Antrag in der Bürgerschaft Bremen soll sich im Bund für ein Verbot von Wildtierhandel einsetzen

Die Bremer Fraktionen sollen die Regierung auffordern, den Handel mit exotischen Tieren zu verbieten. Das wollen Grüne, Linke und SPD an diesem Mittwoch mit einem Antrag in der Bürgerschaft durchsetzen.
26.01.2021, 20:42
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Bremen soll sich im Bund für ein Verbot von Wildtierhandel einsetzen
Von Nina Willborn

Elfriede, die gewöhnliche Moschusschildkröte, eine Zwergbartagame namens Salomé und die Königspythons Cinnamon und Pepper: Gemeinsam haben diese vier, dass sie alle im vergangenen Jahr im Bremer Tierheim gelandet sind, weil ihre Besitzer sich aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr um sie kümmern konnten oder wollten. Insgesamt sind derzeit 58 exotische Tiere in den Aquarien und Terrarien des Tierheims zu Hause, 33 Wasser- und Landschildkröten, 13 Schlangen und diverse Echsen-Arten. „Das ist viel, finde ich. Und die Zahl der Exoten hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, sagt Sprecherin Gaby Schwab. „Wir mussten unsere Station für sie ständig erweitern.“

Das Problem aus Sicht vieler Tierschützer: Es ist verhältnismäßig einfach, sich eine Schlange, eine Spinne oder einen Leguan über Verkaufsbörsen oder private wie gewerbliche Anbieter im Internet zu besorgen. Wesentlich schwieriger gestaltet sich dann aber die artgerechte Haltung – mit der Folge, dass die Tiere in vielen Fällen abgegeben oder einfach ausgesetzt werden.

Mit Dringlichkeitsantrag in der EU Druck machen

Das ist aber nur einer der Gründe, warum exotische Tiere an diesem Mittwoch in der Bürgerschaft Thema sind. Mit einem Dringlichkeitsantrag wollen Grüne, SPD und Linke durchsetzen, dass Bremen sowohl im Bund als auch auf europäischer Ebene Druck macht, damit das schon lange diskutierte Verbot von Lebendimporten von Wildfängen durch- und umgesetzt wird und sowohl der Internethandel mit Wild- und exotischen Tieren als auch Exotenbörsen verboten werden. Ausnahmen sollen nur nach wissenschaftlichen Kriterien des Artenschutzes zugelassen werden. Die CDU will sich anschließen.

Genaue Zahlen, wie viele Wildtiere und Exoten pro Jahr nach Deutschland importiert werden, gibt es nicht – unter anderem deshalb, weil ein Großteil der Arten nicht unter die EU-Artenschutzverordnung fällt und Importe deshalb weder genehmigt werden müssen noch zentral erfasst werden. Laut einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz von 2020 ist Deutschland aber eines der Hauptabnehmerländer.

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Philipp Bruck, Sprecher der Grünen-Fraktion für Tierpolitik, nennt als Gründe, die für Import- und Handels-Verbote sprechen, den Tier- sowie den Artenschutz und nicht zuletzt auch die Pandemieprävention. „Noch immer sind viele der gehandelten Wildtiere Naturentnahmen“, sagt er, „das ist aus Gründen des Artenschutzes gefährlich.“ Zum Aspekt des Verbots aus Tierschutzgründen gehört für den Grünen, dass Schlangen und Co. leiden, wenn sie unter den falschen Bedingungen gehalten werden.

Bruck: "Viele Menschen bestellen sich exotische Tiere im Internet, ohne Ahnung davon zu haben, was sie für Ansprüche haben." Nicht zuletzt, so heißt es in dem Antrag, zeigten auch die jüngsten Epidemien, dass der Kontakt von Menschen und wilden Tieren – wenngleich über den Umweg von zum Verzehr genutzten Säugetieren – gefährlich sein kann. "Drei Viertel der neuen Infektionskrankheiten sind Zoonosen, wurden von Tieren auf den Menschen übertragen", sagt Bruck. Sars, Ebola oder das Marburgfieber seien Beispiele."

„Hier gehören exotische Tiere nicht hin“

Persönlich finde sie exotische Tiere „wunderschön“, sagt Silvia Neumeyer, Tierschutzsprecherin der CDU-Fraktion und Mitglied im Vorstand des Bremer Tierschutzvereins. „Aber eben da, wo sie auch hingehören. Und hier gehören sie nicht hin.“ Ebenso sei der Platz, der in Tierheimen vorhanden sei, endlich. „Ich finde es deshalb gut, wenn sich die Bürgerschaft mit dem Thema Tierschutz beschäftigt“, sagt die Abgeordnete. „Ich halte den Antrag in der Sache für richtig.“

Auch im Bremer Tierheim, sagt Sprecherin Schwab, wären sie froh, wenn der Handel über Tierbörsen, auf denen Käufer keinerlei Kenntnisse über die Haltung von exotischen Tieren nachweisen müssten, eingestellt würde. „Natürlich gibt es Fans, die sich damit auskennen und die das ganz toll machen“, sagt Schwab. „Viele wissen aber eben auch nicht, dass jeder Exot bestimmtes Licht und bestimmte Temperaturen zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten braucht und meistens auch spezielles Futter.“ Wenn sich Menschen für Tiere wie Elfriede oder Salomé interessierten, achte das Tierheim deshalb darauf, sagt Schwab, dass sie Erfahrung wie Ausstattung nachweisen können.

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