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Wie Bremer wohnen

CHRISTIAN WETH 27.07.2015 3 Kommentare

Bremer wohnen konservativ. Das sagt nicht nur die Statistik, das sagen auch Menschen, die sich mit dem Wohnen beschäftigten. Menschen wie Stefan Lehnert und Kai-Ole Hausen. Der eine ist Wohnforscher in Hamburg, der andere Referent der Arbeitnehmerkammer Bremen. Und beide plädieren dafür, dass die Stadt in ihrer Wohnungspolitik mehr Raum lassen sollte für sogenannte Baugemeinschaften. Für Leute, die sich zusammenschließen, um gemeinsam etwas zu schaffen. Weil die meisten Gruppen keine Häuser aus dem Katalog wollen, erhoffen sich Lehnert und Hausen mehr ungewöhnliches Wohnen. Denn das wollen immer mehr Menschen.

Mit Zahlen kann weder der eine noch der andere das belegen. Für Lehnert, der republikweit Regionen analysiert, und Hausen, der Bremens Infrastruktur bewertet, steht das trotzdem fest. Sie verweisen auf Befragungen von Bewohnern, die eingeflossen sind in Studien über Städte. Auch Bremen hat Lehnert, der für das Beratungs- und Forschungsinstitut Gewos arbeitet, untersucht. Im Bericht für dieses Jahr hat sein Team nicht nur festgestellt, dass die Stadt beim Neubau von Wohnungen mehr Tempo machen muss – 1300 müsse sie pro Jahr bauen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Sondern auch empfohlen, Baugemeinschaften mehr als bisher zu fördern. Lehnert: „Andere Städte sind viel weiter als Bremen.“

Im Ökodorf an der Lesum leben mehrere Menschen zusammen.
Im Ökodorf an der Lesum leben mehrere Menschen zusammen. (Kosak)

Zum Beispiel Freiburg, wo die Grünen das Bauen in Gemeinschaften ihm zufolge zur Tradition gemacht haben. Oder das rot-grün-regierte Hamburg, wo seit vielen Jahren bestimmte Grundstücke ausschließlich Menschen vorbehalten sind, die gemeinsam bauen wollen. Auch in Bremen regiert Rot-Grün. „Nur spielen Baugruppen dort keine so große Rolle wie in Hamburg“, sagt Lehnert. Dabei bringen sie nach seinen Worten viele Vorteile mit sich: Mit ihnen könne schneller neuer Wohnraum geschaffen und dem Wunsch nach mehr Individualität beim Wohnen Rechnung getragen werden. Für ihn gibt es kein anderes Thema, bei dem so viel Wert auf freie Entfaltung gelegt wird, wie beim Bauen.

Dennoch wohnen die meisten Bremer in Gebäuden, die sie nicht selbst gebaut haben. Und weil in Bremen das Reihenhaus dominiert, wohnen auch die meisten in einem. Ulrich Schewe vom Statistisches Landesamt hat die neuesten Zensusdaten, die von 2011, herausgesucht. Demnach gibt es in der Stadt 185 074 gereihte Häuser, wie es in den Tabellen heißt. Und 342 189 Frauen, Männer und Kinder, die in diesen Häusern wohnen. Auf Platz zwei folgt das Einfamilienhaus, von denen es 64 072 in Bremen gibt – und 122 210 Menschen, die in ihnen leben. Doppelhaushälften, Rang drei auf der Liste des Landesamts, gibt es 26 535. Für diesen Gebäudetyp haben sich 53 993 Bremer entschieden. Welche Wohnform zahlenmäßig zugelegt oder abgenommen hat, kann Schewe nicht sagen. „Die Wohntypen sind für den Zensus 2011 erstmals abgefragt worden.“

>> Teil 1 der Serie: Das Leben in der Wagenburg in Lesum

Lehnert bezeichnet die Bremer Wohnlandschaft als „klassisch“ und „typisch“, Kai-Ole Hausen sagt „Brot-und-Butter-Geschäft“ dazu. Ginge es nach dem Referenten der Arbeitnehmerkammer, gäbe es in Bremen deutlich mehr Platz für ungewöhnliche Bauprojekte. Vorhaben wie in der Neustadt, wo eine Genossenschaft ein Ökohaus gebaut hat, das selbst verwaltet wird. Wie an der Rudolf-Alexander-Schröder-Straße, wo Frauen und Männer im Alter von 32 bis 81 Jahren das „Haus am Fleet“ geschaffen haben.

Für Hausen sind die beiden Gebäude alles andere als von der Stange. Und zudem ein Beleg dafür, dass ungewöhnliches Wohnen nicht teurer sein muss als herkömmliches – sofern sich Bauwillige zusammentun. Bremen, sagt Hausen, muss sich mehr als bisher für solche Projekte öffnen. Thomas Czekjai arbeitet daran. Seit August 2013 ist er in der Baubehörde Koordinator für Baugemeinschaften, weil es von denen immer mehr gibt. Für einen Workshop Anfang des Monats hatten sich bei ihm 80 Bauwillige gemeldet, doppelt so viele, wie es Plätze gab. „Im Herbst gibt’s deshalb einen weiteren Arbeitskreis.“

Der WESER-KURIER stellt in einer Serie Menschen vor, die einen solchen Arbeitskreis nicht mehr brauchen, sie wohnen bereits anders: in einem Mehrnationenhaus, im Bauwagen, im Beginenhof, in einem Industriebau, in dem es für das Auto einen Fahrstuhl gibt. Oder in einem ganz normalen Reihenhaus, in dem sie ein Zimmer haben, für das sie keine Miete zahlen, sondern arbeiten. 


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Leserkommentare
K_ter_Lysator am 22.10.2019 09:14
Das die Verkehrssituation in Findorff (und auch andere Stadtteile) den Status "sub-optimal" nicht erreicht ist kein vom Freimarkt abhängiges Problem. ...
Wesersteel am 22.10.2019 09:04
Deutschland soll Soldaten/innen laut AKK nach Syrien schicken UND hier sitzen die jungen Syrer im trocknen - was verkehrte Welt !

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