Integriertes Drogenkonsumzentrum geplant

Mehr Angebote für Süchtige

Eine passenden Immobilie wird noch gesucht. Geplant und finanziert ist ein Integriertes Drogenkonsumzentrum laut Gesundheitsbehörde schon. Nahe liegt, es an den Konsumraum beim Papageienhaus anzudocken.
22.11.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Mehr Angebote für Süchtige
Von Joerg Helge Wagner
Mehr Angebote für Süchtige

Auf dem Parkplatz des Jakobushauses am Bahnhof gibt es den ersten Drogenkonsumraum der Stadt.

Karsten Klama

Bremen. Ohne Mittel aus dem Bremen-Fonds wird unterdessen ein weiteres ambitioniertes Projekt der Bremer Suchtmittelpolitik finanziert: das geplante Integrierte Drogenkonsumzentrum. Die Finanzierung stehe bereits, versichert Behördensprecher Lukas Fuhrmann, allerdings suche man noch nach einer geeigneten Immobilie. „Wir sind jedoch in der Planung selbstverständlich weitergekommen.“

Naheliegend wäre es, das Drogenkonsumzentrum quasi als Erweiterung der zwei Mobilbauten auf dem Parkplatz des Jakobushauses („Papageienhaus“) in der Friedrich-Rauers-Straße anzulegen. Seit Anfang September können in diesem ersten Bremer Drogenkonsumraum Abhängige unter kontrollierten und hygienischen Bedingungen ihre jeweiligen Substanzen konsumieren.

Betreut wird diese Einrichtung im Auftrag des Senats von Comeback, einer gemeinnützigen Gesellschaft im ambulanten Drogenhilfesystem. Comeback betreibt zudem eine Drogenberatung nebst medizinischer Ambulanz am Rembertiring, ein Elternprojekt in der Elisabethstraße, ein ergänzendes Methadonprogramm mit psychosozialer Betreuung in der Großen Johannisstraße und ein Projekt speziell für Frauen in der Löningstraße.

Gesamtleiter Wolfgang Adlhoch kann sich gut vorstellen, einige Angebote in einem Konsumzentrum zusammenzufassen. In einem Fernsehbeitrag formulierte er jüngst schon einmal, was dort aus seiner Sicht neben einem Konsumraum unabdingbar sei: ein Café, eine medizinische Ambulanz, Duschräume, eine Kleiderkammer und ein Ruheraum. Zusätzliche Angebote an Süchtige rufen in den Wohngebieten rund um den Bahnhof nicht nur Begeisterung hervor. Ingrid Kreiser-Saunders, stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtbezirksverbandes Mitte/Östliche Vorstadt, ist „besorgt über die zunehmenden Raubüberfälle im Umfeld des Bahnhofs, von denen schon ein weibliches Mitglied des Beirats und ein Nachbar betroffen waren“. Sie befürchtet eine Verlagerung der Drogendeals und Beschaffungskriminalität in die Wohngebiete.

Die CDU fordert deshalb „deutlich mehr sichtbare und ansprechbare Polizeipräsenz ganztägig in der Bahnhofsvorstadt“. Für das Innenressort ein schwieriger Spagat: Zum einen will man keinen Drogenhandel im Umfeld der Hilfseinrichtungen zulassen – andererseits ist man sich aber auch darüber im Klaren, dass dauernde polizeiliche Kontrollen der Süchtigen die Hilfsangebote torpedieren würden.

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