Was wurde aus Joanna aus der Rembertistraße?

„Ich muss wohl alles wegwerfen“

Mitte September brannte es in der Rembertistraße 76. Dort lebte auch Joanna mit ihren beiden Söhnen. Die Mutter erzählt, wie es ihr seitdem ergangen ist.
04.01.2021, 05:00
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„Ich muss wohl alles wegwerfen“
Von Nina Willborn
„Ich muss wohl alles wegwerfen“

Joanna hat im September ihre Wohnung durch einen Brand verloren.

Christina Kuhaupt

Die Geschehnisse der Nacht vom 14. auf den 15. September bestimmen noch immer ihr Leben. Damals war im Keller des Mehrfamilienhauses in der Rembertistraße 76, in dem Joanna, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, mit ihren beiden Kindern lebte, ein Feuer ausgebrochen.

Joanna und ihre Söhne, knapp zwei und 15 Jahre alt, waren zunächst mithilfe der Zentralen Fachstelle für Wohnen in Oberneuland untergekommen, in einem der „Kampa-Häuser“, die in den 1990er-Jahren für Flüchtlinge aufgestellt worden waren. Damals hatten sie sich im Gespräch mit dem WESER-KURIER gefragt, wie lange sie wohl dortbleiben würden. Seit Mitte November lebt die Familie wieder in der Innenstadt, aber immer noch im Übergang. Die Strabag, die auch die abgebrannte Immobilie im Auftrag der Fondsgesellschaft Swiss Life Asset Managers Germany bewirtschaftet, hat ihnen eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Nachbarhaus vermittelt.

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Alle 68 Wohnungen der Rembertistraße 76 seien noch unbewohnbar, teilt Stephan Pacho, Sprecher der Fondsgesellschaft, mit. Und das wird auch noch mehrere Monate so bleiben: „Nach ersten Einschätzungen der Versicherung wird das gesamte vom Brand in Mitleidenschaft gezogene Gebäude noch etwa ein halbes Jahr unbewohnbar sein“, sagt er. Zum Zeitpunkt des Feuers seien insgesamt 47 Wohnungen vermietet gewesen.

Joannas Sorgen aus dem September sind geblieben. Das geht bei der Frage los, warum sich die Sanierung so lange hinzieht. Laut Pacho soll sie im Keller, wo das Feuer ausgebrochen war, beginnen. Dafür müssten aber erst alle Kellerabteile geräumt werden. „Zuerst muss alles kontaminierte Material raus“, sagt der Sprecher. Die Versicherung habe inzwischen Teilleistungen der Handwerker zur Instandsetzung freigegeben. Wie Joanna die Dinge, die in ihrem Keller lagerten, entsorgen und vor allem, wie sie diese Entsorgung bezahlen soll, weiß sie nicht.

Seit dem Brand nur Kosten

Die Familie hat nicht viel Geld zur Verfügung. Die gelernte Altenpflegerin arbeitet im Moment nicht, weil sie den jüngeren Sohn betreut. „Mein Freund arbeitet, aber wir liegen insgesamt nur knapp über der Grenze zu Hartz IV“, sagt die 35-Jährige. „Und wir haben seit dem Brand nur Kosten. Ein Ding kommt zum Nächsten.“ Die Einrichtung zum Beispiel. Eigentlich ist ja alles da, nur eben in der alten Wohnung, und die Möbel, die Kleidung und die Einrichtungsgegenstände sind wohl zum Großteil nicht mehr zu gebrauchen. „Ich realisiere langsam, dass ich wohl alles wegwerfen muss“, sagt Joanna.

Es gibt einige Menschen, die Joanna nach dem Brand geholfen haben, mit Geld- und Sachspenden. Neulich erst hat sie über einen Facebook-Kontakt ein Sofa und eine Schrankwand für die Übergangswohnung geschenkt bekommen. Die Hilfe anzunehmen, fällt der jungen Frau jedoch nicht leicht. „Ich finde es schwierig, über meinen Schatten zu springen und mir zu sagen, dass ich mich dafür nicht schämen muss“, sagt sie. „Eigentlich ist mein Motto, dass ich es alleine schaffen will.“

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Was Joanna nach wie vor zu schaffen macht, ist die Frage nach dem Warum. Laut Pacho liegt das abschließende Gutachten zur Brandursache noch nicht vor. „Wir gehen jedoch davon aus, dass kein technischer Defekt am Gebäude vorlag“, sagt er.

Joanna ist davon überzeugt, dass jemand das Feuer absichtlich gelegt hat. Und das macht sie wütend. „Ich kann nichts für diesen Brand und habe seitdem nur Probleme“, sagt sie.

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In dieser Reihe schauen wir auf – coronafreie – Themen, die Bremen im vergangenen Jahr beschäftigt haben, und darauf, was aus ihnen geworden ist.

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