Wetter: Regen, 10 bis 18 °C
Mietblocks in der Kohlmannstraße
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Winzige Wohnungen in idyllischer Lage

Silke Hellwig 24.08.2014 0 Kommentare

Kohlmannstraße - Horn Lehe - Architekturserie
Andrea Michalek-Ennen ist selber Architektin – und lebt im Haus von Max Säume und Günther Hafemann, die die bemerkenswerte Anlage in der Kohlmannstraße entwarfen. (Christina Kuhaupt)

Als „Junggesellenwohnungen“ wurde sie in den 50er-Jahren geplant und gebaut, heute wird die Wohnanlage in der Kohlmannstraße vor allem von Studenten genutzt. Die schlichten, aber raffinierten Gebäude stehen seit 1995 unter Denkmalschutz.

Die Kohlmannstraße, nahe beim Focke-Museum gelegen, ist ruhig, grün und kurz. Sie endet in einem Rondell mit einem mächtigen Baum in der Mitte. Zu seinen Seiten: Zweigeschossige Gebäude mit viel Glas, Licht und vielen winzigen Balkonen. Luftige Eingänge, helle Treppenhäuser, bunte Türen, ein kleiner Teich und alte Bäume – so etwas nennt man gemeinhin eine Idylle. Zudem ist die Anlage eine architektonische Glanzleistung, insbesondere im Spiegel ihrer Zeit: Diese Mietblocks bestechen durch schlichte Eleganz und eine durch und durch mieterfreundliche Planung. Die Wohnungen sind klein, rund 20 Quadratmeter, die Grünflächen groß. Fast 170 Junggesellen hätte man auch weniger freundlich unterbringen können, zumal während des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, als Wohnungen knapp waren. Geistige Väter dieser Anlage waren die Architekten Max Säume und Günther Hafemann, die später mit Ernst May auch die Pläne und Gebäude für die Gartenstadt Vahr entwarfen.

Schwärmerische Beschreibungen zu der Anlage in der Kohlmannstraße gibt es viele. Die Architektin Andrea Michalek-Ennen hat sich auf den ersten Blick in das Gebäudeensemble verliebt. Mit ihrer Familie kaufte sie das Haus, das fast wie eine Henne zwischen seinen Küken sitzt: das Wohnhaus der beiden Architekten. Sie sagt: „Es ist hier total grün, und ich liebe diese Großzügigkeit. Hier wohnt man auf engem Raum und hat dennoch seine Privatsphäre. Für seine Zeit ist diese Bauweise nicht nur innovativ, sondern auch visionär.“ Die Bauherrin der Anlage, die Gewoba, schreibt in ihrer Chronik: „Klare, helle, luftige, sich trotz ihrer glatten Begrenzungen gleichsam auflösende Baukörper inmitten eines alten, beim Bau geschonten Baumbestandes schaffen in dieser Wohnanlage eine wohl einmalige Nähe von Wohnen und Naturerleben.“ Und diese Zeitung beschreibt 1958 die Idee der Anlage: „Berufstätigen beiderlei Geschlechts“ sollten Wohnungen geboten werden, „bei denen sie sozusagen jeden Tag aus der Großstadt ,nach Hause in den Urlaub fahren’.“

Auch Hans-Albrecht Schilling ist voll des Lobs. „Das ist wahrscheinlich die schönste Anlage der Gewoba überhaupt“, sagt er. Der Bremer kennt viele solcher Mietwohnungsblocks – als Farbgestalter berät er Wohnungsgesellschaften in der ganzen Republik bei der Sanierung derartiger Objekte. Das tat er in den 50er-Jahren auch in der Kohlmannstraße. Er arbeitete mit Säume und Hafemann für die Gewoba. „Die beiden haben sich gut ergänzt, Hafemann war eher der Kreative, Säume eher der Kaufmann, der die Kontakte knüpfte und sich um Aufträge kümmerte.“ Säume und Hafemann gelten als „die beiden wohl produktivsten Architekten des Wiederaufbaus in Bremen“, sagt Professor Eberhard Syring vom Bremer Zentrum für Baukultur, der an der Hochschule Bremen Architekturtheorie und Baugeschichte lehrt.

Die beiden wohnten auch unter einem Dach, in eben jenem Haus, in dem seit 14 Jahren Familie Michalek-Ennen lebt. Das Wohnhaus mit angrenzendem Atelier entstand, nachdem die sogenannten Junggesellen-Wohnungen bezugsfertig waren. Das Architekten-Gespann hatte in den 20er-Jahren in Berlin studiert und gilt als von der Bauhaus-Philosophie inspiriert: klare, schmucklose Formen, flache Dächer – im Fall der Gebäude in der Kohlmannstraße sogenannte Pultdächer. Auch die Ausstattung der Wohnungen ist funktional. Einbauschränke, eine Nische fürs Bett. „Die Wohnungen waren frei finanziert und von Beginn an fast komplett eingerichtet, noch dazu mit ganz besonderen, fest eingebauten Möbeln“, heißt es in der Gewoba-Chronik. Die Miete betrug 55 Mark. Auch das Wohnhaus mit Atelier ist bemerkenswert und raffiniert geschnitten. „Es ist genial“, sagt Andrea Michalek-Ennen.

168 Menschen leben laut Hausmeister Otto Rode in den „Kleinstwohnungen“ der Gewoba, vor allem Studenten, aber auch Rentner. Die Nachbarschaft sei gut, zwischen den Generationen und den Nationen. Man achte aufeinander. Im Sommer sitzen die Bewohner vor den kleinen Wohnungen im Grünen zusammen. Eichhörnchen und Enten werden gefüttert. Man passe aufeinander auf, bestätigt auch Andrea Michalek-Ennen.

Es gab auch schlechte Zeiten in der Kohlmannstraße. 1988 wurde gar über den Abriss der Anlage nachgedacht. Der WESER-KURIER berichtete über die Probleme der Anlage mit den „begehbaren Kleiderschränken“, wie es heißt: Die Gebäude waren nicht wärmegedämmt, die Elektroheizungen trieben die Nebenkosten in die Höhe. Die Gewoba hielt an den fünf zweigeschossigen L-förmigen Gebäuden fest und sanierte sie. Das brachte ihr eine Würdigung vom Bund Deutscher Architekten in Bremen ein. Große Hoffnungen, in die „Parksiedlung“ ziehen zu können, kann man sich nicht machen. Aktuell gibt es laut Otto Rode keine leere Wohnung, aber viele Anfragen.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 18 °C / 10 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
darkstarbremen am 21.10.2019 19:36
Endlich ein richtiger Ansatz in der Ausbildung. Das ist sehr zu fördern. Und was wird mit den anderen Studiengängen in der Pflege in Bremen?
darkstarbremen am 21.10.2019 19:31
Inwiefern wurden denn die Gehälter der Pflege in Kliniken gedrückt? Der TVÖD Pflege in den Kliniken wurde nicht gesenkt. Das ist auch richtig so. Nur ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige