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Acht Monate verdeckte Ermittlungen
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Polizei Bremen zerschlägt Drogenring

Ralf Michel 18.10.2016 9 Kommentare

Drogenrazzia im Steintor, eine Polizeiaktion gegen den Straßenhandel.
Drogenrazzia im Steintor, eine Polizeiaktion gegen den Straßenhandel. (Frank Thomas Koch)

Der Polizei Bremen ist nach eigener Aussage ein entscheidender Schlag gegen den Straßenhandel mit Drogen am Hauptbahnhof und im Viertel gelungen. Ausdrücklich ging es dabei nicht um punktuelle Erfolge gegen kleinkriminelle Straßendealer, sondern um deren Hintermänner.

Es sei gelungen, deren Arbeitsstrukturen komplett zu zerschlagen, fasste Daniel Heinke, Leiter des Landeskriminalamtes, am Dienstag acht Monate Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen.

Dafür sei es notwendig gewesen, die Köpfe hinter dem Straßenverkauf so dicht wie möglich an den Betäubungsmitteln zu erwischen, erläuterte Andree Lehmann, Chef des federführenden Kommissariats für Strukturdelikte – sozusagen „mit der Hand im Honigtopf“.  Womit das Kind seinen Namen hatte: die Ermittlungen führte die Besondere Aufbauorganisation (BAO) „Honigtopf“.

Operation "Honigtopf"

Mit klebrigen Fingern erwischt wurden laut Oberstaatsanwalt Frank Passade 15 Tatverdächtige im Alter zwischen 19 und 38 Jahren. Die meisten davon stammen aus Westafrika. Sechs von ihnen sitzen in Untersuchungshaft, darunter die beiden Männer, die laut Polizei die beiden Hauptverkaufsgebiete in Bremen – Bahnhofsvorplatz und Steintor – unter sich aufgeteilt hatten.

Acht Monate ermittelte die Polizei verdeckt, dann schlug sie zu: Mit 270 Einsatzkräften wurden am 6. und 7. Oktober sowie in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 19 Objekte durchsucht. Nicht nur in Bremen, auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, berichtete Lehmann.

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Neben den Festnahmen wurden 4,5 Kilo hochwertiges Kokain, 1,2 Kilo hochwertiges Heroin sowie 7,5 Kilo Marihuana sichergestellt. Die Polizei spricht von einem Verkaufswert von über einer Million Euro. Zudem wurden rund 80.000 Euro Bargeld beschlagnahmt.

Die Geschichte des Kampfes der Polizei gegen den offenen Drogenverkauf auf Bremens Straßen ist ebenso lang wie erfolglos. Mehr als ein paar meist jugendliche Händler, die mit geringen Mengen Betäubungsmittel geschnappt wurden, stand dabei selten zu Buche. Maximal bis zur Wohnung des Straßendealers kam die Polizei, dann war das Ende der ermittlungstechnischen Fahnenstange erreicht.

Bremer Erfolg hat bundesweite Bedeutung

Ein Problem, das allerdings nicht nur Bremen hat, betont Bremens stellvertretender Polizeipräsident Dirk Fasse. In den anderen Großstädten Deutschlands sei die Lage dabei nicht anders. Weshalb LKA-Chef Heinke dem Bremer Erfolg durchaus bundesweite Bedeutung beimisst.

Erstmals seit Jahren sei man jetzt an übergeordnete Strukturen des Drogenhandels herangekommen und dabei in vier unterschiedliche Hierarchieebenen eingedrungen. Das stoße auch bei den Kollegen der anderen Bundesländer auf Interesse.

Drogenkauf am Eck – der Selbsttest

Fasse verbindet mit dem Erfolg aber vor allem zwei lokale Botschaften. Die erste zielt – nach der Kritik der vergangenen Monate – auf das Sicherheitsgefühl der Bürger: Die Polizei geht sehr wohl gegen die Drogendealer vor. Die zweite in Richtung Dealer: Die Stadt geht konsequent gegen sie vor, Bremen ist kein gutes Pflaster für Drogenhändler. Was die Polizei auch mit weiteren offenen Aktionen unterstreicht, wie etwa der Razzia am Montagabend im Viertel.

Geschäftsprozesse aufgedeckt

In achtmonatiger Puzzlearbeit habe die BAO Honigtopf mit großem Personalaufwand versucht, die Geschäftsprozesse aufzudecken, die hinter dem Verkauf der Drogen auf der Straße stehen, erläutert Andree Lehmann: Wer gibt die Bestellungen auf? Wer sind die Lieferanten? Wo werden die Drogen gelagert, wo gestreckt und verpackt? Wie laufen die Geldflüsse?

Dies alles vor dem Hintergrund vollkommen abgeschottet operierender Täter, die stark hierarchisch organisiert sind und mit ausgeklügelten Sicherheitssystem arbeiten. Noch dazu in unterschiedlichen Sprachen und Ländern.

Festgenommen wurden Verdächtige aus fünf Ländern. Die meisten von ihnen, vor allem aber auch die jugendlichen Straßenverkäufer, stammen aus dem westafrikanischen Guinea und gehören dem Volksstamm der Fulbe an.

In der Regel handele es sich um Asylbewerber, so Lehmann. Zum Teil seien sie erst in Bremen für den Drogenhandel geködert, zum Teil aber auch schon gezielt dafür in ihrer afrikanischen Heimat angeworben worden. Sie selbst würden keine Drogen nehmen, es gehe ihnen lediglich darum, in Deutschland Geld zu verdienen, um damit ihre Familien in Afrika zu unterstützen.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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