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Hunderte von Kita-Plätzen fehlen
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Protest gegen größere Kindergruppen

Sara Sundermann 22.06.2016 6 Kommentare

Sie wehren sich dagegen, dass die Betreuung von 21 oder 22 Kindern in einer Kita-Gruppe möglich werden soll. 
Sie wehren sich dagegen, dass die Betreuung von 21 oder 22 Kindern in einer Kita-Gruppe möglich werden soll.  (Christina Kuhaupt)

Rund 200 Erzieherinnen und Eltern haben am Mittwoch vor dem Haus der Bürgerschaft demonstriert. Zum Protest aufgerufen hatte ein neues Bündnis aus Kita-Betriebsräten, Gewerkschaften und Elternvertretern, das "Bremer Bündnis für bessere Kita-Qualität". Die Demonstranten wehren sich gegen Pläne der Bildungsbehörde, auch Kita-Gruppen mit mehr als 20 Kindern zu ermöglichen.

Hintergrund für die Aufstockung von Gruppen ist, dass kurz vor Start des neuen Kindergartenjahres im August noch Hunderte Kita-Plätze fehlen. Die fehlenden Plätze und der Kita-Ausbau in Bremen waren am Mittwoch auch Thema in der Bildungsdeputation, die im Haus der Bürgerschaft tagte.

Die Bildungsbehörde weiß derzeit schlicht nicht, wie sie allen Bremer Eltern einen Kita-Platz anbieten soll. Deshalb soll es nun – der Behörde zufolge nur als Notlösung – auch Gruppen mit 21 oder 22 Kindern geben. Bislang waren 20 Kinder der maximale Bremer Standard.

Hohe Belastung

Viele Erzieherinnen, die protestierten, betonten, dass sie seit Jahren für kleinere Gruppen kämpften. "Ich habe gehofft, dass ich 18 Kinder als Gruppengröße noch miterlebe – dass ich nun sogar noch 22 Kinder in einer Kita-Gruppe erleben würde, das hätte ich nicht gedacht", sagte eine 59-jährige Erzieherin. Sie arbeitet in einem Kindergarten in Gröpelingen. "Bei uns haben 85 Prozent der Kinder Migrationshintergrund", erzählte sie. Es gebe verhaltensauffällige Kinder, die nicht zuhörten und einfach wegliefen. "In noch größeren Gruppen haben wir keine Zeit mehr, einem stotternden Kind zuzuhören."

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Auch andere Erzieherinnen warnten: "Wenn das so weitergeht, können wir nur noch auf das Nötigste gucken – darauf, dass sich kein Kind verletzt", sagte eine 29-jährige Erzieherin. Auch die Zentral-Eltern-Vertretung warnt davor, dass die Unterstützung für Kinder mit Förderbedarf im Alltag auf der Strecke bleiben könnte, Arbeit in Kleingruppen kaum noch möglich wäre und Erzieherinnen gesundheitlich immer stärker belastet würden.

Auch Eltern demonstrierten mit und übten deutliche Kritik: "Es kommen einfach mehr Kinder in denselben Räumen hinzu", bemängelte eine 35-jährige Mutter von zwei Kindern. Ihre Freundin nannte die Pläne für größere Gruppen "eine Zumutung für Eltern". Grit Wetjen vom Personalrat des städtischen Trägers Kita Bremen attackierte die Behörde ebenfalls und sprach von einer "Fehlplanung der Politik" beim Kita-Ausbau.

Fehlende Räume

„Ich will ganz ehrlich sein: Wir haben ein Problem – wir haben nicht genug Kita-Plätze", sagte Bildungs-Staatsrat Frank Pietrzok (SPD). Es habe mehr Zuzug aus dem Umland und dem Ausland gegeben, und Familien in Bremen hätten mehr Kinder bekommen, als die Bevölkerungstatistiker vorhergesagt hätten.

Auf 21 oder 22 Kinder in einer Kita-Gruppe wolle die Behörde nur "zeitlich befristet und in Einzelfällen" setzen, betonte Pietrzok. „Wir wollen alle anderen Möglichkeiten und Räume prüfen." In der Behörde überlegt man nun, Gebäude der Kirchengemeinden für Kita-Gruppen zu nutzen, Wohnungen anzumieten und auch Container aufzustellen, in denen Kinder betreut werden können.

Fehlende Räume sind derzeit offenbar das größte Problem: Für den Kita-Ausbau müssen ständig neue Einrichtungen entstehen. Doch hier stockt das Verfahren. Obwohl Träger und Investoren Grundstücke für den Bau von Kindergärten vorgeschlagen haben, sind bisher nicht genug Kitas entstanden. Zuletzt wurden Pietrzok zufolge pro Jahr drei bis vier neue Einrichtungen eröffnet.

Wachsender Bedarf

Das reicht aber nicht aus, um den wachsenden Bedarf abzudecken. Bei der Auflistung der fehlenden Betreuungsplätze seien die Flüchtlingskinder noch gar nicht berücksichtigt worden, sagen Elternvertreter. "Der Senat hat es verschlafen, mehr Gelder für den Kita-Ausbau bereitzustellen", kritisierte Andreas Seele von der Zentral-Eltern-Vertretung.

Die Bildungsbehörde geht von 230 Plätzen aus, die für Kinder bis sechs Jahren fehlen. Elternvertreter und die Gewerkschaft Verdi rechnen mit mehr als 1000 fehlenden Plätzen. Sie zählen zusätzlich die Eltern mit, deren Namen auf den Wartelisten der einzelnen Kitas stehen. Diese Eltern möchten ihr Kind in genau dieser Kita anmelden.

Sie machen ihren Rechtsanspruch auf Betreuung nicht geltend und behalten ihr Kind im Zweifel noch ein Jahr zu Hause, wenn in ihrer Wunsch-Kita kein Platz frei ist. Wer seinen Rechtsanspruch auf die Betreuung seines Kindes in einer Kita geltend macht, kann auch einen Platz in einem anderen Kindergarten zugewiesen bekommen.


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Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
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