geplanten Supermarkt sicher nicht annähernd die Jobverluste in der Wäscherei ausgleichen können.

Die Industriegewerkschaft Metall, die auch für den Textilbereich zuständig ist, sieht die Entscheidung der CWS-Zentrale gegen einen neuen Bremer Standort auch als Ausdruck des Preiskampfes in der Branche, der seit einigen Jahren immer heftiger tobt. Für Gewerkschaftssekretär Michael Gerdes ist CWS bisher eigentlich ein „anständiger“ Arbeitgeber mit Tarifbindung gewesen, der sich aber immer heftigerer Attacken der Konkurrenz ausgesetzt sieht. Gerdes: „Es gibt da einige Akteure auf dem Markt, die mit erpresserischen Methoden die Gehälter ihrer Beschäftigten Richtung Mindestlohn drücken und auch bei Urlaub und Arbeitszeit die Daumenschrauben anziehen. Die machen die Preise kaputt.“ Vor diesem Hintergrund, so mutmaßt Gerdes, sei der CWS-Chefetage die Entscheidung gegen einen Neubau in Bremen möglicherweise leichter gefallen.

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