1419 Asylbewerber freiwillig aus Bremen und Niedersachsen ausgereist

Für die freiwillige Rückkehr in ihr Herkunftsland erhalten Asylbewerber oder mittellose Ausländer eine finanzielle Förderung. 1419 Menschen haben so im vergangenen Jahr Bremen und Niedersachsen verlassen.

Foto: Uwe Zucchi /dpa

Für die freiwillige Ausreise erhält ein erwachsener Rückkehrer 1000 Euro von Bund und Ländern.

In Niedersachsen und Bremen haben im vergangenen Jahr 1419 Asylbewerber und andere mittellose Ausländer Geld erhalten, damit sie in ihr Herkunftsland zurückkehren. Auf Bremen entfielen 132 Menschen. Das geht aus vorläufigen Zahlen des niedersächsischen Innenministeriums und der Rückkehrberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bremen hervor, die dem WESER-KURIER vorliegen. Die Bundesregierung und die Länder fördern abgelehnte Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge, die freiwillig in ihre Herkunftsländer zurückgehen. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wird die Reise organisiert, die Kosten werden übernommen. Zudem erhalten Rückkehrer eine Bargeld-Auszahlung, für Erwachsene sind dies 1000, für Minderjährige 500 Euro. Eine Familie kann bis zu 3500 Euro erhalten.

Der Anteil der Asylbewerber und Flüchtlinge, die freiwillig in ihr Herkunftsland zurückkehren, ist allgemein eher niedrig. 2019 wurden laut Bundesamt für Flüchtlinge und Migration (Bamf) bundesweit knapp 166 000 neue oder Folgeanträge auf Asyl gestellt. Bremen nimmt nach dem Königsteiner Schlüssel etwa ein Prozent (1660) und Niedersachsen 9,3 Prozent (15 400) der Menschen auf. Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern sind aufwendig und teuer. Deshalb fördert die Bundesregierung freiwillige Rückreisen seit 2017 zusätzlich zu den Bargeldzahlungen mit dem Programm „Starthilfe Plus“. Das bedeutet, je nach Land erhalten die Rückkehrer Geld für Wohnungseinrichtung oder Medizin. Staatsangehörige bestimmter Länder wie Irak, Afghanistan oder Eritrea können nach sechs bis acht Monaten Aufenthalt im Heimatland ein zweites Mal Geld erhalten.

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„Keiner der Menschen, die zurückgegangen sind, hat das nur wegen, Starthilfe Plus‘ gemacht“, sagt Sogand Schorb von der Awo Bremen, die die Rückkehrberatung durchführt. „Das Geld erleichtert die Entscheidung und ist hilfreich, aber nie der Grund.“ Eine Studie des Bamf kommt zum gleichen Schluss: Demnach befördert das Geld die Bereitschaft zur Ausreise in den seltensten Fällen. Ziehen Menschen eine Rückreise aber in Betracht, trage das Geld zur Entscheidung bei, insbesondere bei Familien, schreibt das Amt. „Ein großer Teil der Beratungssuchenden sind abgelehnte Asylbewerber“, berichtet Schorb. „Für sie stellt die freiwillige Rückkehr eine Alternative zur Abschiebung dar.“ Andere Gründe für eine Rückkehr seien Heimweh, Sehnsucht nach der Familie, Angst um Angehörige oder die Tatsache, keine berufliche Perspektive in Deutschland zu haben. Einige Rückkehrer wollten auch ihren Lebensabend im Geburtsland verbringen.

Bürgerkriegsland Syrien gilt als unsicher

Der Awo zufolge haben sich im vergangenen Jahr 239 Menschen aus dem Land Bremen zu einer freiwilligen Ausreise beraten lassen. Viele dieser Personen stammten aus Russland oder der ehemaligen Sowjetunion, Irak, Georgien, Mazedonien oder Albanien. Trotz der schwierigen Lage in dem Bürgerkriegsland ließen sich 38 Syrerinnen und Syrer beraten, 13 reisten tatsächlich zurück. Aus Niedersachsen nahm ein Syrer die Rückkehrförderung in Anspruch, wie das Innenministerium in Hannover mitteilte. Diese Rückreisen sind noch immer äußerst schwierig, weil das Bürgerkriegsland unter Präsident Baschar al-Assad als unsicher gilt. Die IOM, die üblicherweise die Flüge oder Busreisen von freiwilligen Rückkehrern durchführt, ist nicht in die Organisation der Rückreisen nach Syrien eingebunden. Allerdings fördern einige Bundesländer, darunter auch Bremen und Niedersachsen, die freiwillige Rückkehr in dieses Land unter bestimmten Voraussetzungen.

Ein kleiner Teil der Menschen kam trotz der Ausreise-Unterstützung wieder nach Deutschland zurück. In Niedersachsen waren es zwischen 2014 und 2018 etwa 4,6 Prozent und in Bremen 4,5 Prozent. Deshalb sei eine nachhaltige Wiedereingliederung im Herkunftsland wichtig, sagt Schorb von der Awo Bremen. Seit einigen Jahren gibt es daher zahlreiche Programme, mit denen schon von Deutschland aus die berufliche Zukunft geplant wird. Eines davon ist in Kooperation mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit des Bundesentwicklungsministeriums entstanden. Ausreisewillige, die sich selbstständig machen wollen, können außerdem ein Existenzgründer-Coaching vor ihrer Rückreise beantragen, berichtet Schorb.

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