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Bremer Garten-Geschichten (1)
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Poesie in grün

Patricia Brandt 21.06.2015 0 Kommentare

Die meiste Zeit seines Lebens hat Peter Feldermann am Space Lab gearbeitet. Die Arbeit an dem Forschungslabor fürs Weltall hat seinen Blick offenbar geschärft für das Dasein auf der Erde. „Man bekommt einen anderen Blick“, sagt Peter Feldermann im Gespräch. Vielleicht ist das die Erklärung ­dafür, dass der 73-Jährige seine Zeit jetzt ganz dem Garten widmet. Ein Stern spielt aber auch hier noch eine Rolle – es ist einer aus Stiefmütterchen.

Peter Feldermann
Magische Momente erlebt Peter Feldermann, wenn Licht sein Birkenwäldchen in Heiligenrode durchflutet. (Suhwa Lee)
Die Terrassenstufen zu seinem großen Garten, es ist fast schon ein Park, im ländlichen Heiligenrode nennt Peter Feldermann „die Stufen des Glücks“. Seit seiner Pensionierung verbringt er „eine 35-Stunden-Woche“ unter freiem Himmel, sagt er und lacht. Der Garten inspiriert ihn. Der frühere Planungsingenieur schreibt heute Gartengedichte, komponiert Lieder und spielt Gitarre, ohne Noten lesen zu können. Warum er das tut? Feldermann zuckt die Achseln. Später wird er in seinem Wohnzimmer ein Gedicht zeigen, das die Antwort gibt. „Schatzkammer“ heißt es: „Ein Garten ist wie eine Schatzkammer des Guten. Ist ein Schlupfwinkel der Muße, ein idyllisches Versteck. Hier verschmelzen entzückend eigenwillig die Blütenruten. Kreative Vielfalt, reine Poesie und Sinnlichkeit werden geweckt.“

Wie sieht der Garten des Ingenieurs aus? Er umfängt einen wie ein Farbenmeer, das im genauen Gegensatz zur Finsternis des Raums steht. Feldermann hat Tausende Frühjahrsblüher gepflanzt. Hunderte Tulpen- und Narzissenzwiebeln, Hornveilchen und Stiefmütterchen habe er dieses Jahr in einer Gärtnerei erstanden, rechnet der Ingenieur im Ruhestand vor. Noch stehen ein paar Kisten der gelben, roten, lilafarbenen und weißen Frühjahrsblüher auf einer Schubkarre. Die meisten Blumen hat Peter Feldermann schon in die Erde gebracht. Ein Garten, schreibt der Pensionär in einem weiteren Gedicht, müsse aus einer inneren Ordnung heraus entstehen. Peter Feldermann malt mit Blumen. Er hat die Zwiebeln und Pflänzchen rund um Sternmagnolie, Kirsche und Scheinquitte zu Formen und Mustern angeordnet. Es gibt farbenprächtige Kreise, Herzen und sogar Notenschlüssel in seinem Garten. Rund um den Stamm einer Kirsche blüht der Stern. Geformt aus gelben und weißen Hornveilchen und Tulpen.

Peter Feldermann
Malen mit Blumen: Peter Feldermann hat allein dieses Frühjahr Hunderte Tulpen- und Narzissenzwiebeln gepflanzt. Dazu kamen Stiefmütterchen und Hornveilchen. (Suhwa Lee)
Ähnliche Blumenbilder waren ihm vor Jahren bei einem Besuch der Gärten von Schloss Trauttmannsdorff in Meran aufgefallen. „Da habe ich gedacht, das kann ich auch zu Hause machen.“ Wie auf ein Stichwort erscheint „Rosa von Fanger“, ein zugelaufener Kater, miaut und setzt sich zu Füßen seines Besitzers. So richtig scheint der fürstliche Name nicht zu dem einäugigen Tier zu passen. Peter Feldermann streichelt den Kater abwesend.

Wie tierfreundlich der gepflegte Garten tatsächlich ist, wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Dann nämlich, wenn Peter Feldermann zu entlegeneren Ecken führt. Zu dem Waldgarten etwa, wo die Farnsammlung seiner Frau Ingeborg wächst und Igelhöhlen unter Rhododendren zu finden sind. Oder am Rand des Grundstücks, wo Peter Feldermann vom Sturm gefällte Kiefern zu einem überdimensionalen Insektenhotel aufgetürmt hat. Wie ein Wahrzeichen ragt es mehrere Meter in den Himmel.

„Eins sein mit der Kraft der Natur. Friede und Schönheit, wohin man schaut. Unser Garten ist eine Zeitreise ohne Uhr. Ein Platz zum Leben, wo sich alles neu aufbaut“ , beginnt ein weiteres seiner Garten-Gedichte. Peter Feldermann streckt die Arme aus, dreht sich halb und sagt mit Blick auf die Beete und Ziersträucher: „Vier Wochen weiter, dann ist das hier ein Blütenmeer. Dann möchte man die Liege aufbauen und Tag und Nacht im Garten verbringen.“ Manchmal, wenn der gebürtige Bremer dann tatsächlich still im Liegestuhl auf dem Rasen sitzt, passiert es, dass sich eine der großen Libellen aus dem Seerosenteich auf ihm niederlässt.

Peter Feldermann
Was nicht mehr in die Beete passt, landet im Restebeet, wo einst das Gewächshaus stand. (Suhwa Lee)
„Sie kommen nur an Teichen ohne Fische vor“, meint Feldermann, während er an den Rand des Teichs tritt. Deshalb hat der Tierfreund gleich zwei Teiche angelegt. In einem schwimmen Goldfische. Er hat sie vom Golfplatz mitgebracht. „In einer Pfütze waren etwa 100 kleine Fische. Ich habe mir einen Papierkorb genommen und sie hierher gebracht.“ Der rote Kater stolziert über den Rasen, streicht Peter Feldermann abermals um die Beine und lässt sich dann ein Stück entfernt nieder. Fast so als sei er beleidigt, nicht die Hauptrolle zu spielen. Später verschwindet er ganz aus dem Blickfeld.

Zugelaufene Katzen hat es immer in Feldermanns Garten gegeben. Hinten im Heidegarten liegen ihre Gedenksteine. Es sind große Findlinge, von der Sonne gewärmt. Hier ruhen Stiefel, Blacky, Sunny und noch einige Katzen mehr. Gerne denkt Ingeborg Feldermann an den Sommer zurück, als ihnen eine der zugelaufenen Katzen unerwartet einen Wurf Junge bescherte: „Das war ein tolles Erlebnis.“

Unter den schlanken, weißen Birken wuchert die rosafarbene Winterheide bald kniehoch. Die Birken hat Feldermann vor acht oder neun Jahren gekauft. „Für mich sind sie eine Kindheitserinnerung. Ich bin auf dem Stadtwerder groß geworden, da gab es ein Birkenwäldchen.“ Das „geheimnisvolle Weiß“ der Birken zu betrachten, wenn Licht den Hain durchflutet - für Peter Feldermann sind das Momente der Magie.

Bermer Gartengeschichten, Garten Feldermann
(Peter Feldermann)
Vor einen der weißen Bäume hat der Sohn eines Betriebsrats und einer Hausfrau eine Informationstafel aufgebaut. Hier steht Wissenswertes über Birken. Zum Beispiel, dass die Reiter der Spanischen Hofreitschule Birkenzweige als Gerten benutzen. „Wer weiß das denn schon?“, fragt Feldermann. Er hat die Idee eines Baum-Lehrpfads aus Tirol mitgebracht. Wenn Golffreunde zu Besuch seien, könnten sie sich hier über alle seine Bäume informieren.

Die vielen Gartenideen ihres Gatten scheinen Ingeborg Feldermann fast ein wenig zu verwundern: „Mein Mann ist so kreativ geworden.“ Sein Berufsleben lang war Peter Feldermann jemand, der sich mit mathematischen Formeln und physikalischen Gesetzmäßigkeiten auseinandersetzte. „Das größte Zeichenbrett in der Firma war meines“, sagt er. Der gelernte Maschinenbauer und spätere Planungsingenieur arbeitete zunächst am ersten, nach dem Krieg in der Bundesrepublik Deutschland entwickelten Flugzeug VFW 614 mit. „Ich war für die Hydraulik zuständig.“ Später war er für die Projektsteuerung des Raumlabors Spacelab verantwortlich. „Man kriegt einen Blick für das Leben als solches , wenn man für eine solche Firma arbeitet“, sagt Peter Feldermann.

Heute geht es für Peter Feldermann nicht mehr um den Raum und seine unendliche Weite. Er genießt seinen Garten und staunt über die Wunder der Natur. In einem weiteren seiner Gedichte heißt es: „So wird der Garten zu einer Augenweide der Seele. Es ist wie ein Mysterium, wenn die Natur wieder erwacht.“

Peter Feldermanns Gartentipp: 

Wer einen naturnahen Garten hat, sollte auf den Einsatz von Chemie verzichten und im Frühjahr natürlichen Dünger verwenden. Für eine zweite Blüte sorgt ein Rückschnitt remontierender Pflanzen wie Schafgarbe, Katzenminze und Salbei nach der Hauptblüte.

Besichtigung: Sonnabend und Sonntag, 11./12.Juli, jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Anmeldung erbeten unter: jp.feldermann(at)t-online.de

Steckbrief

Größe: 5000 Quadratmeter

Lage: Heiligenrode

Besonderheit: Auf dem Areal finden sich sowohl ein Kloster-, Wald-, Stein- und Heidegarten als auch mediterrane Pflanzen und zwei Teiche. Der Clou sind die fantasievoll bepflanzten Beete und Baumscheiben.


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
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