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Kinderbuchautor liest in Bremer Schule
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Vorlesen für den Weltrekord

15.09.2015 0 Kommentare

(Petra Stubbe)

Für die Jungen und Mädchen an der Marie-Curie-Grundschule hat der Spaß gerade erst angefangen: eine Stunde lang wollen sie von Alex und seinem Abenteuer hören, das auf dem Dachboden hinter einer verborgenen Tür beginnt. Stefan Gemmel, der Erfinder der Geschichte „Im Zeichen der Zauberkugel“, spart dabei nicht mit Körpereinsatz, um die rund 300 Kinder in seinen Bann zu ziehen.

Für den Autor ist das hier Tag eins einer 80-teiligen Lesetour durch alle Bundesländer. Das Ziel: Gemmel will den eigenen Weltrekord brechen. Mit 80 Lesungen um die Welt – die schnellste Lesereise überhaupt ist das Ziel. Am 4. Oktober in Berlin steht fest, ob es geklappt hat.

Sechs bis acht Lesungen am Tag muss Gemmel schaffen, Bremen als Stadtstaat macht es ihm leicht. In Niedersachsen sind die Wege zwischen den verschiedenen Auftrittsorten länger. Dahin geht es am Nachmittag.

Doch noch ist Gemmel in der Curiestraße. Er springt und stampft von einem Bühnenrand zum anderen, zeigt auf die Illustrationen aus dem Buch hinter sich, während er die Geschichte von Alex vorliest. Er kennt sie längst auswendig, denkt man, denn die Stimme hebt und senkt sich an den richtigen Stellen, gewinnt an Tempo, um Spannungsbögen zu gestalten und um die Kinder in die Story zu ziehen.

Auf das Alter der Leserinnen und Leser muss er sich einstellen

Auf das Alter der Leserinnen und Leser muss er sich einstellen. Die Grundschüler der Curiestraße und die Fünftklässler von der benachbarten Wilhelm-Focke-Oberschule sind anders als an der Albert-Einstein-Schule oder der Oberschule Am Waller Ring, die auch noch zum Bremen-Programm gehören.

Dass die Lesung viel mehr ist als ein ausgeklügelter Werbeplan zur Verkaufsförderung eines Buches, liegt für Andrea Lehm-kuhl auf der Hand. Die Lehrerin hat mit ihrem Kollegenteam eine komplette literarische Projektwoche rund um das Thema Lesen auf die Beine gestellt.

Je nach Alter haben die Schülerinnen und Schüler Bücher des Autoren im Unterricht gelesen, Gespenster und Mumien gebastelt, Theaterstücke geprobt, gesungen und sogar einen Gespenstersalat zubereitet. Denn die Geisterwesen gehören zu den mystischen Geschichten Gemmels immer dazu.

„Es gibt viele Projektthemen für Mathematik, Naturwissenschaften, Musik oder Kunst, aber zum Thema Lesen habe ich bislang wenig Angebote gefunden. Da gibt es wenig Impulse“, sagt die Fachleiterin Deutsch. Als sie von dem Weltrekordversuch des Lesekünstlers erfuhr, bewarb sie sich deswegen mit ihrer Schule für das Projekt und ist sehr froh, dass es geklappt hat.

Erstklässler haben "richtig trainiert"

Damit auch die Erstklässler, die erst wenige Tage an der Schule sind, eine Stunde lang konzentriert zuhören können, „haben wir richtig trainiert“, erzählt Lehmkuhl. Jeder Schultag begann mit einer zehnminütigen Lesung. „Es war toll, den Morgen so zu starten“, sagt die Lehrerin. Außerdem haben die Klassen Audio- und Videobeiträge für einen sogenannten Klangteppich vorbereitet. Er wird am Ende der schnellsten Lesetour der Welt digital auf der Internetseite www.weltrekord-lesen.de zu erleben sein. Nutzer können dann die Orte der Tour anklicken und die unterschiedlichen, auch regional gefärbten Beiträge anhören.

Dass die Schüler die Projektwoche und das Lesen offenbar auch als große Bereicherung empfinden, ist am Morgen des Spektakels gleich zu spüren. „Vorlesen!“ rufen sie, als Gemmel die Bühne betritt, und sie gehen voll mit, als er all die Vorteile von Büchern aufzählt, die man beispielsweise zu langweiligen Verwandtenbesuchen mitnehmen oder nachts unter der Bettdecke mit der Taschenlampe lesen kann. Fast alle Hände gehen hoch, als der Autor fragt, wer so etwas schon gemacht hat. Es gibt viel Gelächter.

"Für die Stimme ist es eine Herausforderung"

Keine Frage, die temporeiche Show kommt an. „Für die Stimme ist es eine Herausforderung“, sagt Eva Pfitzner, Geschäftsführerin von der Leserattenservice GmbH, die Gemmel begleitet. Viel trinken muss er zwischendurch, sagt sie, während der Autor auf der Bühne die Geschichte weiter zum Leben erweckt.

„Man muss den Funken überspringen lassen“, sagt Andrea Lehmkuhl. Sie habe nicht die Erfahrung an der Schule gemacht, dass Kinder nicht lesen wollten: „Man muss nur gleich damit anfangen und das Buch etablieren.“ Um das zu erreichen, „darf es auch mal spektakulär sein“.


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
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