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Gebäudebesitzer offen für Anregungen
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Wirrwarr am Bremer Musicaltheater

Pascal Faltermann 15.02.2017 11 Kommentare

Musical Theater Richtweg
Das Musicaltheater wird nach derzeitigem Stand schließen. Der Eigentümer hat zwar neue Pläne für das Gebäude am Richtweg, bietet aber auch Gespräche über den Erhalt an. (Frank Thomas Koch)

Das Aus für das Bremer Musicaltheater mit dem derzeitigen Betreiber, der Agentur „Mehr! Entertainment“, ist beschlossene Sache. Ende des Jahres läuft der Vertrag aus und wird nicht verlängert. Zudem sieht alles nach einem kompletten Neustart am Richtweg aus. Der Abriss und ein anschließender Neubau stehen als sehr wahrscheinlich im Raum. Derzeit ist kein neuer Betreiber in Sicht, die Miete soll steigen, und eine Vertragsklausel macht die Sache zudem kompliziert.

Demnach geht der Stadt Bremen das Musicaltheater als Spielstätte verloren. Der Eigentümer der Immobilie, Rolf Specht, und der Betreiber schieben die Verantwortung dafür jeweils auf den anderen. Keiner will als Verlierer da stehen. Bremer Veranstalter suchen ebenfalls einen Schuldigen. Es gibt viel Theater ums Theater. Oder gibt es doch noch einen kleinen Hoffnungsschimmer? Gebäudebesitzer Rolf Specht signalisiert Gesprächsbereitschaft und erklärt, für Anregungen offen zu sein.

Gesprächsaufruf an die Politik

Der 64-jährige Unternehmer Specht möchte einen Gesprächsaufruf, auch an die Politik, senden, wie man das Musicaltheater erhalten könnte. Gerne würde er ein Treffen organisieren, für diejenigen, die sich ernsthaft vorstellen können, das Musicaltheater weiter zu betreiben. „Interessenten sollen sich einfach mal bei uns melden. Wir freuen uns über jeden Anruf", so Specht. Klar ist, dass Specht selbst kein Veranstalter ist.

Mehrfach verdeutlicht er, dass er auch keine Ambitionen habe, in das Geschäft einzusteigen. Als Besitzer der Immobilie benötigt er also einen Veranstalter, der den Spielbetrieb führt. Einen neuen Betreiber zu finden, gestaltet sich durch eine Vertragsklausel allerdings schwierig. "Es wird eine Konventionalstrafe fällig, wenn ein anderer Betreiber das Musicaltheater weiterführen möchte", sagt Specht im Gespräch mit dem WESER-KURIER.

Rolf Specht - Residenz-Gruppe
Gebäudebesitzer Rolf Specht (Christina Kuhaupt)

Im auslaufenden Vertrag mit Mehr! Entertainment“ soll diese Strafe, auch Pönale genannt, festgeschrieben sein. Solche Vertragsstrafen werden im Allgemeinen genutzt, um Verbindlichkeiten zu definieren. In diesem Fall heißt das: Besitzer Specht müsste eine Strafe zahlen, sollte sich jemand finden. „Die Strafe würde ich in Kauf nehmen, wenn es eine vernünftige Lösung zur Weiterführung gibt“, sagt Specht.

Für die rund 8000 Quadratmeter Fläche eine Miete von 9000 Euro zu zahlen, könne allerdings nicht funktionieren. „Ein bisschen mehr muss es schon sein. Für nur etwa einen Euro pro Quadratmeter ist die Miete nicht mehr möglich“, betont Specht. Und er fügt hinzu, dass nicht viel erforderlich sei, er wolle keine Wahnsinns-Rendite haben, aber eine marktübliche Miete.

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Außerdem müsse etwa eine halbe Million Euro in die Klimaanlage investiert werden. Das könne man machen, wenn ein Mieter monatlich ungefähr 25.000 Euro zahle. „Es wäre eine Kleinigkeit für Bremen, das vielleicht mit einer Summe zu begleiten und das Theater zu erhalten“, so Specht.

„Wir investieren lieber in Veranstaltungen“

Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz würde einen Verlust des Musicaltheaters sehr bedauern. „Ich schüttele den Kopf darüber, dass sich nicht alle Parteien an einen Tisch gesetzt haben“, sagt Emigholz. Sie kann nicht verstehen, dass jetzt nach der Politik gerufen werde.

Unterdessen gibt es keine öffentliche Klärung zwischen den derzeitigen Vertragsparteien, warum der Kontrakt nicht verlängert wurde. „Wenn sie es hätten weiter betreiben wollen, hätten sie es ja gar nicht verkaufen wollen“, sagt Specht. Maik Klokow, Geschäftsführer von „Mehr!Entertainment“, verweist darauf, man habe das Gebäude nur unter der Prämisse verkauft, dass man weiter als Betreiber dort Musicals organisieren kann. „Wir investieren lieber in Veranstaltungen als in Steine“, sagt Klokow. Darum habe man im vergangenen Jahr das Gebäude auch wieder verkauft.

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Die Unternehmensgruppe habe das Musicaltheater sechs Jahre betrieben, ohne dafür Hilfestellungen oder Subventionen von der Stadt zu bekommen. Die Besucherzahlen seien gestiegen, und am Ende habe man auch schwarze Zahlen geschrieben. Unter den gleichen Bedingungen hätte „Mehr!Entertainment“ also weitergemacht. Besitzer Specht müsse nur die Option ziehen und ihnen damit den Auftrag geben.

Abrisspläne werden konkreter

„Zu den bestehenden Konditionen würde ich verlängern“, sagt Klokow. Die Agentur „Mehr!Entertainment“ war zwischenzeitlich selbst Eigentümer des Musicaltheaters. Bis die Residenz-Gruppe das Gebäude kaufte, gehörte die Immobilie zwischen Bahnhof und Bremer City der Frankfurter Arend-Korn-Gruppe und der Mehr! Entertainment GmbH.

Da das Wirrwarr um Verträge und Mieten nicht nach einer einfachen Lösung aussieht, werden die Abrisspläne und der Bau von rund 100 Wohnungen am Richtweg immer konkreter. Das will Unternehmer Specht auch nicht abstreiten. Es gebe viele Interessenten, die dort gerne wohnen würden. Aber dann sagt er auch: „Es tut einem in der Seele weh, dass es abgerissen wird."

Natürlich sei dies sein Plan B gewesen, der aber noch nicht ausgearbeitet sei. „Wohnungen könnte ich auch an anderer Stelle bauen“, so Specht. Auch die Kino-Idee habe er noch nicht verworfen und bereits Gespräche mit einem erfahrenen Kino-Betreiber mit Spielstätten in Hamburg, Hannover, München oder Köln geführt. Ein hochwertiges Kino könnte man implementieren, dafür sei kein Abriss notwendig.

Belebung am Richtweg sei gewollt

Für einen Neubau müsse das Baurecht geklärt werden. An der höchsten Stelle am Turm sei das Gebäude 26 Meter hoch, so Specht. Dazu heißt es vom Sprecher der Baubehörde: Am Richtweg dürfen nach geltendem Bebauungsplan fünf Stockwerke gebaut werden, an der Seite am Grünenweg hingegen nur drei Stockwerke.

Wenn es höher hinaus gehen sollte, müsste der Plan geändert werden, und die Stadt hätte ein Mitspracherecht bei den Planungen. Eine Belebung der Bahnhofsvorstadt und vor allem am Richtweg sei von der Stadt gewollt, so der Behördensprecher.

Update vom 16. Februar, 16:50

Die Kulturbehörde legt Wert auf die Feststellung, dass das Musicaltheater im Verantwortungsbereich des Senators für Wirtschaft lag und liegt, so lange eine staatliche Finanzierung stattfand. Namentlich ist das die Hanseatische Veranstaltungsgesellschaft (HVG), die für das kommerzielle Veranstaltungswesen verantwortlich ist. Der Senator für Wirtschaft hat auch die wirtschaftliche Unterstützung zur Herrichtung des Gebäudes für einen Musicalbetrieb geleistet. Nach Auskunft der Senatorin für Finanzen wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich die mit Ende des Jahres 2019 auslaufende Verpflichtung aus der Gebäudesanierung bedient. Darüber hatte der WESER-KURIER hier berichtet.

Der Senator für Kultur ist demgegenüber also für den nicht-kommerziellen Bereich der Kulturförderung zuständig und insoweit nicht für ein mögliches Betreiberkonzept des Musicalstandortes am Richtweg. Wie berichtet gehört die Immobilie zum Unternehmensbereich von Rolf Specht. Nur er kann mit anderen Unternehmern Verträge abschließen.


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Leserkommentare
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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