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Kita-Betreiber kritisieren Senat
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In Bremen fehlen 1200 Kita-Plätze

Sara Sundermann 28.06.2016 4 Kommentare

Zum kommenden Kindergartenjahr fehlen mehr als 1200 Betreuungsplätze. Weshalb fehlen so viele Plätze, obwohl die steigenden Zahlen schon lange absehbar waren?

Mehr als 2000 Betreuungsplätze fehlen, sagt die Linke.
Mehr als 2000 Betreuungsplätze fehlen, sagt die Linke. (dpa)

Die Linken-Fraktion rechnet inklusive Hortplätzen und Flüchtlingskindern sogar mit einem Bedarf von über  2000 Plätzen – und kritisiert, dass die Flüchtlingskinder in den Zahlen der Behörde noch gar nicht auftauchten. Weshalb fehlen so viele Plätze, obwohl die steigenden Zahlen schon lange absehbar waren?

Vor allem hätten mehr neue Kitas gebaut werden müssen. Wer nachfragt, hört verschiedene Gründe dafür, warum das nicht in ausreichendem Maße geschehen ist: Ein Argument ist der diesmal sehr spät beschlossene Bremer Haushalt: ohne freigegebene Mittel keine konkrete Bauplanung für neue Kitas. Und für die Kinderbetreuung wurden zuletzt – anders als für Schulen – keine Gelder vor dem mühsam verhandelten Beschluss des Gesamthaushalts freigegeben. Als weiteren Grund nennen manche den Behördenumbau: Der Bereich Kinderbetreuung wechselte von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) zu Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD).

Das sorgte in der Praxis zum Teil erst einmal für Verzögerungen: neue Vorgesetzte, neue Strukturen im Inneren des Ressorts. Manche sprechen von einer Behörde, die vor allem mit sich selbst beschäftigt war. "Erst gab es einen Kita-Ausbauplan von Anja Stahmann ohne eine gesicherte Finanzierung, dann eine neue Regierung, die ein Jahr braucht, bis sie richtig in die Gespräche über den konkreten Kita-Ausbau einsteigt" – so beschreibt Carsten Schlepper vom Landesverband evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder das Problem.

Dr. Carsten Schlepper vom Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder.
Dr. Carsten Schlepper vom Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder. (Christina Kuhaupt)

Kitas als Geschäftsmodell

Während es der Stadt also nicht gelingt, selbst schnell genug ausreichend Kitas zu bauen, bringen sich nun die freien Träger mit ihrem Angebot in Erinnerung: Vor knapp einem Jahr kündigten der Dachverband von sieben freien Wohlfahrtsverbänden (LAG Bremen) und der Bremer Bauunternehmer Klaus Hübotter an, 20 Kitas bauen zu wollen. Kitas als Geschäftsmodell, das war neu. Kitas, bei denen ein Unternehmer in die Steine investiert und die Stadt das neue Gebäude anmietet, bis es irgendwann in städtisches Eigentum übergeht, so lautete das Angebot.

Dieses sogenannte Investorenmodell fand zunächst ein verhaltenes Echo in der Bildungsbehörde. Doch grundsätzlich zeigte man sich interessiert, solange es weiterhin eine Vielfalt verschiedener Träger gebe. Und nicht zuletzt sollte auch der städtische Eigenbetrieb Kita Bremen beim Ausbau berücksichtigt werden.

"Wir stehen weiterhin zum Investorenmodell", sagt Thomas Jablonski, der in der Bildungsbehörde zuständig für frühkindliche Bildung ist. Und räumt zugleich selbst ein: „Der Kita-Ausbau hätte schneller gehen müssen." Bauflächen seien nicht leicht zu finden: Nicht nur für Kitas, auch für neue Wohnungen werden in der Stadt derzeit Gebiete gesucht. Und nicht jedes freie Gebäude sei für Kinderbetreuung geeignet, betont Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde. Es gebe spezielle Vorschriften für Sicherheit und Lärmschutz – deshalb müssten auch leer stehende Gebäude oft erst umgebaut werden, ehe sie für eine Kita genutzt werden könnten.

Freie Träger kritisieren Behörde

Seit Anfang des Jahres kommen Kita-Träger und Bildungsbehörde in einem Bündnis für Integration, Bildung und Betreuung zusammen. Nun üben freie Träger offen Kritik an der schleppenden Zusammenarbeit mit der Behörde. Im Januar und Februar habe das Deutsche Rote Kreuz Bremen (DRK) der Behörde zehn Grundstücke vorgeschlagen, auf denen DRK und Klaus Hübotter gemeinsam neue Kitas bauen könnten, sagt Gerhard Behlau, Geschäftsführer des DRK Bremen.

"Es gab keine Reaktion darauf von der Behörde." Die Vorschläge hätten sich zum Beispiel auf Grundstücke in Gröpelingen, Walle, Hemelingen und in der Neustadt bezogen. Darunter sei  ein Grundstück am Kirchweg gewesen, das inzwischen von Investoren für andere Zwecke genutzt werden solle – die Chance, dort zu bauen, verstrich. Jablonski schließt nicht aus, dass einige der vorgeschlagenen Grundstücke noch für den Bau neuer Kitas infrage kommen.

Wenig Freiraum beim Kita-Ausbau

Freie Wohlfahrtsverbände und der Landesverband evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder fordern mehr Eigenständigkeit beim Bau neuer Kitas. Sie wollen selbst oder in Kooperation mit Investoren neue Kitas errichten können, ohne dafür auf grünes Licht von der Behörde warten zu müssen. "Die Träger müssen die Freiheit haben, auf eigenes Risiko in Kitas zu investieren", sagt Arnold Knigge von der LAG Bremen. Carsten Schlepper spricht von "einem engen Korsett", in das Träger in Bremen bisher beim Kita-Ausbau gezwängt seien. Den Qualitäts- und Finanzierungsvorgaben der Stadt und der Kontrolle durch die Politik wolle man sich natürlich unterwerfen, betont Knigge.

Mehr Wettbewerb und freier Markt für den Kita-Bereich: Ein solches Modell wird in Hamburg bereits praktiziert. Dieses Hamburger Modell ist auch inBremen bereits diskutiert worden. Nun soll Mitte August eine Delegation aus der Bildungsbehörde in die größere Hansestadt reisen und sich von den Erfahrungen berichten lassen.

Doch was geschieht akut angesichts der fehlenden Kita-Plätze? Als eine Maßnahme sollen nun Hortgruppen in die Räume von Grundschulen umziehen, die nachmittags nicht genutzt werden. Die Räume, in denen zuvor die Hortgruppen untergebracht waren, sollen dann Kita-Kinder  nutzen. Mit diesem Manöver könnte der LAG zufolge Raum für rund 400 Kita-Plätze entstehen. Außerdem sollen freie Gebäude der Kirchengemeinden geprüft werden, laut Schlepper könnten rund 100 Plätze entstehen.


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 10:33
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AnnFF am 23.10.2019 10:29
Diese Parkplatz-Diskussion wird nicht nur zu Freimarktzeiten geführt. Es ist nur während dieser Tage besonders dramatisch. Dramatisch, weil selbst ...
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