
Bremen. Soll es weiteres Geld für die Jacobs University geben, obwohl das Geschäftsmodell der privaten Einrichtung, sich über einen Kapitalstock und Renditen zu finanzieren, nicht funktioniert? Die Bürgerschaftsabgeordneten haben das auf Antrag der Linken-Fraktion am Donnerstag diskutiert.
Deren Forderung, der Jacobs University kein weiteres Geld zu geben, wurde indes abgelehnt. Die Verhandlungen des Senats mit der Privatuniversität in Grohn beziehungsweise der Jacobs Foundation über weitere öffentliche Zuschüsse sollen nach Ansicht der Parlamentarier von SPD, Grünen und CDU fortgesetzt werden. Aber nicht ohne Bedingungen von Bremer Seite.
Die Jacobs University Bremen (JUB) hat nach Berechnung der Linken seit ihrer Gründung vor elf Jahren 190 Millionen Euro von der öffentlichen Hand bekommen. Kristina Vogt, wissenschaftspolitische Sprecherin der Linken, sieht im gleichen Zeitraum für die öffentlichen Hochschulen im Land Bremen deutliche Verschlechterungen. Auch wenn die Zahlen des Wissenschaftshaushalts, die sie verkündete, von Matthias Güldner, Fraktionsvorsitzender der Grünen, nach oben berichtigt wurden, spricht die Wirklichkeit für sich: Raum- und Personalnot, dazu Sanierungsstau vor allem an der Universität, dagegen ein sehr gutes Betreuungsverhältnis von Studierenden und Professoren und eine entsprechende Ausstattung an der JUB.
Strukturschwache Region
Dass eine Unterstützung der JUB nicht zulasten der Hochschulen gehen dürfe und würde, betonten neben Güldner auch Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), Andreas Kottisch, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sowie Susanne Grobien (CDU). Kottisch wandte sich harsch gegen den Vorwurf der Linken, die rot-grüne Regierung betreibe „Umverteilungspolitik zugunsten der Eliten“. Das sei populistische Politik. Der Wissenschaftshaushalt solle unangetastet bleiben, Geld für die JUB aus dem Wirtschaftsetat kommen. Die Folgerichtigkeit leiteten Kottisch, Böhrnsen und auch Grobien aus der Entwicklungsgeschichte des Areals in Grohn ab. Für die strukturschwache Region um die damalige Kasernenbrache sei in der ersten Hälfte der 90er-Jahre dringend eine Perspektive gesucht worden. Die JUB habe die Perspektive gegeben: 1400 Studenten, dazu 127 Professoren, 260 wissenschaftliche Mitarbeiter bedeuten für Grobien „fast 2000 Menschen, die in Bremen wohnen, arbeiten und Geld ausgeben“. Auch Böhrnsen hob fiskalische Vorteile hervor, betonte wie Kottisch und Güldner außerdem die Bedeutung der Jacobs University für den Wissenschaftsstandort Bremen.
Zu den Forderungen von SPD und Grünen an die JUB gehört vor allem deren deutliche Öffnung zum Stadtteil, zur Stadt, zu den öffentlichen Hochschulen und zu Bremer Unternehmen. „Es sollen Wertschöpfungen und Wissenstransfers entstehen“, sagte Kottisch.
Dass dies nur Lippenbekenntnisse sein könnten, fürchten die Asten, die Studierendenvertretungen der vier öffentlichen Hochschulen im Land Bremen. Sie hatten sich kürzlich mit einem offenen Brief an Senat, Parlamentarier und Parteien gewandt und die ihrer Ansicht nach ungleiche Behandlung von JUB und öffentlichen Hochschulen kritisiert. Dass es sich um zwei verschiedene Haushalte für die beiden Bereiche handelt, will Jan Cloppenburg, Referent für Hochschulpolitik vom Asta der Universität Bremen, nicht gelten lassen. „Bei der Haushaltsaufstellung wird ja darüber diskutiert, wo wie viel Geld hingeht.“ Die Asten befürchten, dass die JUB nie ohne öffentliche Zuwendungen auskommen wird. „Das Problem wird damit nur in die Zukunft verschoben.“
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