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Sommersitz im Schwachhausen
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Heile Welt im Herzen Bremens

Antje Stürmann 25.08.2015 5 Kommentare

Schwachhausen ist ein Paradies. Die meisten der rund 38.000 Menschen besitzen oder verdienen so viel Geld, dass sie davon gut leben können. Es gibt viele Betriebe, die Arbeit anbieten. Man hilft und engagiert sich. Kultur gibt’s quasi um die Ecke. Der Bürgerpark bietet Erholung pur. Jugendstilhäuser laden zum Schwärmen ein. Und als wäre das alles nicht genug, leben die Schwachhauser durchschnittlich auch noch länger als andere Bremer.

Ulla Dopatka, Horst Memmen, Wunneke Meyer und Renate Viets (v.li.) genießen den dörflichen Charme ihres Stadtteils.
Ulla Dopatka, Horst Memmen, Wunneke Meyer und Renate Viets (v.li.) genießen den dörflichen Charme ihres Stadtteils. (Christina Kuhaupt)

Nur schönes Wetter, das gibt es zumindest an diesem Morgen nicht. Es gießt wie aus Kannen und der Wind weht unter den Schirm des WESER-KURIER. Es hört auf zu pladdern, als Michael Steiner Halt macht. Der Ingenieur für Verfahrenstechnik ist nach dem Studium aus Berlin nach Bremen gekommen und wohnt nun schon seit Jahrzehnten in Schwachhausen. Die Wohnungsvermittler von Airbus haben ihn dorthin gelotst. Damals hieß es noch abfällig: „Links der Weser wohnt man nicht.“ Heute ist er darüber froh: „Schwachhausen mit dem Bürgerpark ist ein toller Stadtteil. Ich mag das Grün.“

>> Alle Teile vom "Sommersitz" in unserem Dossier <<

Ellen Dreyer stimmt ein: „Besonders als älterer Mensch kann man hier gut wohnen. Vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld.“ Welch gehobener Standard in Schwachhausen herrscht, merkt sie, wenn sie in anderen Stadtteilen unterwegs ist. „Gerade deshalb“, funkt Ulla Dopatka vom Bürgerverein „Die Wachmannstraße“ dazwischen, „wäre es gut, wenn wir im Herbst an der Gabriel-Seidl-Straße eine Flüchtlingsunterkunft bekämmen: damit wir sehen, wie gut es uns geht.“

Ellen Dreyer hat in Schwachhausen alles, was sie braucht.
Ellen Dreyer hat in Schwachhausen alles, was sie braucht. (Christina Kuhaupt)

Ellen Dreyer meldet sich wieder zu Wort. „Verkehrsmäßig ist Schwachhausen gut angebunden, man kann mit dem Fahrrad, dem Auto, zu Fuß oder mit der Straßenbahn alles erreichen“, sagt die 83-Jährige. Das einzig Negative: „Man bekommt keinen Parkplatz.“ Dafür findet sie vor Ort alles für den täglichen Bedarf. „Ich lege Wert darauf, dass das so bleibt.“ Und so kauft Ellen Dreyer wie viele andere Schwachhauser vor allem in den Läden des Stadtteils ein: Morgens trinkt sie ihren Kaffee in der Fattoria; dann ein Bummel zum Schlachter oder der Gang zu einem der Feinkostläden. Wo sie hinkommt, trifft sie Bekannte. Schwachhausen, da sind sie sich an der Wachmannstraße einig, ist wie ein Dorf.

Tatsächlich gehört der Stadtteil erst seit gut zwei Jahrhunderten zu Bremen. Bis 1802 bestand Schwachhausen hauptsächlich aus Höfen. Danach bauten sich dort Kaufleute prächtige Landhäuser: Stadtvillen und Sommersitze, so genannte Alt-Bremer Häuser. Ab 1850 wurde die Schwachhauser Chaussee zu einer begehrten Wohnadresse für wohlhabende Kaufleute, Ärzte und Anwälte. Blütenranken zieren die Fassaden, pausbäckige Kindergesichter und reich geschmückte Ovale. Allein diese architektonischen Juwele machen den Stadtteil zum Aushängeschild Bremens. Manch Schwachhauser macht sich immer mal wieder auf zum „Wohnzimmergucken“, soll heißen, sie spazieren oder fahren mit der Straßenbahn durch die Straßen, um Häuser anzuschauen.

Erfreulich: Zurzeit findet bei den Bewohnern ein Generationswechsel statt. Immer mehr junge Leute ziehen ein, in der Regel bringen sie Kinder mit. Wohl auch, weil der Stadtteil besonders kinderfreundlich ist. Schwachhausen ist in Bremen Vorreiter in Sachen Spielstraßen. „Wir erleben einen erfreulichen Kinderboom“, sagt Beiratssprecherin Barbara Schneider (Grüne). Die fehlenden Betreuungsplätze sind im Beirat Dauerthema.

Stefan Pastoor (SPD) vom Beirat glaubt: In Schwachhausen engagieren sich mehr Menschen als anderswo in Bremen.
Stefan Pastoor (SPD) vom Beirat glaubt: In Schwachhausen engagieren sich mehr Menschen als anderswo in Bremen. (Christina Kuhaupt)

Ein anderes ist der Straßenverkehr. Besonders die Anwohner der Schwachhauser Heerstraße, der Kurfürstenallee und der Parkallee leiden unter dem Durchgangsverkehr zwischen dem Bremer Osten und der Innenstadt. „Wir sind ein Transit-Stadtteil“, spitzt Schneider zu. Immerhin: An der Wachmannstraße hat sich seit dem Umbau einiges getan. Die Straße ist breiter, die Bahnen fahren auf den neuen Schienen leiser, das Tempo ist auf 30 Kilometer je Stunde beschränkt. Der Verein Wachmannstraße hat für 2000 Euro eine Geschwindigkeitsmesstafel aufstellen lassen. Jemand hat sie demoliert, berichtet Ulla Dopatka. Ansonsten: „heile Welt“, sagt Ellen Dreyer.

Renate Viets sagt, der Stadtteil habe sich im Laufe der Zeit gewandelt. „Es gibt heute sehr viel mehr Geschäfte. Das hier ist ein Ort zum Wohlfühlen“, sagt sie. Viets hat schon in Findorff, in der Neustadt und im Viertel gewohnt. Nirgends, sagt sie, gehe man so respektvoll miteinander um. Das einzige, was ihr fehlt: ein Baumarkt. Inzwischen sei es so schön in Schwachhausen, dass andere Bremer kommen, Kaffee trinken und das Ambiente genießen. Und nicht nur gut situierte Leute, sondern auch Normalverdiener, wie Hanna Boss betont.

Hanna Boss mag die Vielfalt in Schwachhausen. Jeder finde, was er mag, sagt sie, egal, ob gut situiert oder nicht.
Hanna Boss mag die Vielfalt in Schwachhausen. Jeder finde, was er mag, sagt sie, egal, ob gut situiert oder nicht. (Christina Kuhaupt)

Villen und Sozialwohnungen, arm und reich – „diese Mischung macht den besonderen Charakter Schwachhausens aus“, sagt Vize-Beiratssprecher, Stefan Pastoor (SPD). Über 66 Prozent der Wahlberechtigten haben bei der Beiratswahl ihre Stimmen abgegeben. Es gibt zahlreiche Bürgerinitiativen. „Die Schwachhauser sind wesentlich engagierter als die Bürger in anderen Stadtteilen“, sagt Pastoor. Alles in allem, findet Bernd Collin aus dem Ortsteil Radio Bremen, ist Schwachhausen ein privilegierter Stadtteil. Er kritisiert, dass Villen abgerissen und auf den Grundstücken teure Mehrfamilienhäuser im Bauhausstil gebaut werden. Dadurch verschwinde nicht nur der Charme historischer Bausubstanz, sondern es gingen auch Grünflächen verloren, so der pensionierte Stadtplaner. „Ich empfehle, mal durch den Stadtteil zu gehen“, sagt er. Wunneke Meyer indes rät, mit dem Schiff „Marie“ durch den Bürgerpark zu fahren. Dann reißen die Wolken auf und die Sonne scheint. Der Beweis: Schwachhausen ist paradiesisch.

So geht's weiter: Jürgen Theiner ist am Dienstag (25. August) mit dem Sommersitz in Vegesack. Er stellt ihn auf dem Ellipsenplatz in der Gerhard-Rohlfs-Straße auf, ist dort von 10 bis 13 Uhr zu erreichen und hofft auf viele interessante Gespräche.

Die weiteren Sommersitz-Termine im Überblick:

    • 25. August: Vegesack
    • 26. August: Vahr
    • 27. August: Horn-Lehe
    • 28. August: Borgfeld
    • 31. August: Oberneuland
    • 1. September: Blockland
    • 2. September: Burglesum
    • 3. September: Blumenthal
    • 4. September: Osterholz

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Leserkommentare
Bevenser am 22.10.2019 17:47
Man muss sich nicht künstlich blöd stellen. Wie es geht sieht man z.B. in Österreich - und nicht nur da.
peteris am 22.10.2019 17:39
Werden diese Menschen "losgelassen", dann gibt es erst wieder einen Stop in Deutschland.

Bereiten" wir " uns schon einmal darauf vor. ...
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