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Projekt der Landesfrauenbeauftragten
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Mehr Angebote für geflüchtete Frauen

Sabine Doll 03.02.2017 0 Kommentare

PK der Frauenbeauftragten: Thema Frauenhäuser für geflüchtete Frauen und Mädchen im Land Bremen - vl. Anja Stahmann, Beh
Sozialsenatorin Anja Stahmann, Beraterin Behshid Najafi und Bremens Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe (von links) bei dem Fachtag. (Frank Thomas Koch)

Für Frauen, die auf der Flucht oder in ihrem Herkunftsland Gewalt erfahren haben und dadurch traumatisiert sind, wird es ab dem Frühjahr eine eigene Einrichtung mit einem therapeutischen Angebot geben. „Bisher haben diese Frauen in Notunterkünften und vor allem Übergangswohnheimen gelebt, ihnen wollen wir damit einen Schutzraum bieten“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) am Dienstag am Rande einer Fachtagung zum Thema „Geflüchtete Frauen und Mädchen im Land Bremen“.

Es ist die erste spezialisierte Einrichtung dieser Art im kleinsten Bundesland, die Platz für 70 Frauen und ihre Kinder bietet. Die Frauen werden von besonders qualifizierten und mehrsprachigen Fachkräften betreut, Träger der Einrichtung ist die Caritas. Je nach Bedarf sei denkbar, dass weitere Einrichtungen mit diesem besonderen therapeutischen Angebot eröffnet würden, Träger hätten bereits Konzepte dafür vorgelegt. „Es gibt viele Frauen, die aufgrund ihrer Erlebnisse nicht mehr mit Männern in einer Einrichtung leben können. Diese Traumatisierungen entwickeln sich oft erst nach der Phase des Ankommens, dafür müssen wir Angebote machen“, sagte Stahmann. Neben dieser spezialisierten Einrichtung gibt es bereits ein Übergangswohnheim, das ausschließlich Frauen und ihren Kindern vorbehalten ist. Die Einrichtung ist vor kurzem vom Gelände des Klinikum Ost nach Bremen-Nord umgezogen. Stahmann kündigte außerdem an, dass es demnächst ein Angebot für traumatisierte Kinder und Jugendliche geben soll.

Die Gesundheitsversorgung geflüchteter Frauen und Mädchen war ein Thema des Fachtages, den die Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau organisiert hat. Im Rahmen des Integrationskonzepts des Landes Bremen hat sie die Aufgabe, Strukturen zu schaffen, die Frauen und Mädchen bei ihrem Ankommen unterstützen. Nach Angaben der Sozialbehörde hat Bremen in den vergangenen Jahren 18 000 geflüchtete Menschen aufgenommen, 30 Prozent von ihnen sind Frauen. Die meisten kommen mit der Familie, aber auch allein reisende Frauen sind darunter. „Oft sind es Frauen, die in Krisen- und Kriegszeiten den Alltag für die Familie meistern. Aber weil sie eher im Hintergrund agieren und zahlenmäßig in der Minderheit sind, werden ihre Bedarfe und ihre Bedeutung bei der Integration oft unterschätzt“, sagte Bremens Landesfrauenbeauftragte Ulrike Hauffe.

Der Fachtag ist Auftakt für ein einjähriges Projekt, in dem Lücken und Defizite in der Regelversorgung geflüchteter Frauen identifiziert und Lösungen erarbeitet werden sollen. Rund 100 Fachleute und Ehrenamtliche hatten sich zu dem Fachtag angemeldet. Neben den Experten sollen aber auch die Betroffenen an dem einjährigen Projekt beteiligt werden: „Es wird einen Projektbeirat geben, dem zehn geflüchtete Frauen angehören“, so Hauffe. Im Fokus stehen drei Schwerpunkte: Das sind der Bereich Gesundheit, der Zugang zum Arbeitsmarkt und das Thema Schutz vor Gewalt.

Bei der Gesundheitsversorgung geht es vor allem auch um die psychotherapeutische Versorgung. In Bremen bekommen alle Geflüchteten eine Gesundheitskarte, mit der sie Zugang zum Gesundheitssystem haben. Allerdings gilt sie nicht für die Psychotherapie. „Wir sind in Bremen mit dem Beratungsangebot von Refugio zwar in einer relativ guten Versorgungsposition, was das Thema Traumatherapie betrifft, aber der Bedarf ist größer als das Angebot“, so Hauffe. 

Ein anderes Defizit, nicht nur in Bremen: „Frauen müssen ihr Recht auf Gesundheitsversorgung wahrnehmen können, und das bedeutet, dass Dolmetscherinnen zur Verfügung stehen müssen und deren Bezahlung übernommen wird“, forderte Behshid Najafi. Die gebürtige Iranerin ist vor 30 Jahren nach Deutschland geflüchtet, seit mehr als 20 Jahren ist sie in einer Hilfs- und Beratungsstelle für geflüchtete Frauen und Mädchen in Köln tätig. Bei der Fachtagung berichtete sie von ihren Erfahrungen.

Vor allem bei der Integration in den Arbeitsmarkt gebe es noch viele Lücken, sagte die Landesfrauenbeauftragte. Bei den geflüchteten Frauen sei größtenteils nicht bekannt, welche Abschlüsse und Qualifikationen sie haben. Das Spektrum beim Bildungsstand sei riesengroß, werde bisher aber nicht abgerufen. „Anders als manche denken mögen, sehen sich viele geflohene Frauen nicht auf die häusliche Sphäre beschränkt, sondern wünschen sich Teilhabe und ein eigenständiges Leben in Deutschland“, betonte Hauffe. Vor allem bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse müsse es endlich lebensnahe Regelungen geben, forderte auch Stahmann. „Wir verschenken jede Menge Potenzial, es ist ein Trauerspiel.“

Bei der Integration sieht die Sozialsenatorin vor allem auch die anderen Senatsressorts stärker in der Pflicht: Ihre Behörde habe für Wohnungen und das Ankommen gesorgt. Jetzt komme es darauf an, dass sich die anderen Ressorts ihren Aufgaben in Bereichen wie der Kindertagesbetreuung, Schule, Gesundheit und Arbeitsmarkt stellten. „Die Integration ist eine Marathon-Aufgabe, wir sind jetzt bei Kilometer zehn angekommen. Da ist noch sehr viel zu tun.“


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Leserkommentare
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
onkelhenry am 19.10.2019 17:00
Hallo @Suzi ....

Was Sie da immer so verstehen ;-)

Das erklärt auch, warum Sie so oft falsch liegen!

Ja zu ...
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