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Umbau der "Alexander von Humboldt"
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Vom Segelschiff zum schwimmenden Gasthaus

Nikolai Fritzsche 16.02.2015 8 Kommentare

Der Dieselmotor im Rumpf der „Alexander von Humboldt“ ist zwar noch da, aus eigener Kraft wird der Segler aus dem Jahr 1906 aber wohl nie mehr übers Wasser gleiten. Damit hat auch der Maschinentelegraf ausgedient, mit dem der Vortrieb vom Deck aus dosiert werden konnte. In neuer Funktion wird der goldene Apparat aber auch in Zukunft an Bord sein: Er ziert jetzt den Zapfhahn am Tresen im Salon des Hotels und Restaurants zu Wasser, das ab Mai im Europahafen und ab Frühjahr 2016 dann an der Schlachte Gäste empfangen soll.

Das ehemalige Schulschiff Alexander von Humboldt
Volle Kraft ins Glas: Der alte Maschinentelegraf am Zapfhahn im Salon „Blaue Lagune“. (Volker Crone)

Haumüller muss es wissen, denn als er voriges Jahr die Projektleitung für den Umbau der „Alex“ in ein schwimmendes Gasthaus übernahm, kannte er das Segelschiff bereits seit fünfzehn Jahren. Weil er die Ausbildung zum Brauer und Mälzer bei Beck’s als Jahrgangsbester abschloss, durfte er einige Wochen lang auf dem Schiff aus der Fernsehwerbung mitsegeln – und tat das danach immer wieder.

Die "Alexander von Humboldt" im Januar 2012. Seit September 2013 liegt der Dreimaster in Bremerhaven.
Jörn Haumüller leitet den Umbau der „Alex“. „Den Bus-Halteknopf haben wir an einem lustigen Abend hier eingebaut, als ich noch auf der ‚Alex‘ gesegelt bin“, erzählt der 34-Jährige.
Das Altglas muss noch weg, ansonsten ist sie bereit für die Gäste: die Bar im ehemaligen Offizierssalon „Blaue Lagune“ auf der umgebauten „Alexander von Humboldt“.
Mit dem Maschinentelegrafen wurde früher der Vortrieb des Dieselmotors vom Deck aus geregelt. Jetzt ziert er den Zapfhahn in der „Blauen Lagune“.
Fotostrecke: Einblicke in die umgebaute "Alexander von Humboldt"

Sieben Monate Umbau

An den holzvertäfelten Wänden hängen alte Plaketten und Urkunden, in einem Rahmen ist der Taufbrief des Schiffs zu sehen. Auf hoher See war der Salon den Offizieren vorbehalten, die sich ihr Bier auf weichen Polstern sitzend schmecken ließen. Der Rest der Mannschaft nahm währenddessen in der Mitte des Hauptdecks auf blankem Holz Platz. Für den Gastbetrieb mussten nun neue Polster her, die Farbe aber, die dem Salon den Beinamen „Blaue Lagune“ einbrachte, blieb die gleiche. Ebenfalls in Blau gehalten, aber kein bisschen original ist der neu installierte kleine Clubraum, in dem rund 15 Personen unter sich sein können und der früher als Schiffshospital diente. Auch ein kleiner Maschinenraum wurde umfunktioniert: Wo einst der Hilfsdieselmotor arbeitete, befindet sich nun eine der Schlafkammern. Und der schmale Raum neben der Kombüse, wo künftig Bier gezapft oder Cola eingeschenkt wird, war vor dem Umbau eine Toilette.

Portrait von Jörn Haumüller
Vor fünfzehn Jahren fuhr Jörn Haumüller erstmals auf der „Alexander von Humboldt“. Nach ungezählten Törns mit dem Segler leitet er jetzt den Umbau zum Hotel und Restaurant. (Volker Crone)

Ob es auf der „Alex“ kuschelig zugeht, bleibt also abzuwarten. Damit es in jedem Fall warm wird, wurde das Schiff mit einer neuen Heizung ausgestattet, die norddeutschen Wintern standhält. Die alte war nämlich nicht für den Winterbetrieb ausgelegt, da das Segelschiff die hierzulande kalten Monate stets in der Karibik oder ähnlich warmen Regionen verbrachte.

Das ehemalige Schulschiff Alexander von Humboldt
Kammer mit Aussicht: Bullaugen als Schlafzimmerfenster. (Volker Crone)

Geschicklichkeit wird trotzdem allen abverlangt, die auf der „Alexander von Humboldt“ übernachten wollen. So schlafwandlerisch sicher wie Jörn Haumüller dürften nur erfahrene Seeleute zu den Schlafkammern ins Zwischendeck gelangen. Die Niedergänge, die vom Hauptdeck nach unten führen, sind extrem steil, und die Stufen so schmal, dass gerade einmal die Zehen darauf Platz finden. Und das dann auch noch mit Gepäck?

Jörn Haumüller kann da – wir sind inzwischen über einige Metallsprossen noch eine Ebene tiefer in den Heizungsraum im Schiffsrumpf gestiegen – nur müde lächeln. „Die Öltanks für die neue Heizung mussten auf demselben Weg hier runter, den wir gerade genommen haben. An Kettenzügen haben wir die mit vier Mann hier runtergehievt. Eine schöne Schinderei war das.“ Wieder auf dem Hauptdeck angekommen, fällt die Vorstellung schwer, dass alles, was sich jetzt unter Deck befindet, durch die kaum mehr als schulterbreiten Gänge dorthin gelangt ist.

Die Segel bleiben eingepackt

„Barrierefrei ist das hier natürlich nicht. Und auch sonst mussten einige Sondergenehmigungen her,“ erzählt Jörn Haumüller. Weil die Stadt der „Alex“ enorme Bedeutung für die Attraktivität Bremens zumisst, wurde „von Behördenseite alles möglich gemacht“, berichtet der 34-Jährige. Bei allem Wohlwollen wird ein Wunsch des Eigentümers aber unerfüllt bleiben. Er wollte die „Alex“ während der Sommermonate so zeigen, wie jedermann sie kennt und wie sie auf zahlreichen Fotos in den Gasträumen abgebildet ist: voll aufgetakelt, mit geblähten grünen Segeln.

Wenn auf der „Alex“ im Mai der Betrieb losgeht, werden die originalen Segel zwar angeschlagen sein, sie müssen aber zu allen Zeiten eingerollt bleiben. „Hafenfertig gepackt“, wie Seeleute dazu sagen. Der Zug auf die Seile, mit denen das Schiff am Anleger festgemacht wird, wäre sonst zu stark. „Die Takelage bietet dem Wind ohnehin schon hundert Quadratmater Angriffsfläche“, erklärt Haumüller. Mit gesetzten Segeln wären es über tausend. Trotzdem bedauert er, dass die „Alex“ im Europahafen und an der Schlachte nicht in voller Pracht zu sehen sein wird. „Aber es wäre zu schade, wenn die Gute sich auf die Seite legt.“

Übergangsheimat Überseestadt

Anfang 2014 deutete nichts darauf hin, dass die „Alexander von Humboldt“ noch mal in neuem Glanz erstrahlen würde. Der Schiffsrumpf dümpelte abgetakelt im Bremerhavener Fischereihafen vor sich hin; Masten, Rahen, Segel und Seile lagerten in einer Werfthalle. Wenn die Bark im Frühjahr 2016 ihre neue Heimat an der Schlachte bezieht, wird das Segelschiff für kurze Zeit so ähnlich aussehen wie damals: Für den Umzug an die Schlachte muss die mit allen Aufbauten rund 50 Meter hohe „Alex“ erneut abgetakelt werden, damit sie unter den vier Brücken hindurchpasst, die die Weser auf dem Weg zum Anleger 1 überspannen.

Das ehemalige Schulschiff Alexander von Humboldt
In der Backbordmesse saß früher die Mannschaft beim Bier. (Volker Crone)

Die Speisekarte auf der „Alex“ wird fünf bis zehn Gerichte umfassen und häufig wechseln, erklärt Betriebsleiter Florian Peters. „Wir machen auf keinen Fall nur Labskaus.“ Stattdessen sind Themenwochen „auf den Spuren des Namensgebers Alexander von Humboldt“ geplant. Auch typische Gerichte aus Ländern, in denen die „Alex“ angelegt hat, werden serviert.

Zusätzlich zum Hotel- und Restaurantbetrieb sind an Deck und im Inneren des Schiffs Konzerte und andere Veranstaltungen geplant. Auch Open-Air-Kinovorführungen an Deck mit einem Segel als Leinwand sind angedacht.

Die „Alex“ nach dem Umbau

120 Sitzplätze im Hauptdeck verteilen sich auf einen Salon, drei Gasträume und einen Clubraum. Weitere 200 Personen finden unter freiem Himmel an Deck Platz. Neun Zweier- und fünf Vierer-Kammern bieten insgesamt 38 Schlafplätze.


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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...
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