Mehrere Beschwerden

Bremen reagiert auf Beschwerden gegen sexistische Werbung

Sexistische Werbung stößt in Bremen zunehmend auf Kritik der Bürger. Seit April gab es 30 Beschwerden über elf Motive. Bremen geht als bislang einziges Bundesland gegen sexistische Werbung auf öffentlichen Werbeflächen vor.
02.10.2017, 07:58
Lesedauer: 2 Min
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Bremen reagiert auf Beschwerden gegen sexistische Werbung

Ein Plakat gegen sexistische Werbung steht im Juli in Bremen auf dem Marktplatz.

dpa

Sexistische Werbung stößt in Bremen zunehmend auf Kritik der Bürger. Seit April gab es 30 Beschwerden über 11 Motive, wie Susanne Gieffers von der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) der Deutschen Presse-Agentur sagte. Gemeldet wurden Plakate zu einer Fernseh-Casting-Show und Werbung für Sonnenstudios, einen Fensterbauer, einen Elektrobetrieb sowie eine Bäckerei-Kette. Auch Plakate von AfD und FDP wurden bei der Beschwerdestelle gemeldet. "Von den elf beanstandeten Motiven haben wir sechs als tatsächlich sexistisch eingestuft", sagte Gieffers.

Bremen geht als bislang einziges Bundesland gegen sexistische Werbung auf öffentlichen Werbeflächen des Landes und der Stadtgemeinde vor. Seit einem Senatsbeschluss im April müssen betroffene Plakate entfernt werden. Die Leitlinien entsprechen den Grundsätzen des Deutschen Werberats gegen Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen. Demnach soll Werbung keine Aussagen oder Darstellungen verwenden, die Personen wegen ihres Geschlechts oder anderer Merkmale diskriminiert. Gegen sexistische Werbung auf privaten Flächen hat die Behörde keine Handhabe.

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Beschwerden blieben häufig unbeantwortet

Zum Einsatz kam das Verfahren bei Werbung für eine Casting-Show im Fernsehen. Die betroffenen Plakate wurden entfernt. Nach Beschwerden gegen Werbung auf privaten Flächen schrieb die Landesbehörde die entsprechenden Unternehmen an und bat darum, die Werbung zu entfernen. "In den meisten dieser Fälle blieb unsere Beschwerde unbeantwortet", sagte die ZGF-Sprecherin. Bei beanstandeter Werbung für Parteien gab es keine Folgen. Wahlwerbung sei grundrechtlich geschützt, sagte Gieffers. Die Prüfung einiger Beschwerden ergab, dass es sich bei den gemeldeten Motiven um sexualisierte, aber nicht um sexistische Bilder handelte. Im Sonnenstudio gebe es nun mal gebräunte Haut - auch am Busen, so Gieffers.

Auch wenn bislang nur ein Motiv von Werbewänden entfernt wurde, hält die Landesbehörde das Verfahren für wirkungsvoll. Gieffers zufolge hinterfragen Bremer zunehmend die Werbung. "Ob diese Motive nun tatsächlich sexistisch sind oder Frauen oder Männer in sexualisierten Posen zeigen: Viele Menschen wollen das nicht mehr", sagte die Sprecherin. "Das hat nichts mit Prüderie oder Sittenpolizei zu tun, sondern mit dem Wunsch nach einem respektvollen Miteinander und einer würdevollen Darstellung auch in der Werbung - nicht zuletzt wegen der Wirkung auf Kinder und Jugendliche." Mit dem neuen Verfahren zum Einschätzen und Entfernen der Motive habe Bremen ein deutliches Zeichen gesetzt, dass sexistische Werbung unerwünscht sei. (dpa/lni)

++ Diese Meldung wurde um 09.20 Uhr aktualisiert. ++

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