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Freifunker in Bremen

KLAAS MUCKE 26.03.2015 0 Kommentare

(Franz Berding)

„Das da oben“, sagt Jelto Wodstrcil an der Straßenbahnhaltestelle Sielwall und zeigt auf eine kleine graue Box am Fenster des gegenüberliegenden Hauses, „das ist einer dieser Router. Der funkt auf die andere Straßenseite.“ Wodstrcil dreht sich und deutet mit dem ausgestreckten Zeigefinger den Verlauf der WLAN-Funkverbindung an, die sich Vor dem Steintor von der einen zur anderen Straßenseite erstreckt. „Die komplette Sielwall-Kreuzung ist mit offen zugänglichem WLAN abgedeckt“, ergänzt er. Wodstrcil ist einer der Bremer Freifunker. Sie haben einen WLAN-Internetzugang eingerichtet, den sie mit allen teilen wollen. Doch eine aktuelle Gesetzesvorlage der Bundesregierung, die den Ausbau von offenen WLAN-Hotspots fördern will, könnte dem Freifunk mehr schaden als nutzen.

Im Café an der Ecke oder in der Seitengasse – wer hier einmal schnell ins Internet gehen möchte, der kann das tun, ohne die Datenrate seines Mobiltelefonanbieters zu verbrauchen oder überhaupt Geld zu zahlen. Kein Passwort, keine Beschränkung. Wer sich einmal in eines der Netze mit dem Namen freifunk.bremen.net eingewählt hat, ist automatisch im Internet, sobald er in die Nähe eines der Freifunk-Router kommt. In Bremen gibt es davon bereits mehr als 180 Stück. Stehen sie nahe genug beieinander, verbinden sie sich und bilden ein größeres Netz.

Freifunker Bremen
Von Routern wie diesen geht das offene WLAN von bremen.freifunk.net aus. (Klaas Mucke)

Politik will Freifunk unterstützen

Warum all das? Dazu gibt es unter dem Dutzend Freifunkern in Bremen unterschiedliche Vorstellungen. Winni Rokita ist Idealist. Der 34-Jährige wünscht sich kostenlose Zugänge und Router an allen Straßenbahnhaltestellen, damit Wartende Fahrpläne finden können oder unkompliziert kommunizieren können. Für Jelto Wodstrcil ist dieser Service ein willkommenes Nebenprodukt. Ihm aber geht es um das Miteinander der Router-Betreiber und darum, die Technik zu begreifen. „Die Leute konsumieren sonst nur und erwarten, dass alles reibungslos funktioniert. Wenn sie einen unserer Router haben, setzen sie sich auch mit der Technik auseinander und lernen, das Internet zu verstehen.“

Das Internet – für die Freifunker ist das ein freier Raum, in dem Meinungen und Informationen ausgetauscht werden. Ein offenes WLAN ist für sie so etwas wie ein Grundbedürfnis. In Bremen sehen das auch SPD und Grüne so. Sie wollen Freifunkinitiativen unterstützen. Im Juli des vergangenen Jahres haben sie einen Antrag gestellt: An öffentlichen Orten sollen kostenfreie WLAN-Zugänge bereitgestellt werden. Vorbild ist Berlin. Dort würde der Freifunk von der Politik unterstützt – und im Rathaus in Neukölln ein Netzzugang betrieben. Wie genau das in Bremen geschehen kann, dazu sollte der Ausschuss für Wissenschaft, Medien, Datenschutz und Informationsfreiheit im ersten Quartal 2015 einen Bericht vorlegen. Passiert ist das bisher nicht. Ausschusssprecherin Silvia Schön (Grüne) sagt aber, das Thema werde in der letzten Sitzung der laufenden Legislaturperiode Ende April auf die Tagesordnung genommen.

Es wäre ein wichtiges politisches Signal, wenn der Freifunk auch in anderen Bundesländern gestärkt würde, denkt Patrick Breyer. Der schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete der Piratenpartei hat in seinem Land ein Pilotprojekt angeregt, das inzwischen vom Parlament beschlossen wurde. Zwei Jahre lang werden in Flensburg, Lübeck und Kiel Landesgebäude wie Polizeistationen und Finanzämter mit Freifunk-Routern ausgestattet. Damit will Breyer vor allem Ängste nehmen.

Größte Sorge sei, dass jemand die offene Verbindung dafür nutzen könnte, Straftaten zu begehen. Alles Quatsch, findet Breyer. „Wer Straftaten begehen will, achtet darauf, unerkannt zu bleiben und schafft das auch.“ Ein Passwort-Schutz verhindere das nicht. Im Gegenteil: Straftäter würden geradezu animiert, sich solche Verschleierungstechniken anzueignen. „Im Internet darf der Austausch von Informationen und Meinungen keiner Vorab-Zensur unterliegen“, findet Breyer.

„Gesetzesvorlage gefährdet Freifunk“

Trotzdem fordert SPD-Chef Sigmar Gabriel in einem bundesweiten Gesetzesentwurf, mit dem öffentliche WLAN-Hotspots ausgebaut werden sollen, Passwort-Schutz. Die Passwörter sollen Café- und Restaurantbesitzer von der sogenannten Störerhaftung befreien. Nutzt jemand ein offenes WLAN-Netz und lädt etwa raubkopierte Musik auf seinen Rechner, haftet für die Urheberrechtsverletzung nicht der Nutzer, sondern derjenige, der das Netz zugänglich gemacht hat. Privatleute, die ihren Router mit anderen teilen, müssen die Namen der Nutzer kennen. Freifunk-Initiativen befürchten das Aus des offen zugänglichen WLANs. Eine Nutzerliste zu führen, steht der Freifunk-Idee entgegen.

Stephanie Dehne, Fraktionssprecherin der SPD im Beirat Horn-Lehe, kommt gerade aus einem Kurzurlaub in Lissabon. „Jedes Café, jedes Restaurant, jedes Museum“, sagt sie, biete dort WLAN an, meist ohne Passwort. Zeitgemäß findet sie das. Dehne fragt sich, warum es in anderen Ländern mit dem offenen WLAN klappt, hier aber nicht. Deswegen hat der Beirat Horn-Lehe auf die Initiative ihrer Fraktion beschlossen, auch das Ortsamt-Gebäude mit einem Freifunk-Router auszustatten. Das war im Herbst 2014. Seither wird dieser Beschluss von der Finanzsenatorin geprüft. Eine Entscheidung gibt es noch nicht.

Die Einrichtung solcher Router übernehmen Jelto Wodstrcil und seine Kollegen gemeinsam mit den Interessierten. Dazu wird eine eigene Firmware auf den Router geladen, die ihn mit anderen Routern verbinden kann. Kleine Router verkaufen die Freifunker für 20 Euro – zum Selbstkostenpreis. Um sich besser finanzieren zu können, wollen sich die Bremer Freifunker als Verein eintragen lassen, sagt Wodstrcil. Geld sei aber nicht das Wichtigste. „Am meisten wäre uns geholfen, wenn wir von der Politik Orte zur Verfügung bestellt bekommen, an denen wir Router aufstellen dürfen."


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Leserkommentare
Hardy1658 am 23.10.2019 19:37
Super!
flutlicht am 23.10.2019 19:29
Wäre ja ein löblicher Fortschritt. Nur zu!
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