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Kommentar über die Bremer Räterepublik
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Ambivalentes Erinnern

Helge Hommers 02.02.2019 0 Kommentare

Die Novemberrevolution zum Ende des Ersten Weltkriegs führt in ganz Deutschland zu Aufständen - auch Bremen ist davon betroffen.
Die Novemberrevolution zum Ende des Ersten Weltkriegs führt in ganz Deutschland zu Aufständen - auch Bremen ist davon betroffen. (Staatsarchiv Bremen)

Anfang 1919 steht die junge deutsche Republik vor einem Bürgerkrieg: Weil Linksradikale in Berlin den Umsturz wagen, beauftragt die sozialdemokratische Regierung rechte Militärs, die linken Abweichler niederzuschießen. Es ist ein fauler und blutiger Kompromiss zwischen neuen und alten Kräften, der in die Demokratie führt. Da ihm auch die Bremer Räterepublik zum Opfer fiel, war sich die regionale Geschichtsschreibung nach 1968 weitgehend einig: gute Revolutionäre, böse Reaktionäre. So einfach ist es aber nicht.

Die Verteidiger der Räterepublik kämpften am 4. Februar 1919 für eine bessere, weil gerechtere Welt. Für ihren Einsatz und ihr Opfer gebührt ihnen eine angemessene Würdigung. Doch sie waren keine Demokraten sondern Befürworter eines Systems, das in der Sowjetunion zur Diktatur Stalins führte. Sie riefen zum Widerstand auf, obwohl ihre Genossen bereits für den Parlamentarismus und gegen die Rätedemokratie gestimmt hatten.

Pietá-Denkmal
Mindestens 28 Verteidiger der Räterepublik verlieren beim Kampf um Bremen ihr Leben. Beerdigt werden die Leichen auf dem Friedhof in Walle.
Schnell mehren sich Stimmen, die ein Mahnmal für die Getöteten am Ort ihrer Ruhestätte fordern. Vor allem durch Spenden aus der Arbeiterschaft gelingt schließlich die Finanzierung des Revolutionsdenkmals, das auf Plänen des Bildhauers Bernhard Hoetger basiert.
Bildhauer Hoetger, der später unter anderem die Böttcherstraße gestaltet, entscheidet sich für eine expressionistische Skulptur. Sein Werk hat die Pietá zum Vorbild – die Darstellung Marias mit dem Leichnam ihres Sohnes Jesus Christus.
Hoetgers 4,50 Meter hohes Denkmal zeigt einen knochigen Sterbenden, der sich mit schmerzverzerrten Gesicht in den Schoß einer mutterartigen Gestalt lehnt. Diese betrauert seinen Verlust, kann ihm aber nicht mehr helfen. Im Jahr 1922 erfolgt die Einweihung des Revolutionsdenkmals.
Es sind schließlich die Nationalsozialisten, die das Denkmal bis zum Oktober 1933 vollständig zerstören. Auch die Gebeine der Toten lassen die neuen Machthaber verlegen, nichts soll mehr an den Kampf der linken Kräfte erinnern.
Die Pietá ist trotz ihrer Zerstörung nicht vollkommen aus dem Stadtbild verschwunden. Der Künstler Jürgen Waller, der auch das Lidice-Mahnmal verantwortet, bemalte Ende der 1970er-Jahre mit Studenten der Hochschule Bremen einen dreistöckigen Bunker im Pastorenweg in Gröpelingen.
Auf ihrem Gemälde erzählen sie die Geschichte der AG Weser und des Stadtteils Gröpelingen. Dazu gehört auch die Erinnerung an die Räterepublik, wie Waller sagt: „Das war ein großes historisches Ereignis“. Er und seine Studenten bauten daher auch die Pietá in das Gemälde ein. Die Abbildung zeigt, wie das Pieta-Denkmal von einem SA-Mann abgerissen wird.
Denkmal für die Gefallenen der Bremer Räterepublik
Selbst nach der Zerstörung der Pietà, suchten die Angehörigen der toten Arbeiter, den Ort zum Gedenken weiter auf. Jährlich am 4. Februar – dem Tag der Niederschlagung – fanden sich dort „Blumensträuße, die in aller Stille auf den Schandgedenkstein niedergelegt worden waren, als stummer Gruß der noch lebenden Antifaschisten“, wie es Zeitzeugen nach dem Ende der NS-Zeit berichteten.
Nach 1945 setzte sich der Ausschuss der Hinterbliebenen der Februarkämpfer für die Rückführung der Toten auf den Waller Friedhof ein – mit schnellem Erfolg. Ein neues Ehrenmal sollte daher bald folgen.
Es dauerte jedoch bis zum Februar 1972 ehe ein neues, abstraktes und – ebenso wie sein Vorgänger – etwa 4,50 Meter hohes Denkmal eingeweiht wurde.
Der Bildhauer Georg Arfmann hat das neue Ehrenmal geschaffen und mit drei übereinander lagernden Blöcken konzipierte.
So erinnert der unterste Block mit 29 aufgereihten, individuell gestalteten Säulen an die 29 Verteidiger, die beim Kampf um Bremen ihr Leben gelassen haben sollen. Zusammen bilden sie einen Block, der ihren solidarischen Einsatz verdeutlicht.
Auf ihnen liegt horizontal ein Fundament, das die demokratische Grundlage bildet, die den Fortschritt ermöglicht.
Diesen symbolisiert der oberste Block, der mit den in alle Richtungen weisenden und aus verschiedenen Formen bestehenden Steinen die Vielfältigkeit der aus dem Fortschritt entstehenden Gesellschaft symbolisiert. 
Fotostrecke: Diese Denkmäler erinnern an die Niederschlagung der Bremer Räterepublik

Anstatt die weitere Entwicklung abzuwarten, wollten sie die zweite Revolution erzwingen – was sich aber als Steilvorlage für die konterrevolutionäre Regierung erwies, mit harter Hand durchzugreifen. 100 Jahre später geht die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander, Gleichberechtigung ist noch nicht erreicht, die soziale Herkunft entscheidet weiterhin über Bildungserfolg. Die Erinnerung an die Niederschlagung der Bremer Räterepublik kann den heutigen Entscheidungsträgern eine Lehre sein.

Erfahren Sie in unserem Dossier mehr über die Ereignisse und Hintergründe zur Niederschlagung der Bremer Räterepublik. Hier geht es zu unserem Dossier.

Dossier über die Bremer Räterepublik
Als Bremer auf Bremer schossen
Dossier über die Bremer Räterepublik: Als Bremer auf Bremer schossen
Am 4. Februar 1919 gleicht die Bremer Innenstadt einem Schlachtfeld: Patronen und Scherben übersäen die Straßen, die Krankenhäuser sind von Verletzten und Toten überfüllt. Bürgerkriegsartige Zustände in Bremen – wie konnte es dazu kommen? Erfahren Sie in unserem Dossier mehr über die Ereignisse und Hintergründe zur Niederschlagung der Bremer Räterepublik. mehr »

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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
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