Wetter: Regenschauer, 10 bis 15 °C
Kongress auf der Werderinsel
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Offenes W-LAN für alle

Sara Sundermann 14.02.2016 1 Kommentar

Thema Freifunk - Freifunker  Simon Joda Stößer
Einer von dreihundert Menschen, die sich für offene WLAN-Netze und lokale Netzwerke interessieren: Simon Stößer und seine Mitstreiter von der Freifunk-Initiative würden gerne Haltestellen und öffentliche Gebäude wie das Bürger-Service-Center mit kostenlosen Hotspots versorgen. (Frank Thomas Koch)

In vielen Ländern gibt es zahlreiche offene WLAN-Netze, die jeder unkompliziert nutzen kann. In Deutschland dagegen sieht das immer noch anders aus, denn hier haften private Eigentümer, wenn ihr WLAN von Dritten für illegale Aktivitäten genutzt wird. Deshalb verschlüsseln die meisten ihren Router mit einem Passwort. Doch in Bremen sollen künftig mehr Internet-Hotspots in öffentlichen Gebäuden, an zentralen öffentlichen Orten sowie in Bussen und Bahnen der BSAG entstehen. Das hat die rot-grüne Landesregierung im Koalitionsvertrag festgelegt.

Nun rückt mit Blick auf diese politischen Ziele eine Gruppe in den Fokus, die sich schon länger unbezahlt und selbst organisiert für freie Netzzugänge einsetzt: die Freifunker. Ein von den Grünen organisierter Kongress auf der Werderinsel hat am Sonnabend Freifunker, Politiker und die Bremer Datenschutzbeauftragte zusammengebracht. Die Beteiligung war vergleichsweise gering, nur etwa 40 Interessierte kamen zusammen.

Doch das Thema WLAN-Netze im öffentlichen Raum dürfte in Zukunft noch viele in der Stadt beschäftigen, denn ein mobiler Zugang zu Informationen im Netz wird immer wichtiger – und das kostenlose Datenvolumen auf dem Handy ist bei vielen Nutzern schnell aufgebraucht. Dann drosseln die Anbieter die Surfgeschwindigkeit.

Etwa 400 Router in Bremen

Zu den Bremer Freifunkern gehören inzwischen rund 300 Leute, die sich mit dem Aufbau dezentraler kostenloser Netze in der Stadt beschäftigen. Es sind Informatikstudenten und Auszubildende, aber auch Familienväter. Frauen sind noch immer in der Minderheit. Derzeit gebe es etwa 400 Router in Bremen, die einen offenen Netzzugang ermöglichen, sagt Simon Stößer von der Freifunk-Initiative Bremen. Freifunker haben in der Stadt bereits Flüchtlingseinrichtungen mit WLAN versorgt oder die Breminale mit einem Hotspot. Zuletzt bauten sie in Walle als Teil eines Pilotprojekts mehr Knotenpunkte auf.

Das Prinzip, dass der Eigentümer des Routers für dessen Nutzung haftet, löst die Initiative bislang auf einem technischen Umweg: Der Zugang ins Netz laufe nicht direkt über die Rechner derjenigen, die ihr WLAN zur Verfügung stellen, sagt Stößer. Zwischengeschaltet sei zunächst ein Router der Freifunker: „Der Router der Privatleute ist nicht nachvollziehbar, Nutzer gehen immer über unseren Router ins Netz.“

Der 23-Jährige betont, dass es den Freifunkern nicht nur um offene WLAN-Netze gehe, sondern auch um Datensicherheit und Datensparsamkeit. Eine Facebook-Nachricht, die von der Neustadt nach Findorff gehen soll, werde derzeit über Server in den den USA geschickt. „Das muss nicht sein“, sagt Stößer. „Wir können lokale Netzwerke aufbauen.“

Es ist schwieriger, lokale Netzwerke zu überwachen als globale, sagt David Mohr, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Medien- und Netzpolitik bei den Grünen. Der Softwareentwickler hat den Kongress organisiert. „Die Stadt sollte lieber die Freifunker fördern als kommerzielles WLAN“, fordert Mohr. Außerdem würde durch selbst organisierte Netzwerke wie die der Freifunker die Aneignung von Wissen gefördert. „Leute, die sich zu Netzwerken zusammenschließen und damit beschäftigen, lernen dabei, wie das Internet funktioniert“, sagt Mohr. Eine Förderung der Freifunker durch die Stadt ist in Planung: In diesem und im kommenden Jahr sollen als Haushaltsposten jeweils 12 000 Euro an die Freifunker fließen. Das ist aus Bürgerschaftskreisen zu hören. Damit könnten beispielsweise weitere Router angeschafft werden. Bislang bauen die Freifunker ehrenamtlich und aus eigenen Mitteln offene Netze auf. Ein nächster Schritt – und Voraussetzung für die staatliche Förderung – ist nun, dass die Freifunker einen Verein gründen.

Was die lokalen Netzwerke derzeit schon leisten, erklärt Simon Stößer. Derzeit könnten Freifunker bereits über das lokale Bremer Netz der verbundenen Router per WLAN telefonieren. „Und falls zum Beispiel Wikipedia weltweit zusammenbricht, hätten wir in unserem lokalen Bremer Freifunk-Netz noch ein Wikipedia-Back-up, auf das wir zugreifen könnten.“

Von den Freifunkern gibt es viele Vorschläge: Gerne würden sie zum Beispiel im Bürger-Service-Center offenes WLAN etablieren. Dort gebe es bislang kein Netz für wartende Kunden. „Wenn daran Interesse besteht, würden wir uns sehr freuen.“ Auch Haltestellen könnten über Freifunk WLAN bekommen. Stößer wünscht sich auch die Möglichkeit, Richtfunkantennen auf hohen Gebäuden oder dem Fernsehturm aufzustellen – damit ließen sich Lücken im Netzwerk schließen.

Doch das scheint in der Praxis nicht einfach zu sein: Derzeit hätten private Anbieter häufig Exklusivverträge für solche Dachflächen, sagt Kai-Lena Wargalla, Landeschefin der Grünen. Sie befürwortet eine Förderung der Freifunker: „Es geht nicht nur um kostenloses Internet, sondern auch darum, dass Menschen aktiv werden und sich dezentral zusammenschließen.“

Das Prinzip Störerhaftung

Das gibt es so nur in Deutschland: Wer über seinen Router ein WLAN-Netz aufbaut, haftet dafür, was über dieses Netz gemacht wird – auch von Dritten. Lädt zum Beispiel jemand illegal Musik herunter, dann kann der Router-Eigentümer abgemahnt werden. Das nennt sich Störerhaftung. Derzeit wird um einen Gesetzesentwurf der Bundesregierung gerungen. Diese will zwar WLAN-Zugänge im öffentlichen Raum fördern, dabei aber die Störerhaftung nur teilweise abschaffen. Nutzer sollen künftig Bedingungen zustimmen, bevor sie ins WLAN kommen.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 10 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige