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Birgit Kelle: „Von Feministinnen lasse ich mir nichts sagen“

Christian Markwort 28.11.2016 16 Kommentare

An ihren Ansichten scheiden sich die Gemüter: Publizistin Birgit Kelle
An ihren Ansichten scheiden sich die Gemüter: Publizistin Birgit Kelle (dpa)

Frau Kelle, was genau verstehen Sie unter dem Begriff Gender?

Birgit Kelle: Ursprünglich wurde es lediglich als englisches Synonym für Gleichstellungspolitik und Gleichberechtigung von Mann und Frau verwendet. Mittlerweile wird der Begriff allerdings derart inflationär gehandhabt, dass niemand mehr wirklich versteht, was damit gemeint ist. Ich würde gerne eine Diskussion in Gang bringen, in der das ausführlich thematisiert wird.

Aber der Begriff ist doch innerhalb unserer Gesellschaft bereits seit vielen Jahren gängig.

Schon, aber können Sie ihn in einem vernünftigen Satz erklären? Eben. Niemand weiß, was er genau bedeutet. Und fragen Sie drei Leute, bekommen Sie vier Erklärungen. Jeder redet über etwas, das er gar nicht versteht. Und jeder, der sich diesem Dogma dann nicht augenblicklich unterwerfen möchte, wird sofort angefeindet.

Sie selbst sind in der Vergangenheit bereits häufiger angefeindet worden, weil Sie aus Sicht einiger Kritiker eine sehr konservative Meinung vertreten. Wie gehen Sie mit diesen Anfeindungen um?

Mit Humor. Alles andere macht keinen Sinn. Allerdings würde ich sagen, dass ich von Frauen, aber auch Männern, rund 90 Prozent Zustimmung erhalte und die restlichen zehn Prozent mich dafür gerne digital anbrüllen dürfen. Daraus veröffentliche ich gerne ein Best-of der schlimmsten Anfeindungen. Ich mache aber nicht den Fehler, das zu sehr persönlich zu nehmen.

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Woher kommen die Kritiker? Und was genau wird kritisiert?

Die Kritik kam schon immer vor allem von anderen Frauen. Was übrigens ja meine These bestätigt, dass es keine einzig richtige Meinung auch unter Frauen geben kann und wir vielfältige Frauenpolitik brauchen. Ich lehne zum Beispiel die gesetzliche Frauenquote ab und setze mich für das Betreuungsgeld ein. Das verstehen viele nicht.

Warum setzen Sie sich dann dafür ein? Was motiviert Sie, was treibt Sie an?

Ich möchte, dass die Politik das Versprechen einlöst, das sie uns Frauen gegeben hat. Dass wir selbst entscheiden dürfen, wie wir unser Leben gestalten möchten. Dafür brauchen wir keine Supernanny aus dem Familienministerium oder Fossilfeministinnen, wir sind nämlich schon groß. Wenn ich mich dafür entscheide, als Hausfrau und Mutter glücklich zu werden, dann darf ich das, auch wenn es nicht allen gefällt oder sie andere Ansichten vertreten. Das verstehe ich unter Toleranz. Ich war schon einigermaßen fassungslos, als mich Alice Schwarzer einmal in einer Fernsehsendung fragte, ob ich denn für meine Ansichten von Männern bezahlt würde. Das spornt mich an.

Wen kritisieren Sie eigentlich in der Hauptsache?

Meine Kritik richtet sich in erster Linie an die Politiker, die uns Frauen auf eine Straße führen wollen, auf der wir gar nicht fahren möchten. Der Staat hat nicht das Recht, uns ein bestimmtes Lebensmodell aufzudrängen oder uns durch einseitige Lenkung der Geldströme faktisch bestimmte Lebensentwürfe unmöglich zu machen. Wir Frauen wollen und müssen selbst entscheiden dürfen, was für uns das Richtige ist. Ob und wann wir mit kleinen Kindern wieder berufstätig sein wollen, wie wir uns mit unseren Männern Kind und Kegel aufteilen. Wir brauchen dafür keine Gleichstellungsbeauftragte auf der Couch.

Welches Familienbild hat Sie geprägt, wie sind Sie aufgewachsen?

Meine Eltern, also auch meine Mutter, waren immer berufstätig, das war völlig selbstverständlich und so bin ich auch erzogen worden. Es wurde nie ein Unterschied gemacht zwischen mir und meinem Bruder. Und bis zu meiner ersten Schwangerschaft hätte ich mir ehrlich gesagt selbst nicht einmal vorstellen können, dann später mit vier Kindern über zwölf Jahre lang als Hausfrau und Mutter zu leben. Damals erst, mit 23 Jahren und dem ersten Kind im Bauch, hat sich bei mir ein Sinneswandel eingestellt, den ich aber bis heute nicht bereut habe. Müsste ich noch einmal entscheiden, ich würde es wieder genauso wieder machen.

Was dürfen die Gäste im Presseclub heute Abend erwarten?

Einen amüsanten Abend. Denn dieser ganze Gender-Kram hat das Potenzial für ein ganzes Satire-Programm. Unisextoiletten, Ampelweibchen, gegenderte Spielplätze, Gender-Pferde-Studien oder gar die neuerdings gegenderte Sprache mit allerlei waghalsigen Neuformulierungen und Sternchen und Strichen in den Wörtern – ich werde versuchen, die Begriffe zu definieren, und meine Ansichten darzustellen. Außerdem möchte ich die Frage diskutieren, warum wir eigentlich hinnehmen, dass man uns Frauen immer noch vorschreibt, was angeblich alles gut und richtig für uns sei. Nachdem wir Frauen über Jahrzehnte darum gekämpft haben, nicht mehr von Männern vorgeschrieben zu bekommen, wie wir zu leben haben, möchte ich mir das auch nicht von Feministinnen sagen lassen müssen. Dafür setze ich mich weiterhin ein.

Birgit Kelle (41) wurde in Rumänien geboren und kam mit neun Jahren nach Deutschland. Sie ist mit dem Medienunternehmer Klaus Kelle verheiratet. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder zwischen acht und 17 Jahren. Sie ist CDU-Mitglied, unter anderem Vorsitzende des Vereins „Frau 2000plus“ und einzige Deutsche im Board der „New Women for Europe“. Sie ist für einen neuen Feminismus abseits von Gender-Mainstreaming und Quoten und häufig Gast in Talk-Shows.

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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

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