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Pläne für eine Kulturzentrale
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Bremer Künstler-Netzwerk will Bunker kaufen

Sara Sundermann 10.12.2016 6 Kommentare

Zuckerwerks Bunker Nordstraße
1600 Quadratmeter umfasst der Bunker, 1000 Quadratmeter davon sind nutzbar. Dort könnten sich bis zu 400 Leute aufhalten. (Christina Kuhaupt)

Die Betonwände sind zwei Meter dick, hinein gelangt man durch enorme Feuerschutztüren aus Stahl: Der Hochbunker an der Hans-Böckler-Straße in der Überseestadt ist ein Koloss. Viele Bremerinnen und Bremer kennen den Betonbau durch die Wandbilder, die der französische Streetart-Künstler Victor Ash auf die Außenwände aufgetragen hat. Vier riesige Gestalten blicken durch Ferngläser über die Stadt.

Statt aus dem Bunker heraus- kann man an diesem Freitag in den Bunker hineinblicken, zusammen mit Mitgliedern vom Verein Zuckerwerk. Denn der Bunker soll, wenn die Pläne des Vereins Wirklichkeit werden, im kommenden Jahr zu einer Kulturzentrale mit Club werden. Ende 2017 soll dieser Ort für Kultur, Konzerte und elektronische Musik im Bunker eröffnen.

„Es soll nicht nur ein Techno-Club werden, sondern ein Ort für Austausch“, sagt Bianca Kwiatek vom Verein Zuckerwerk. „Hier sollen Ausstellungen stattfinden, Konzerte von Akustikgitarre über Experimentelles und Synthie-Pop bis Hip Hop, dazu soll es Workshops geben, in denen man zum Beispiel etwas über Veranstaltungsorganisation, Musikproduktion oder Videokunst lernen kann.“ Studios, Proberäume, Werkstätten, Bar- und Loungeräume plus zwei Tanzflächen sollen hier auf fünf von acht Stockwerken des Bunkers entstehen.

Zuckerwerks Bunker Nordstraße
Der Verein Zuckerwerk vernetzt Musikerinnen, DJs und Kulturschaffende in Bremen. Die Ateliers des Zuckerwerk auf dem Kellogg-Gelände in der Überseestadt sollen zusätzlich zu der Kulturzentrale erhalten bleiben, die der Verein Ende 2017 im Bunker eröffnen will. (Christina Kuhaupt)

Verein hat umfangreiches Nutzungskonzept erarbeitet

Die 31-jährige Künstlerin Kwiatek betont: „Auch nach dem Ende des Zuckerclubs in der Bahnhofsvorstadt ist das Zuckerwerk in den vergangenen Jahren in der Stadt sichtbar geblieben.“ Es gab Konzerte und Veranstaltungen vor allem in der Spedition am Güterbahnhof. Jetzt entstehe mehr Spielfläche und Spielzeit für Künstlerinnen und Künstler, die der Verein vernetzt, sagt DJ Akifa Taxim vom Zuckerwerk. Von 2007 bis 2012 hatte der Zuckerclub mit angeschlossenen Ateliers seinen Sitz in der Bahnhofsvorstadt.

Seit der Verein den Standort dort verlassen musste, sichtete das Zucker-Team mehr als 60 Immobilien in der Stadt, bislang erfolglos. Ursprünglich sollten Wirtschaftsförderung Bremen und Immobilien Bremen bereits im Jahr 2015 über einen Standort für das Zuckerwerk entscheiden, so steht es im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung.

Für Kauf und Umbau des Bunkers veranschlagt das Zuckerwerk insgesamt rund 700.000 Euro. Um den Bunker nutzen zu können, sind einige Umbauten notwendig. Die größten Posten sind dabei der Einbau einer Lüftungsanlage, die Erneuerung der kompletten Stromanlage und der Einbau eines Fahrstuhls. So lautet das Fazit nach mehreren Bunker-Begehungen mit Architekten und Ingenieuren. Die Vereinsmitglieder haben ein umfangreiches Nutzungskonzept erarbeitet.

Verkauf des Bunkers wird momentan geprüft

Darin legen sie unter anderem dar, dass der geplante Clubbetrieb, auch wenn er gemeinnützigen Zwecken dient, vom Umfang einem mittelgroßen Wirtschaftsbetrieb entspricht. Bislang wurde alle Vorarbeit ehrenamtlich geleistet, künftig sollen rund 25 Arbeitsplätze für Tresen-, Sicherheitspersonal, Veranstaltungstechniker und künstlerische Leitung im Bunker entstehen. Der Verein erwartet einen Jahresumsatz von rund 300.000 Euro, wenn er den Bunker kaufen kann.

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Bisher kann das Zuckerwerk 600.000 Euro aufbringen: 100.000 Euro hat der Verein bei einem Kreativwettbewerb gewonnen, von der GLS-Bank haben die Vereinsmitglieder eine Zusage für eine halbe Million Euro. 100.000 Euro fehlen, die das Zuckerwerk laut Akifa Taxim nun mit der Unterstützung von Stiftungen und vielen kleineren und größeren Spenden aufbringen will. Das Crowdfunding wird von Fahrradschraubern und Kulturveranstaltern, Künstlern, Buchautorinnen und Siebdruckern in Bremen und überregional unterstützt.

Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) hat dem Zuckerwerk den Bunker vor über einem Jahr angeboten. Die WFB steht in Verhandlungen mit dem Verein, ein Verkauf des Bunkers an das Zuckerwerk wird der WFB zufolge derzeit geprüft. 

„Wir begleiten den Verein Zuckerwerk seit vier Jahren bei der Standortsuche und würden uns freuen, wenn die Suche bald zu einem positiven Ergebnis kommt“, sagt Juliane Scholz von der WFB. „Wir haben bisher verschiedene Möglichkeiten geprüft, darunter auch den Bunker in der Hans-Böckler-Straße. Wir begleiten den Zuckerclub intensiv bei den erforderlichen Schritten.“

Die Geschichte des Bunkers

F 97 hieß der Bunker an der Hans-Böckler-Straße früher, er wird auch Diakonissenbunker genannt, weil es nebenan ein Krankenhaus der Diakonie gab. Er wurde von Zwangsarbeitern gebaut, als einer von sechs Krankenhausbunkern in Bremen, die im Rahmen des sogenannten „Führerbauprogramms“ entstanden. Der Bunker sei vor allem von Zwangsarbeitern aus dem Osten gebaut wurden, die in einem Lager in Huckelriede inhaftiert waren, sagen Mitglieder des Zuckerwerk-Vereins.
Im Bunker überlebten auch Menschen die Luftangriffe, die im August 1944 große Teile des Bremer Westens zerstörten. Der Verein Zuckerwerk setzt sich dafür ein, dass künftig eine Dauerausstellung im Bunker über die Geschichte des Ortes informiert. Zuletzt stand der Bunker nach Angaben der Wirtschaftförderung Bremen leer, bis vor zwei Jahren wurde er als zivile Luftschutzanlage weiterhin gewartet.

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Leserkommentare
Deichgraffe am 23.10.2019 13:15
Mal daran gedacht, dass die Anzahl der Besucher, die mit dem Auto kommen, nicht dieselbe ist wie beim Bau der Stadthalle?
Die ist übrigens ...
bremenkenner am 23.10.2019 13:14
Jetzt fällt dem Senat sein eigenes Versagen quasi vor die Füße und keiner weiß wie man den Schutthaufen beseitigen kann.
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