Wetter: bedeckt, 9 bis 15 °C
Bauunternehmer Kurt Zech im Interview
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

„2021 könnte klappen“

Moritz Döbler 13.07.2017 0 Kommentare

Interview mit Kurt Zech - Zechbau - Thema Innenstadtentwicklung -
Kurt Zech entwickelt als gebürtiger Bremer seit 40 Jahren Bauprojekte in der Hansestadt. (Frank Thomas Koch)

Herr Zech, Sie wollen die Bremer Innenstadt grundlegend umbauen – warum?

Kurt Zech: Alle haben die gleiche Erkenntnis: So wie die Innenstadt sich zurzeit präsentiert, ist sie nicht überlebensfähig. Nach all den vergeblichen Versuchen, dort etwas hinzukriegen, gibt es aus meiner Sicht nur den Weg, am Kern, also am Parkhaus Mitte, anzufangen. Da wir Partner von Karstadt sind – uns gehört die Immobilie – und wir auch die Eigentümer des Kaufhof-Gebäudes gut kennen, haben wir uns mit beiden in Verbindung gesetzt. Wir haben Einigkeit erzielt, dass wir untersuchen wollen, das Parkhaus Mitte aufzugeben und eine Passagenlösung zu schaffen. Es sollen komplett neue Wegebeziehungen entstehen. 

Mehr zum Thema
Pläne für die Bremer Innenstadt: Zech will Bremen zügig umbauen
Pläne für die Bremer Innenstadt
Zech will Bremen zügig umbauen

Der Bauunternehmer Kurt Zech sieht sich in seinen Plänen für eine weitreichende Umgestaltung der ...

 mehr »

Aber was interessiert Sie daran? Es ist ein sehr komplexes Projekt, das seit Jahren stockt. Zugleich sind Sie mit Ihrem Unternehmen in der ganzen Welt aktiv. Was treibt Sie in dieses Kleinklein in Bremen?

Es ist nicht Kleinklein. Hinzu kommt: Ich bin Bremer. Ich bin in dieser Stadt geboren, ich entwickele seit 40 Jahren Bauprojekte in Bremen. Es liegt mir am Herzen, hier etwas zu erreichen. Wir haben uns beim Lloydhof beworben, das ist leider gescheitert. Aber ich will das Zentrum Bremens nicht einfach aufgeben. Das ist die letzte Möglichkeit. Die Innenstadt muss sich verändern, damit sie zukunftsfähig ist und gegen den Onlinehandel und die großen Einkaufszentren im Umland bestehen kann. Wir müssen eine Attraktion schaffen, und das lässt sich an dieser Stelle machen.

Damit das klappt, müssen viele mitziehen. Wie empfinden Sie die Resonanz aus der Politik auf Ihr Vorhaben?

Ich bin ehrlicherweise überrascht, wie positiv die Politik diese Pläne aufgenommen hat. Das Parkhaus Mitte aufzugeben, wird im Senat und in der Opposition einhellig positiv beurteilt. Bisher ist es nur eine Idee, aber wir haben kräftigen Rückenwind.

1000 Stellplätze für Autos würden damit verschwinden. Ist das nicht ein Problem?

Ich bin selbst Autofahrer. Insofern ist mein erster Impuls zu sagen: Ja, das ist ein Problem. Aber wir finden Lösungen, da bin ich sicher. Das Parkhaus am Brill wurde schon einmal aufgestockt, da könnte man weitere ein, zwei Geschosse draufsetzen. Ähnlich gilt das für das Parkhaus am Pressehaus. Wir haben insgesamt eine gewisse Überkapazität, und ohnehin geht der Trend weg vom Individualverkehr. Wir werden ausreichend Parkraum in Bremen haben, wir finden einen goldenen Mittelweg.

Sie müssen viele für Ihren Plan gewinnen. Bei Karstadt tun Sie sich etwas leichter, weil Ihnen das Gebäude gehört. Wie ist die Resonanz dort?

Wir sind mit Karstadt in einem konstruktiven, guten Gespräch, auch dieses Haus zukunftsfähig zu machen. Wir haben unseren Plan für die Innenstadt mit der Karstadt-Geschäftsführung besprochen und haben die volle Unterstützung von dort.

(Frank Thomas Koch)

Was ist mit Kaufhof? Wenn ich Ihren Plan richtig verstehe, dann verschwindet dieses Warenhaus.

Nein, das ist falsch. Wir gehen in keiner Weise davon aus, dass Kaufhof geschlossen wird. Aber mit dem Gebäude muss absehbar etwas passieren. Der Mietvertrag läuft Anfang/Mitte des nächsten Jahrzehnts aus, spätestens dann muss grundlegend saniert werden. Die Eigentümer der Immobilie, mit denen wir uns eng abgestimmt haben, teilen unsere Überzeugung. Die Gespräche mit dem Mieter Kaufhof müssen aber noch geführt werden. Nun hat auch dort der Eigentümer gewechselt, sodass wir eine gute Ausgangslage für eine konstruktive Lösung haben. Vorstellbar ist, dass man das Gebäude nach und nach saniert. Wir sollten an den Enden der neuen Passage Warenhäuser haben, die als Magnete wirken.

Das Wesentliche an Ihrem Konzept ist, dass neue Laufwege entstehen. Aber das ist ja nur die äußere Form. Was ist denn der Inhalt, welche Läden sähen Sie gerne dort?

Ich glaube, dass so mehr Qualität entsteht. Die Bremer Innenstadt ist in den letzten zehn Jahren stehengeblieben. Wir werden neue Flächen schaffen können, wo neue Angebote entstehen.

Mehr zum Thema
Die Innenstadt neu im Fokus: Bremen in Bewegung
Die Innenstadt neu im Fokus
Bremen in Bewegung

Seit bekannt geworden ist, dass der Bremer Unternehmer Kurt Zech in der Bremer City am großen Rad ...

 mehr »

Was meinen Sie? Gucci?

Ständig entstehen neue Möglichkeiten und neue Marken. Die Chancen sind unbegrenzt. Wir können viele attraktive Einzelhändler für Bremen begeistern, wenn wir die passenden Flächen anbieten. Und auch die bestehenden Einzelhändler können sich verbessern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass C&A aktuell mit der Lage zufrieden ist. Wir wollen die B-Lagen reduzieren und A-Lagen schaffen. Dazu gehören auch weitere Fußgängerzonen, etwa die Knochenhauerstraße und die Carl-Ronning-Straße.

Sie haben beschrieben, dass Ihnen dieser Plan auch ein persönliches Anliegen ist. Wie kommt das?

Ich bin Bremer. Ich lebe hier seit 60 Jahren. Ich habe die Stadt nie länger als drei Wochen verlassen. Unser Unternehmen sitzt hier, die Familie lebt hier. Das ist meine Heimat. Bremen ist etwas Besonderes für mich.

Ihre Unternehmensgruppe kommt inzwischen auf 1,8 Milliarden Euro Jahresumsatz und beschäftigt mehr als 7000 Mitarbeiter. Da ist dieses Projekt nur ein Mosaiksteinchen.

Ja, das stimmt. Zumal wir uns mit mehreren Partnern abstimmen müssen. Die DIC als Eigentümerin des Kaufhof-Gebäudes und René Benko, dem die Karstadt-Gruppe gehört, würden sicherlich mitmachen. Auch Karstadt-Sport und Roland können sich anschließen, ähnlich gilt das für C&A und die neuen Eigentümer des Lloydhofes. Von daher hat die Investitionssumme für uns einen überschaubaren Rahmen.

Auf dem Originalplan der Zech-Konzeptstudie sind die noch namenlosen neuen Passagen zwischen den beiden Einzelhandelsflächen zu erkennen. Durch das C&A-Gebäude und zwischen Karstadt Sports und Roland könnten sie weitergeführt werden. Das Parkhaus Mitte ist verschwunden.
Auf dem Originalplan der Zech-Konzeptstudie sind die noch namenlosen neuen Passagen zwischen den beiden Einzelhandelsflächen zu erkennen. Durch das C&A-Gebäude und zwischen Karstadt Sports und Roland könnten sie weitergeführt werden. Das Parkhaus Mitte ist verschwunden. (Zech)

Dreh- und Angelpunkt ist, dass Sie das Parkhaus Mitte kaufen. Wie schnell könnte das klappen?

Die Antwort kann nur die Stadt geben. Es sind noch viele Gespräche zu führen. Für die Stadt und die Brepark macht ein Verkauf nur Sinn, wenn das Parkhaus abgerissen wird. Ein Vorteil ist, dass eigentlich nur die Eigentümer der Gebäude von Karstadt und Kaufhof das Parkhaus erwerben können, weil die auf Rechte verzichten müssten. Beide sitzen mit am Tisch.

Wenn bei Ihrem Plan für die Innenstadt alles am Parkhaus Mitte hängt, müsste es sehr viel mehr wert sein, seitdem Sie sich damit beschäftigen.

Die Brepark und die Stadt müssen einen Preis finden, und wir müssen uns dann überlegen, ob der in die Kalkulation des Gesamtobjekts passt.

Wie groß wird die Bausumme sein, und wie lange dauert das alles?

Wir stehen ganz am Anfang. Wir haben noch überhaupt keine Einschätzung zum Investment. Wir wissen auch noch nicht, wie man mit dem Kaufhof-Gebäude umgeht. Möglicherweise zieht der Kaufhof auch um. Auf jeden Fall brauchen wir Geduld, und es funktioniert nur in Etappen. Die ersten Schritte sind der Abriss des Parkhauses und die Neugestaltung des Karstadt-Gebäudes. Die reine Bauzeit für das gesamte Projekt ist mit zweieinhalb bis drei Jahren anzusetzen.

Wann sind Sie mit allem fertig, wenn es gut läuft?

Das ist eine Rechnung mit mehreren Unbekannten, das kann ich nicht sagen. Es hängt an der Stadt, wie schnell die Umsetzungsfähigkeit gegeben ist. Auch wenn wir auf Eigentümerseite relativ schnell Einigkeit herstellen, müssen wir mit den Nutzern sprechen. Bei Karstadt sind wir weit, bei Kaufhof müssen wir quasi von vorne anfangen. Wir wollen eine ganzheitliche Lösung, bei der alle an einem Strang ziehen.

In welchem Jahr landen wir dann – 2020, 2021, 2022?

2021 könnte klappen.

Wird es eine Ausschreibung geben?

Das bedarf der Diskussion. Wichtig ist, dass wir nicht die Fehler wiederholen, die beim Lloydhof gemacht wurden. Wir dürfen das Projekt nicht überfrachten.

Wie schätzen Sie im Moment die Realisierungschancen ein?

Gefühlt? Besser als Fifty-fifty. Ich glaube, die Stadt und die Fachgremien sind bereit, einen solchen Lösungsweg mitzugehen. Wir dürfen bloß jetzt nicht zwei Jahre lang diskutieren. Dann wäre die Gelegenheit vertan. Nachdem hier mehrere Projekte gescheitert sind, wird Bremen in der Fachwelt nicht mehr so ernst genommen. Wir müssen Fakten schaffen, und wir müssen für Vertrauen bei den Mietern und Nutzern sorgen. Der Bau des Einkaufszentrums am Ansgarikirchhof ist doch auch gescheitert, weil für den portugiesischen Investor Sonae Sierra völlig unklar war, wohin sich die Bremer Innenstadt entwickelt.

Was ist das dickste Brett?

Da liegt ein Stapel von ziemlich dicken Brettern. Fragen Sie mich in einem halben Jahr, welches das dickste ist.

Das Interview führte Moritz Döbler.

Zur Person:

Kurt Zech ist Geschäftsführender Gesellschafter der Zech Group und hat die Firma 1978 von seinem Vater übernommen. Schwerpunkt sind Bau und Immobilien, aber er ist auch als Reeder und Hotelier tätig.

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 9 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige