Über das gesamte Stadtgebiet verteilt Bremen plant den Bau von 10.000 neuen Wohnungen

Der Bremer Senat schafft die Grundlage für den Bau von mehr als 10.000 Einheiten. Die Liste umfasst 77 Projekte, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind.
06.02.2021, 05:00
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Bremen plant den Bau von 10.000 neuen Wohnungen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen baut – nach Auffassung des Senats aber noch nicht genug. Die Regierung hat deshalb ein neues Programm aufgelegt und schafft die Grundlage, um mehr als 10.000 Wohnungen über das ganze Stadtgebiet verteilt zu errichten. Die Liste umfasst 77 Projekte. Teils sind es solche wie ein Abschnitt der Gartenstadt Werdersee oder der Schuppen 3 in der Überseestadt, die bereits genehmigt sind. Teils sind es solche wie ein Baufeld des Ellener Hofs in Osterholz und das Parkhaus Mitte in der Innenstadt, die noch in der Planung stecken. Das jüngst vom Senat verabschiedete Programm heißt „Wohnungsbauperspektiven 2020-23plus“, es zielt auf Projekte, die nach dem 1. Juli 2019 angepackt wurden.

Bislang sei es gelungen, die Nachfrage nach Wohnungen größtenteils zu befriedigen, heißt es im Senatsbeschluss. Trotzdem müsse permanent nachgesteuert werden. „Noch sind Potenziale im Bereich der großen Entwicklungsgebiete wie der Überseestadt oder dem Tabakquartier sowie in weiteren bedeutsamen Entwicklungsprojekten nicht ausgeschöpft“, stellt die Regierung fest. Dies gelte auch für die Entwicklung im Bestand, also den Umbau und die Erweiterung von ­Gebäuden, sowie für die Lückenbebauung. Ziel sei, dieses Potenzial mit dem Plus von 10.000 Wohnungen zu ergänzen, um ein langfristiges und ökologisch nachhaltiges Wachstum zu erreichen.

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Bremen will gewappnet sein: „Wenn die Marktlage und Nachfrage entsprechend groß sein sollten, muss es aufgrund planungsrechtlicher und bauordnungsrechtlicher Rahmenbedingungen möglich sein, die zusätzlichen Einheiten in der Legislaturperiode bis 2023 zu beantragen und Genehmigungen zu erhalten.“ Bei zwei Dritteln solle das durch neu genutzte Flächen geschehen, das restliche Drittel könne über die Weiterentwicklung des Bestands erreicht werden.

Neben den großen zusammenhängenden Vorhaben enthält die Liste Einzelprojekte, einige davon in Bremen-Nord, wie die Alte Molkerei in Burglesum und das Teichquartier in Aumund. Aufgeführt wird auch das umstrittene Bauvorhaben auf dem Bundesbank-Grundstück in der Kohlhökerstraße im Ostertor und die Pläne für das Könecke- und Coca-Cola-Gelände in Hemelingen. Unter dem Strich sind das 11.036 Wohnungen, wie aus dem Senatsbeschluss hervorgeht, mehr als die eigentlich anvisierten 10.000 Einheiten. Eine Differenz, die sich aus den Erfahrungen der Behörden speist: In den vergangenen Jahren hätten sich manche der erhofften Entwicklungen deutlich verzögert – durch Eigentümer, die nicht mitmachen wollten, Widerstände aus der Nachbarschaft, wie in der Kohlhökerstraße, und Gerichtsverfahren.

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Peter Sakuth, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der freien und privaten Wohnungsunternehmen in Bremen (ARGE Freier Wohnungsbau), bezweifelt, dass es sich bei dem neuen Programm des Senats um lauter zusätzliche Projekte handelt. Sakuth ist mit seiner Firma Gebr. Rausch selbst als Investor unterwegs. „Unser Vorhaben an der Oberneulander Mühle ist bereits seit vier Jahren im Verfahren und taucht trotzdem in der Liste auf“, sagt Sakuth. Den SPD-Politiker und ehemaligen Innensenator regt auf, wie lange es dauert, bis Bauprojekte verwirklicht sind: „Bremen ist die Stadt der kurzen Wege und langen Leitungen.“ Dem Bauressort wolle er keine Vorwürfe machen, „die sind unterbesetzt, eingestellt wird stattdessen in der Umweltbehörde“.

Bundesweit ist am Freitag ein weiteres Reservoir zur Entspannung des Wohnungsmarktes ins Spiel gebracht worden. Die durch Homeoffice frei werdenden Büroflächen könnten umgewidmet und als Wohnfläche genutzt werden, schreibt das Hannoveraner Pestel Institut in einer Analyse, die ein Bündnis aus der Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie, dem Deutschem Mieterbund und der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) in Berlin vorgestellt hat. Zudem dürften nach Einschätzung des Instituts mehr Menschen aufs Land ziehen, weil sich das gut mit Homeoffice vertrage und insbesondere für Familien attraktiv sei. „Das wird dafür sorgen, dass der Preisdruck auf Mieten und die Kosten von Wohneigentum in den Städten nachlässt und das Wohnen im Umfeld etwas teurer wird“, sagte Pestel-Vorstand Matthias Günther.

Dem Bündnis zufolge gibt es in Deutschland mehr als 350 Millionen Quadratmeter Bürofläche. Mit jedem Prozent Fläche, das umgewidmet würde, ließen sich rund 50.000 Wohnungen mit je 70 Quadratmetern schaffen, rechnen die Verbände vor. Dabei müsse es eine Sozialquote für bezahlbare Wohnungen geben.

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