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Gartenbesuch bei Wolfgang Janza
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Spanien liegt in Findorff

Patricia Brandt 28.06.2015 0 Kommentare

Wenn Wolfgang Janza (66) in die Natur geht, hat er entweder ein Gartengerät oder eine Kamera dabei, manchmal sogar beides. So filmt sich das Mitglied der Bremer Amateurfilmer auch schon mal selbst beim Rasenmähen.

Wolfgang Janza in seinem Garten-Paradies in Findorff.
Wolfgang Janza in seinem Garten-Paradies in Findorff. (Suhwa Lee)
Wolfgang Janza sitzt in seinem Heimstudio im ersten Stock seines Einfamilienhauses und klickt mit der Maustaste. Auf dem Monitor erscheint ein Ausschnitt aus seinem Kurzfilm „Hier bin ich am liebsten“: Das Bild ruckelt ein bisschen, denn die Kamera fährt kurzzeitig auf dem Fangkorb des Rasenmähers mit. Zwischendurch ist Janza hinter dem Mäher zu sehen, er sagt, dies sei sein englischer Rasen. Dann wechselt die Perspektive, der Zuschauer sieht plötzlich Grashalme vor sich aufwirbeln. Die Kamera befindet sich jetzt nicht mehr auf, sondern im Fangkorb des Mähers.

Vor allem wegen seiner Filmerei ist Wolfgang Janza im Stadtteil Findorff bekannt, weniger wegen seines Gartens. Obwohl: Viele Passanten halten erstaunt inne, wenn sie an „Casa de Palmeras“, dem Haus der Palmen, vorbei kommen. Stehen doch zwei prächtige, gut drei Meter hohe Fächerpalmen in Janzas Vorgarten. Sie sind sein ganzer Stolz, seine „Lieblinge“, und doch nur ein Vorgeschmack auf das, was hinter dem gelben Ziegelsteinhaus liegt: eine mediterrane Oase auf 350 Quadratmetern.

Von den Terrassenstufen lenkt geschnittener Buchs den Blick zwar zunächst aufs englische Rasen-Rechteck. Aber wenige Schritte weiter beginnt schon das Mittelmeergebiet. In einem Steinbeet wachsen im Sommer Oliven- und Feigenbäume und blühender Oleander. Es gibt Terrakotta-Amphoren und Kübel mit leuchtend roten Geranien. Und nach getaner Arbeit wartet auf der Terrasse ein kühles Bier, natürlich ein San Miguel. Spanien lässt grüßen. Fehlen nur noch Gitarrenklänge.

„Spanien war immer mein Land“, sagt Janza, und weil die Familie lange nicht an die Costa Brava reisen konnte, holte der pensionierte Feuerwehrmann vor fast 15 Jahren den Süden eben nach Findorff. Sogar eine Bananenstaude mit echten Bananen gibt es. Jedenfalls glaubt das die kleine Julie. Damit seine vierjährige Enkeltochter Bananen im Garten ernten konnte, drahtete Janza kurzerhand ein paar krumme Früchte aus dem Supermarkt an den langen Blättern fest.

Wolfgang Janza
(Suhwa Lee)
Der Sommer ist Janzas Jahreszeit. „Den Winter, Schnee und Eis, mag ich gar nicht.“ Der Findorffer leidet jedes Jahr in der kalten Jahreszeit mit seinen Lieblingen mit. Trotzdem bekommt nur die Banane ein wärmendes Haus aus Kartonage, die restlichen Exoten müssen sehen, wie sie mit Regenschirm klarkommen. Der Rentner hatte Bücher um Bücher gewälzt, um herauszufinden, welche Freilandpalmen den Winter in der norddeutschen Tiefebene überhaupt überleben würden, und bestellte via Internet als erstes Hanfpalmen aus dem Himalaja. „Ich habe sie kommen lassen und – siehe da – es funktioniert. Sie wachsen.“

Mittlerweile gibt es elf mannshohe Exemplare im Garten. Janza verfolgt ihr Wachstum kritisch. Jedes Frühjahr misst er die Stammlänge für seine eigene Statistik. Bisher legen seine Palmen jedes Jahr fünf bis zehn Zentimeter zu. Zehn Meter und mehr erreichen die Fächerpalmen in ihrer Heimat.

Wolfgang Janza
(Suhwa Lee)
Längst hat Janza auch eine „Kinderstube“ für Ableger und für Jungpflanzen des winterfesten Oleanders aus dem Atlasgebirge in seinem Garten eingerichtet und auch schon einige Zöglinge an Freunde und Bekannte abgegeben. Zudem hat er weitere Südländer bei sich aufgenommen. Etwa Yucca rostrata, ein Gewächs aus Mexiko mit grün-blauer Krone, das Kälte bis minus 21 Grad trotzen soll, und Yucca gloriosa aus den USA, die angeblich sogar Minusgrade bis 25 verträgt.

Auch die Yucca filifera gedeiht auf dem kleinen Grundstück und entzückt den Gärtner mit cremefarbenen, kugelförmigen Blüten. Sie hängen kaskadenartig einen Meter oder länger herab.

Das perfekte Urlaubsparadies. „Nur das Meer habe ich leider nicht vor der Haustür“, bedauert der frühere Tauchausbilder der Bremer Feuerwehr. In jüngeren Jahren sei er viel im Roten Meer getaucht. Zwar gab es mal einen Teich im Garten, sogar einen mit Goldorfen darin, doch ­Janza schüttete ihn zu, als die Enkeltochter zur Welt kam. „Ich weiß, was passieren kann“, sagt der frühere Rettungstaucher.

Wolfgang Janza
(Suhwa Lee)
Leises Plätschern ist aus einem Springbrunnen zu hören. Sprudelndes Wasser, die Morgensonne hinter Palmwedeln – alles Motive, die Janza schon mit Foto- und Filmkamera eingefangen hat. Seit er 16 Jahre alt ist, fotografiere er gern, zuletzt fotografierte und filmte er auch Einsätze der Feuerwehr.

Rund 150 Beiträge hat der Mann aus Peine nach eigenen Schätzungen in seiner Freizeit über Bremen gedreht. Es gibt einen Streifen über den Findorffer Wochenmarkt und einen über die Geschichte der Moorbauern aus dem Teufelsmoor. Zuletzt hat Wolfgang Janza eine Naturdokumentation über den Kuhgrabensee im Blockland gedreht. Eineinhalb Jahre habe es gedauert, bis er alle Aufnahmen im Kasten hatte. Manchmal verbrachte er ganze Tage im Freien, um Haubentaucher und andere Tiere vor die Kamera zu bekommen. „Ich wollte die ganze Fauna und Flora zeigen.“

Premiere feiern Janzas Filme im Saal der Martin-Luther-Gemeinde, wo das Café Klön-Team Kaffee und Tee ausschenkt. Es sei immer rappelvoll. Denn: Man kennt sich. „Sie nennen mich den Spielberg von Findorff.“

Auch Janzas Gartenfilm lief schon im Gemeindesaal. Möglich, dass weitere Teile aus dem Palmenquartier folgen: Diesen Winter filmte Wolfgang Janza, wie eine Lärche im Nachbargarten gefällt wurde. Natürlich hat der Hobbyfilmer die Kamera nicht einfach nur drauf gehalten: Er hat sie kurzerhand auf eine Drohne geschnallt.

Steckbrief:

  • Größe: 350 Quadratmeter
  • Lage: Bremen-Findorff
  • Besonderheit: Mittelmeer-Flair ohne Meer. Winterharte Hanfpalmen, Oleander und Yucca-Palmen setzen auch in der kalten Jahreszeit mediterrane Akzente.

Besichtigung: Sonnabend, 8. August 2015, Anmeldungen 14 Tage vorher unter wolfgang@janza.de - Besucher nur in begrenzter Zahl!

„Bremer Garten-Geschichten“, der WESER-KURIER stellt aus der Region Bremen die 25 schönsten Gärten und die Menschen dahinter vor. Dazu gibt es Gartentipps von Experten, internationale Rezepte für die Party und Ausflugsziele. Zu haben im Zeitschriftenhandel sowie in unseren Zeitungshäusern und auf www.weser-kurier.de/shop. Erscheinungsdatum: 1. Juli, 124 farbige Seiten, 6,90 Euro.


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Leserkommentare
alterwaller am 18.10.2019 20:26
Eine "ich-bin-dagegen-Initiative" nach der anderen. Bremen ist zwar meine Heimatstadt aber inzwischen bin ich froh mich vor ca. 6 Jahren vom Acker ...
Posaune am 18.10.2019 20:16
Aus Luftschlössern werden keine Lustschlösser entstehen weil sich Luft und Lust nicht sonderlich verstehen ;-).

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