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Küstenschutzprojekte am linken Weserufer
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Anwohner fürchten Partymeile am Deich

Frauke Fischer 04.02.2016 21 Kommentare

Deichspaziergang mit Senator Joachim Lohse
Senator Joachim Lohse (rechts) erläutert Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Informationsspaziergangs anhand des Plakats den Querschnitt des künftigen Deichs. (Frank Thomas Koch)

Wenn der Wind wie jüngst ordentlich von Nordwest weht und die Weser über die Ufer treibt, wird es besonders klar: Bremen liegt ziemlich tief. Wie tief, das haben Umwelt- und Bausenator Joachim Lohse (Grüne) und seine Experten am Donnerstag bei einem Deichspaziergang zwischen Langemarckstraße und Piepe erläutert: „90 Prozent der Landesfläche würden ohne Hochwasserschutz überflutet“, sagte Lohse.

Der Anlass für den Bummel bei Regen auf der Neustädter Seite an der Weser entlang: Stadtplaner und Deichschützer haben Bürgerinnen und Bürgern die notwendigen Deicherneuerungspläne im Rahmen des Generalplans Küstenschutz vorgestellt. Eine Chance, mehr hochwertigen Freiraum am Fluss zu schaffen, sagen die einen. Eine Verschlechterung ihres Umfeldes durch Baumfällungen und mehr Trubel befürchten dagegen viele Anwohner.

„Wir haben die technischen Eckpunkte festgelegt. Wie der Raum dazwischen gestaltet und für die verschiedenen Nutzungen geordnet wird, ist offen“, versicherte Lohse den zum Teil sehr skeptischen Teilnehmern des Spaziergangs. Bis Herbst solle unter Einbeziehung der Bürgeranregungen festgelegt werden, wie der neue Deich, der bis 2025 fertig sein soll, aussieht und genutzt wird. Vor allen Dingen für Fußgänger und Radfahrer soll mehr Platz sein.

Im Wesentlichen geht es bei der riesigen Umbaumaßnahme um die sogenannte Stadtstrecke zwischen der Eisenbahnbrücke Oldenburg-Bremen am einen Ende und der Piepe (Rotes-Kreuz-Krankenhaus) am anderen Ende. Der Deich dort müsse höher und stabiler werden, so Lohse und Rainer Suckau vom Deichverband am linken Weserufer.

Die Flanke des jetzigen Deichs sei zu steil und deshalb bei Sturmflut anfällig für die Wassermassen. Auch bestehe er zum Teil aus Trümmerschutt, sei bröckelig und könne unterspült werden. Und da es wegen des fehlenden Raums nicht möglich sei, einen Erddeich anzulegen, müsse „ein technisches Bauwerk“ her. In der Vorzugsvariante, die die Behördenvertreter vorstellten, ist das eine zweigeteilte Spundwand oder Mauer. Die ebene Fläche, die anstelle des jetzigen „Hügels“ den Querschnitt bestimmt, könne – so die Vorsteller von Stadtplanern – neu gestaltet werden, mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger entstehen, sogar für Bänke, Spielgeräte oder Außengastronomie, lauten Vorschläge aus der Behörde.

Genau das aber lehnen offenbar viele Anwohnerinnen und Anwohner aus den benachbarten Straßen ab. Als an der dritten Station des Deichspaziergangs an der Kleinen Weser Stadtplaner Axel König die verschiedenen Möglichkeiten ansprach, auf dem neu gestalteten Deichgelände vielleicht sogar Lokale mit Außenbestuhlung anzusiedeln, wurde es unter den vielen Teilnehmern – zeitweise gut und gern hundert – laut. „Keine zweite Schlachte, kein Ballermann“, hieß es aus ihren Reihen.

"Scheindemokratie"

„Ich habe Angst vor einer Partymeile“, hatte Pia Gertig schon vor Beginn des Deichbummels gesagt. Sie fürchte als Anwohnerin, dass die Stadt versuchen werde, die hohen Kosten für die Maßnahmen durch Gastronomie wieder hereinzuholen. Den Deichspaziergang, zu dem das Lohse-Ressort eingeladen hatte, deutete sie nicht als Bürgerbeteiligungsverfahren, sondern als „Scheindemokratie“.

Margarete Bomhoff stimmte ihr zu. Gemeinsam mit ihrem Mann, Gerhard Bomhoff, der auch in anderen Bürgerinitiativen gegen Bebauungspläne aktiv ist, hatte sie ein Flugblatt entworfen. Darin wird der Beirat Neustadt aufgefordert, „diesen anwohnerfeindlichen Plan nicht weiterzuverfolgen und Bürgerbeteiligung endlich ernst zu nehmen“. Man könne ihnen zwar Partikularinteressen vorwerfen, so Bomhoff, aber „was spricht dagegen, dass man sich für eine lebenswerte Umgebung vor der eigenen Haustür einsetzt?“, fragte sie.

Ihr Mann protestiert auch deswegen gegen die Deichumgestaltung, weil dafür die 125 Platanen auf dem Abschnitt gefällt werden sollen. Er wolle nicht auf die Häuser gegenüber gucken müssen. Nach Ansicht der Behördenvertreter müssen sie dem Küstenschutzbauwerk weichen. Auf dem neuen Deich könnten neue Bäume gepflanzt werden. „Wenn wir sie nicht jetzt wegnehmen, sind sie in spätestens zehn Jahre durch den Sturm umgestürzt“, prognostizierte Joachim Lohse.

Die Ansichten dazu sind offenbar unterschiedlich. So führten Teilnehmer des Spaziergangs Plakate mit sich, auf denen sie forderten: „Lasst die Bäume leben“ und „Erst der Baum, dann der Mensch!“ Dorothee Höhne hatte eine eigene Variante des künftigen Deichquerschnitts gezeichnet, in der die Bäume stehen bleiben könnten. „Es ist einfach nicht lange genug nachgedacht worden, wie man die Bäume retten kann“, unterstellt sie den Behördenvertretern. Andere wiederum, wie Margerete Bomhoff, geben dem Küstenschutz durchaus Vorrang. Sie fürchten in erster Linie Lärm und Trubel und fragen, ob ein attraktiver gestalteter Stadtraum am Fluss sich womöglich auch mehr Autos in die Alte Neustadt bringe, die ohnehin wenig Parkraum biete.

Dem Deichspaziergang und der anschließenden Präsentation der Machbarkeitsstudie am Donnerstag soll am 25. Februar um 18 Uhr in der Mensa am Leibnizplatz eine Konzept-Werkstatt mit Bürgern folgen.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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