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Das 100-Millionen-Projekt
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Vor dem Bahnhof wird endlich gebuddelt

Jürgen Hinrichs 03.11.2015 5 Kommentare

Die Bagger sind im vollen Einsatz – auf der Baustelle vor dem Bremer Hauptbahnhof geht es endlich voran. In zwei Jahren soll das 100-Millionen-Projekt fertig sein. Wie weit die Bauarbeiten sind und welche Probleme es gibt.

Baustelle Bahnhofsvorplatz - Bauleitung Simone Keil
Simone Keil auf der Aussichtsplattform vor der Baustelle am Bahnhof. Die 43-Jährige ist Bauleiterin des 100-Millionen-Euro-Projekts. (Frank Thomas Koch)

Das Grundstück hat genau 5555 Quadratmeter, bebaut werden davon 5400 Quadratmeter, und das ist das Problem. Die Baustelle ist eine Insel, drumherum kein Wasser, dafür aber viel befahrene Straßen und die Linien der Straßenbahn. Logistisch könnte es schwieriger nicht sein, selbst der ebenfalls eng begrenzte Neubau der Bremer Landesbank an Domshof und Rathaus hat mehr Manövrierfläche für die Lastwagen und das schwere Baugerät. Und doch muss es gehen, irgendwie, die beiden Häuser auf dem Bahnhofsvorplatz werden gleichsam aus sich selbst heraus wachsen. In diesen Monaten wird für das Projekt aber zunächst mal der Grund gelegt. Besuch auf der Baustelle.

Simone Keil ist die Bauleiterin. Ihr Beruf steht ihr ins Gesicht geschrieben. So sehen Menschen aus, die viel an der frischen Luft sind und Spaß an der Arbeit haben. „So etwas Großes hatte ich noch nicht, eine reizvolle Aufgabe“, sagt die 43-Jährige. Der Bauhelm sitzt bei ihr wie festgewachsen. Ein Profi, der als Frau ihren Mann steht.

Klar, sagt sie, „das ist eine andere Herausforderung, als auf der grünen Wiese zu bauen“. An einer Stelle zum Beispiel muss der Bauzaun tanzen, einen Schritt vor und einen wieder zurück, damit die Schlitzwand entstehen kann. Die Haltestelle der Straßenbahn tanzt mit, mal nach links, mal nach rechts. Platz schaffen für die Bauarbeiten.

Baustelle Bahnhofsvorplatz -
Ein Seilbagger mit Greifer. (Frank Thomas Koch)

Die Wand fasst den Unterbau ein, sie ist 37 Meter tief und 80 Zentimeter breit. Besser: sie wird es sein, denn noch sind die Seilbagger am Werk. Mehr als 20 Meter hohe Ungetüme, die sich mit ihren Greifern in die gewünschte Tiefe vorarbeiten. Einmal bisher, dass etwas im Weg war. Ein Felsbrocken. „Das hat den Greifer einen Zahn gekostet“, erzählt die Bauleiterin. Irgendwann war der Widerstand aber gebrochen, der Stein lag in Trümmern.

Der Greifer hängt an einer großen Metallplatte, die dafür sorgt, dass alles in der Spur bleibt. Bei immerhin 37 Metern, die bewältigt werden müssen, ist das trotzdem nicht einfach. Messgeräte am Greifer melden jede Ungenauigkeit, sodass von Fall zu Fall nachgesteuert werden kann.
 
Während die Bagger baggern, läuft der Schlitz gleich wieder zu. Es wird etwas freigeräumt und wieder geschlossen. Erde raus, Dichtwandmasse rein. Das ist das Prinzip, und so ist der Bau am Ende eingepackt, damit kein Grundwasser eindringt. Nicht von den Seiten, dafür sorgt die Schlitzwand. Und nicht von unten, weil es dort einen „natürlichen Stauer“ gibt, wie Simone Keil das ausdrückt. Ungefähr in 40 Metern Tiefe ist die Sohle so fest und undurchdringlich, dass nichts mehr passieren kann.
Das Erdreich dazwischen, zwischen natürlicher Sohle und dem 14 Meter tiefen Grund der Baugrube, wird während der Bauarbeiten nach und nach entwässert. „Das Restwasser leiten wir ab und pumpen es in den Stadtgraben“, erklärt Keil.
Baustelle Bahnhofsvorplatz -
Viel Technik, aber auch Handarbeit. (Frank Thomas Koch)

Die Schlitzwand bekommt ein Korsett, nicht bis ganz nach unten, das ist für die Statik nicht erforderlich, wohl aber auf der ersten Hälfte. 18 Meter lange Stahlträger, die dafür in die noch weiche Dichtwandmasse eingehängt und an der oberen Leitwand fixiert werden. Alles in allem sind das Arbeiten, die nach Darstellung der Bauleiterin bereits in den nächsten Wochen abgeschlossen werden können.

Während die Schlitzwand sozusagen eingegossen wird, ziehen die Arbeiter zwischendurch immer wieder Stichproben des Dichtwandmaterials. Es kommt auf die richtige Mischung an. Die Masse selbst, sie wird regelmäßig mit Tanklastwagen angeliefert, und dazu das Wasser, das in den drei Silos, die auf der Baustelle aufragen, hinzugefügt wird. In einem eigens eingerichteten Labor prüfen die Ingenieure, ob zu viel von dem einen oder dem anderen in der Masse enthalten ist. Auch das ein Prozess, in dem immer wieder nachgesteuert wird. Es sind insgesamt rund 10.000 Kubikmeter, schätzt die Bauleiterin, bis die Schlitzwand fertig ist.

Baustelle Bahnhofsvorplatz -
Baustellen-Panorama. (Frank Thomas Koch)

Ende November, so der Plan, soll mit dem eigentlichen Aushub begonnen werden. Ganz unten entsteht ein Geschoss, in dem die Technik untergebracht wird. Darüber zwei Untergeschosse, die als Parkdeck genutzt werden, zusammen sind das rund 300 Stellplätze, betrieben von der Brepark. Und darüber, immer noch unter der Erde, das Geschoss, in dem Rewe und Woolworth untergebracht werden. Simone Keil sagt „Basement“ dazu.

Bei Darstellungsproblemen mit dem Video, klicken Sie bitte hier.

Doch wie zwei Häuser hochziehen, 26 Meter hoch, wenn kein Platz für Kräne da ist? Sie können ja schlecht auf dem Herdentorsteinweg oder auf der Bahnhofstraße stehen. Auch nicht auf der Hochstraße oder den Gleisen der Straßenbahn vor dem Bahnhof. „Sie stehen mittendrin“, klärt Helmut Dietrich vom gleichnamigen Planungsbüro das Rätsel auf.

Dietrich ist der Chef von Simone Keil und hat das 100-Millionen-Euro-Projekt der Hamburger Achim-Griese Treuhandgesellschaft von Anfang an begleitet. Dreieinhalb Jahre, in denen es nicht so recht vorangehen wollte, bis Bürgermeister Carsten Sieling Ende August beherzt zum Spaten griff und den symbolischen Baustart vollzog.

Die Kräne also mittendrin, wie das? Vielleicht in den Innenhöfen? Die gibt es zwar, sagt Dietrich, und das ist logisch, denn woher käme sonst das Licht für die innen liegenden Zimmer? Sie reichen aber nicht bis zum Erdgeschoss. Die Lösung: „Wir werden die drei Kräne dort aufbauen, wo später die Aufzugsschächte sind“, erklärt der Planer.

Bremen Bahnhofsplatz Dudler
Die Dudler-Bauten als Modell. Unterschlagen wurde die Hochstraße, die im Hintergrund aufragen müsste. Die Ladenpassage zwischen den beiden Häusern führt auf den Herdentorsteinweg. (Tilman Burgert, FR)

Ende des Jahres 2017 sollen sämtliche Arbeiten abgeschlossen sein. Für das Haus, in dem die beiden Hotels untergebracht werden, vielleicht schon etwas früher. Die Betreiber des „Ibis budget“ und des Apartmenthotels „Adagio“ hatten angekündigt, im Herbst 2017 öffnen zu wollen.

Bis zum Hochbau ist es freilich noch ein bisschen was hin. Die Schlitzwand muss zunächst ihre Runde gedreht haben, bevor das eigentliche Buddeln beginnt. Und dann sind da ja noch die Bohrungen, 150 Meter tief. Löcher für die Leitungen, die benötigt werden, um der Erde Energie abzuzapfen, die Fachleute sagen Geothermie dazu. „Das müssen Sie sich als Zirkulation vorstellen“, erläutert Simone Keil, „wir holen die Wärme nach oben, leiten aber auch wieder welche nach unten ab.“ Das Baustellenrund wird dafür an den Rändern förmlich perforiert. 52 Bohrungen, alle sechs Meter, damit sie’s warm haben später oder kühl, je nachdem. In zwei Jahren, wenn alles gut geht.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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