Stadtführungen Bremen-Rundgang mit Charles Dickens

Studentinnen der Hochschule Bremen präsentieren Stadtführungen der etwas anderen Art im Viertel und in Worpswede. Die Führung wird in Segmente aufgeteilt, in denen Rollen aus Charles Dickens' Weihnachnachtsgeschichte.
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Von Martin Ulrich

Ebenezer Scrooge steht am Martinianleger. Er trägt einen schwarzen Gehrock und einen Zylinderhut, blickt hinauf zur Schlachte und sagt schaudernd sinngemäß: „Dieser ganze Weihnachtshumbug ist mir zutiefst zuwider. Wir sind doch nicht auf der Welt, um Glühwein zu trinken und Spaß zu haben!“ Ricarda Wilms, eine von vier Studentinnen des Kurses „Gästeführung“ am Studiengang Freizeitwissenschaften der Hochschule Bremen, spielt den Scrooge.

Aber das ist nicht alles: Zusammen mit Kiara Mende, Ann-Kathrin Knappe und Lena Hoppe macht sie ihre praktische Semesterabschlussarbeit direkt am lebenden Gast – in Form einer etwas anderen Gästeführung durch Bremen. Die vier Studentinnen teilen sich ihre zweistündige Führung in vier halbstündige Segmente auf. Jede Studentin übernimmt ein Segment und spielt eine Rolle aus Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte.

Die Dozentin Kathrin Klug sagt nicht ohne Stolz: „Ich habe ihnen nur die Grundlagen der Gästeführung vermittelt. Dieses Programm haben sie dann sehr kreativ vollständig selbst entworfen und ausgearbeitet.“ Und sie gehen tatsächlich in ihren jeweiligen Rollen voll auf. Ebenezer Scrooge führt die Gäste in seinem Teuil direkt zum Theaterschiff an der Schlachte.

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Dort ist man entsetzt darüber, wie man ein Schiff dermaßen verunstalten kann: „Schiffe sind dazu da, um Waren zu transportieren und nicht, um Spaß zu haben!“ Im Schnoor geht es dann zum Hintereingang des Geschichtenhauses. Hier kann nämlich eine Gruppe herumstehen, ohne die Menschenmassen zu behindern, die durch das Schnoorviertel strömen. Kiara Mende als Geist der Vergangenheit erzählt in fließendem Plattdeutsch, bis ihr die fragenden Gesichter einiger Gäste auffallen. Dann wechselt sie nahtlos ins Hochdeutsche.

Die Touristin Andrea Weidenbrück aus Düsseldorf ist angetan von den Gästeführer-Übungen der Studentinnen. Das, sagt sie, sei schon das Besondere an dieser sehr schönen Führung. „Ich fand diesen speziellen Blickwinkel auf die Kultur sehr interessant. Ich komme aus Düsseldorf und vergleiche immer sehr gern. Und dieser überraschende Einblick in die vielfältige Kreativ- und Kulturszene Bremens ist für mich hochinteressant.“

Gegenwart ist am Theater am Goetheplatz verortet

Touristin Kerstin Benecke ist Lehrerin. Sie unterrichtet „Deutsch als Fremdsprache“ und überlegt jetzt, ob eine Stadtführung dieser Art nicht auch ihren Schülern weiterhelfen könnte. Die Veranstaltung gefalle ihr jedenfalls sehr gut. Die Chancen ihrer Schüler, etwas ähnliches erleben zu dürfen, stehen also nicht schlecht.

Weiter geht es durch den Schnoor in Richtung Gegenwart, die Ann-Kathrin Knappe am Theater am Goetheplatz verortet. Im Foyer des Schauspiels gibt es eine kleine Einführung in die Geschichte des Bremer Theaters, einen Blick in den Zuschauerraum und Infos über die verschiedenen Spielstätten dieses Theater-Komplexes. Weiter geht es auf Nebenstraßen durch das Ostertorviertel.

Die nächste Station ist das Lagerhaus. Hier übernimmt der Geist der Zukunft mit Glitzerweste und Kristallkugel. Es geht hinauf in den kleinen Theatersaal. Lena Hoppe gibt einen kleinen Einblick in Sinn und Regeln des Improvisations-Theaters und leitet dann zu einigen Übungen an, die von allen sehr zustimmend angenommen werden.

"Worpswede in Gegensätzen"

Weiter geht es zum „kleinsten Theater der Welt“, dem Literaturkeller, der neben diesem Superlativ eine weitere Besonderheit aufweist: Es gibt ein Glas Wein umsonst und man zahlt, was man kann oder für angemessen hält. Lena Hoppe hält einen Besuch dieses Theaters für sehr lohnend – nicht nur, weil man vom Direktor selbst in den ehemaligen Weinkeller geführt wird, der als Spielstätte dient. Scrooge gibt sich in seinem anschließenden Schlusswort, der literarischen Vorlage entsprechend, geläutert. Er hat viel gelernt und ist milde gestimmt. Den vier Studentinnen ist ein herzlicher Applaus für ihre Gästeführung der anderen Art gewiss.

Am 6. Januar führt eine weitere Gruppe Studierender durch Worpswede. Ihr Thema lautet „Worpswede in Gegensätzen“: laut und leise, alt und neu, süß und salzig. Anmelden unter gaestefuehrung-worpswede@gmx.de. Die Führung beginnt um 10 Uhr.

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