Arbeitnehmerkammer legt Analyse vor Bremen-Nord ist Hochburg der prekären Jobs

Bremen-Nord. Die Wirtschaft in Bremen-Nord hat sich nach langer Talfahrt auf schwachem Niveau stabilisiert, doch die verbliebenen industriellen Kerne bleiben bedroht. Dieser Befund lässt sich einer druckfrischen Untersuchung der Arbeitnehmerkammer entnehmen.
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Bremen-Nord ist Hochburg der prekären Jobs
Von Jürgen Theiner

Bremen-Nord. Die Wirtschaft in Bremen-Nord hat sich nach langer Talfahrt auf schwachem Niveau stabilisiert, doch die verbliebenen industriellen Kerne bleiben bedroht. Dieser Befund lässt sich einer druckfrischen Untersuchung der Arbeitnehmerkammer entnehmen.

'Bestandsaufnahme zum Wirtschaftsstandort Bremen-Nord' ist die gut 40 Seiten starke Arbeit überschrieben, und in der Tat hat Autor Bernd Strüßmann, der als Referent bei der Arbeitnehmerkammer für regionale Strukturpolitik zuständig ist, eine recht umfassende Situationsbeschreibung abgeliefert.

Ausgangspunkt der Betrachtungen ist die steile Abwärtsentwicklung bei der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, die sich zwischen 1970 und der Mitte des zurückliegenden Jahrzehnts vollzogen hat. Gab es zu Beginn dieses Zeitraums in Vegesack, Blumenthal und Burglesum noch gut 31000 Jobs, bei denen Sozialabgaben fällig waren, so waren es im Jahr 2007 nur noch rund 16800. Für die Verluste insbesondere im verarbeitenden Gewerbe stehen exemplarisch Namen wie der Bremer Vulkan oder die BWK, wo Tausende von Stellen verschwanden.

Bei der Bewältigung des Strukturwandels hat die Politik, so heißt es in der Studie, ganz überwiegend auf eine Stärkung des Dienstleistungssektors gesetzt - beispielsweise mit dem geplanten Ausbau der Gesundheitswirtschaft in Anlehnung an die Reha-Einrichtung Friedehorst und mit der Förderung des überörtlich relevanten Einzelhandels (Haven Höövt). Auch auf die Jacobs University als 'Kristallisationspunkt von Innovationen' gründeten sich Hoffnungen. Industriepolitisch seien dagegen keine Akzente mehr gesetzt worden, und auch der im Frühjahr aufgelegte 'Masterplan Industrie' biete für Bremen-Nord 'nur wenig Ansatzpunkte', schreibt Autor Bernd Strüßmann.

Zum Zeitpunkt seiner Erhebung wohnten in Bremen-Nord gut 28000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, von denen circa 72 Prozent zum Arbeiten auspendeln - entweder in die Stadt oder ins niedersächsische Umland. Von den rund 17000 versicherungspflichtigen Stellen in Bremen-Nord ist gut die Hälfte von Einpendlern in Beschlag genommen.

Die Zahl der Vollzeitstellen in Bremen-Nord hat sich in den vergangenen zehn Jahren signifikant verringert, und das ist der beunruhigendste Befund in der Studie. So liegt die Quote der Minijobs im Bremer Norden mit 20 Prozent deutlich höher als im übrigen Stadtgebiet (14,4 %). Mehr als jeder dritte Verkäufer oder Berufskraftfahrer und schon jede siebte Bürofachkraft tummelt sich in diesem Bereich. Noch stärker schlägt das Pendel bei der Leiharbeit aus. Entfielen Mitte 2009 auf dieses Segment im Stadtgebiet (ohne Nord) 3 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Jobs, so waren es Vegesack, Burglesum und Blumenthal 7,2 Prozent.

Aus der Untersuchung geht hervor, dass die Ausweitung der prekären Jobs nicht nur auf den Strukturwandel hin zum Dienstleistungssektor zurückgeht. Sie sei auch im produzierenden Gewerbe anzutreffen. In einigen Betrieben zeige sich 'klar die Tendenz, die eigene Produktivität und Wettbewerbsposition vor allem über die Verringerung des eigenen Personals und Senkung der Arbeitskosten zu steigern', fasst Bernd Strüßmann seine Beobachtungen zusammen.

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