Projekt will für gesünderes Essen werben

Bremen soll „BioStadt“ werden

In Bremen soll regionaler, umweltbewusster und gesünder gegessen werden. Das Projekt „BioStadt Bremen“ soll dabei werbend für die Stadt sein und nicht vorschreibend.
02.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen soll „BioStadt“ werden
Von Ralf Michel
Bremen soll „BioStadt“ werden

Gesünder essen in Bremen? An Obstverkäuferin Emine Sarakaya vom Wochenmarkt soll es nicht scheitern.

Frank Thomas Koch

In Bremen soll regionaler, umweltbewusster und gesünder gegessen werden. Mehr Bio in Kitas, Schulen, Mensen und Kantinen der kommunalen Verwaltung, mehr Bio bei Großveranstaltungen, mehr Bio in der Gastronomie. . . Es ist nicht eben wenig, was sich die Verantwortlichen des Projektes „BioStadt Bremen“ auf die Fahnen geschrieben haben. Aber eines soll das Projekt auf keinen Fall: Vorschreibend oder gar lustfeindlich daherkommen.

Der Ansatz ist nicht neu. Schon 2009 hat der Senat den Beschluss gefasst, die gesunde Ernährung in der Hansestadt zu fördern, mit Augenmerk auf regionale und umweltbewusste Kost. Seinerzeit wurde der Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen aufgefordert, unter der Marke „BioStadt Bremen“ ein entsprechendes Konzept auszuarbeiten.

Die Folgen dieses Senatsbeschlusses blieben jedoch überschaubar. Was nicht zuletzt daran gelegen habe, dass das Thema ressortmäßig schwer zu verorten war, sagt Holger Bruns, Pressesprecher der Wirtschaftsbehörde. Gesundheit, Verbraucherschutz, Umwelt, Wirtschaft – alle ein wenig betroffen, aber eben doch nicht wirklich. Doch nun ist alles anders: Ab sofort hat das Wirtschaftsressort in Sachen Biostadt den Hut auf. Und mit Claudia Elfers wurde eine Projektleiterin gefunden, die all das, was bereits unter dem Siegel „Bio“ in Bremen aktiv ist, in den kommenden zwei bis drei Jahren koordinieren, vernetzen und voranbringen soll.

Es gehe dabei nicht darum, dicke Bretter zu bohren, erklärt Bruns, sondern vielmehr um Projekte, „die wir merken werden in der Stadt“. Dafür zu sorgen, dass mehr Bio-Produkte in der Region erzeugt, gehandelt und verzehrt werden, lautet das zentrale Ziel. Adressaten des gesünderen Essens sind in erster Linie Kindergärten und Schulen (Elfers: „Da gibt’s noch viel Luft nach oben!“) oder auch die öffentlichen Mensen und Kantinen. Die „BioStadt Bremen“ solle an vielen Stellen erkennbar werden. Und mit konkreten Ergebnissen. Spätestens Mitte 2016 werde man sehr genau nachschauen, kündigt Bruns an. „Wo stehen wir? Was haben wir erreicht?“

Das Rad neu erfinden brauchen die Bremer dafür nicht. Nicht nur beim Fußball, offensichtlich auch beim gesünderen Essen kann von der Stadt München gelernt werden. Die hat schon 2006 beschlossen, Biostadt zu werden, diese Absicht 2008 noch einmal untermauert und seither Beschlüsse gefasst wie etwa den zur „Reduktion des Verzehrs von Fleisch und Eiern aus Gründen des Gesundheits- und Tierschutzes“. Eines der Ziele, dass sich der Münchner Stadtrat gesetzt hat, lautet, dass 50 Prozent der Schulverpflegung aus Biokost besteht, berichtet Claudia Elfers.

Acht Jahre nach dem Startschuss spricht man in München von „Erfolgsprojekt“. Was genau darunter zu verstehen ist, wird am 8. Januar Angelika Lintzmeyer aus dem Referat für Gesundheit und Umwelt der Stadt München in Bremen berichten. Sie hält das Impulsreferat bei der offiziellen Auftaktveranstaltung des Projektes „BioStadt Bremen – regional.nachhaltig.fair“ im Festsaal der Bürgerschaft.

Diese Veranstaltung ist, neben einem Flyer zum Thema, der erste sichtbare Arbeitsschritt von Claudia Elfers. Über 170 Teilnehmer hat sie eingeladen, 80 davon haben bisher zugesagt. Initiativen, Vereine, Verbände – „Wir haben alles, was es an Kompetenzen zu diesem Thema in Bremen und in der Region gibt, angesprochen“. Dieses Wissen und Engagement zusammenzubringen, ist erklärtes Ziel der Projektleiterin. „Die BioStadt wird nur ein Erfolg, wenn es gelingt, möglichst viele Menschen einzubinden. Das Projekt muss auf viele Schultern verteilt werden.“

Mit den unterschiedlichen Facetten dieser Aufgabe befassen sich bei der Auftaktveranstaltung am 8. Januar mehrere Arbeitsgruppen. Neben der sattsam bekannten Forderung nach mehr Bio in Kitas, Schulen und öffentlichen Einrichtungen sollen Themen wie „Bio für Tourismus und Gastronomie“, „Bio besser vermarkten“ oder auch „Wie kann Bio für alle erschwinglich sein?“ diskutiert werden.

Und noch eines ist den Verantwortlichen wichtig. Offensichtlich wurde aus dem Veggie-Day-Desaster der Grünen gelernt. Holger Bruns: „Das Projekt kommt nicht vorschreibend oder lustfeindlich daher, sondern werbend für die Stadt.“

>> Lesen Sie hier einen Kommentar unseres Redakteurs Ralf Michel

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