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Angst um die Zukunft auch in Lilienthal

Claas Peters 02.05.2019 0 Kommentare

Joschua, Schülersprecher der Integrierten Gesamtschule Lilienthal, kämpft in Bremen für eine bessere Zukunft.
Joschua, Schülersprecher der Integrierten Gesamtschule Lilienthal, kämpft in Bremen für eine bessere Zukunft. (Fotos: Claas Peters)

Zu wenig Umweltschutz und zu wenig Interesse der Politiker an den Problemen von morgen – das bringt junge Leute in Rage und auf die Straße. Weltweit demonstrieren Schülerinnen und Schüler freitags, um gemeinsam gegen den von Menschen verursachten Klimawandel zu protestieren.

In den Reihen der Demonstranten marschieren auch Schülerinnen und Schüler aus Lilienthal mit. Sie unterstützen die „Fridays for Future“-Bewegung in Bremen. Während manche Kritiker meinen, der Klimaschutz sei ein Thema für Profis, werden die Forderungen der Jugendlichen nur noch lauter.

Julia ging am Freitag zum ersten Mal nicht zur Schule, um in Bremen für eine bessere Zukunft zu demonstrieren. „Der Klimawandel ist das Topthema unter uns Jugendlichen“, so die 17-Jährige. „Es stimmt, dass der Klimawandel nur von Profis gestoppt werden kann. Das Problem ist nur, dass nichts getan wird.

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Dass Kinder auf die Straße gehen müssen, damit auf die Problematik erst aufmerksam gemacht wird, ist sehr traurig“, echauffiert sich die Schülerin der Integrierten Gesamtschule (IGS) Lilienthal. Die Politik müsse schleunigst agieren, damit die Verantwortlichen im Jahr 2030 nicht verkünden, dass es sowieso zu spät sei. „Deswegen müssen jetzt Lösungen her“, moniert Julia, die die weitgehende Zurückhaltung einer aus ihrer Sicht wie gelähmt wirkenden Politik nicht nachvollziehen kann.

Dass jeder Einzelne auch ganz ohne Verbote und Vorschriften der Bundesregierung seinen Beitrag für den Klimaschutz leisten kann, zeigt die 17-jährige Jasmin aus Worpswede. Sie ist die 13 Kilometer vom Gymnasium Lilienthal in die Innenstadt mit dem Fahrrad gefahren und appelliert auch an andere, öfter den Drahtesel zu nutzen und das Auto in der Garage stehen zu lassen. Sie selbst legt viel Wert auf einen klimafreundlichen Konsum:

„Ich versuche, möglichst wenig Produkte zu kaufen, die in Plastik verpackt sind.“ Ferner sei es wichtig, mit den Mitmenschen über die Herkunft und Herstellung der Waren zu sprechen. Vor allem Mädchen haben beim Thema Kosmetik die Möglichkeit, nachhaltig einzukaufen. „Ich persönlich verwende stets biologisch-abbaubare Naturkosmetik“, berichtet Jasmin.

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Der Protest am vergangenen Freitag bestand überwiegend aus jüngeren Menschen. Aber auch Eltern, Großeltern, Studierende und Passanten schlossen sich dem Demonstrationszug spontan an. Es war ein fröhlicher Tross aus lächelnden Menschen, die dasselbe bewirken möchten und für eine Zukunft kämpfen, die derzeit vielen Sorge bereitet.

Mit dem wohl bekanntesten Sprechchor: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns're Zukunft klaut“ ging es dann Richtung Bürgerschaft und Marktplatz, auf dem die Band Brass Riot aus Berlin die Redner mit musikalischen Einlagen unterstützte. Der Vorwurf der Kritiker, dass Schülerinnen und Schüler keine Lösungsvorschläge in petto haben, wurde schallend übertönt, als die Aktivisten auf dem Marktplatz ihre 15 Forderungen an die Politik präsentierten.

Auch Joschua, Schülersprecher der IGS Lilienthal, hat sich einige Gedanken zur Problematik eines schnell voranschreitenden Klimawandels gemacht. Von Verboten, zum Beispiel für die Herstellung von Verbrennungsmotoren, hält Joschua wenig. Auch bei der Produktion von Siliziumbatterien für Elektroautos, werde viel Kohlendioxid ausgestoßen. Das sei keine optimale Lösung. „Wasserstoffautos sind womöglich eine viel bessere Alternative.

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Wer sich damit auskennt, wird das schnell feststellen.“ Rund ein Drittel aller Lebensmittel landet weltweit im Müll. „In Südkorea gibt es ein ganz spezielles Abfall- und Recyclingsystem, durch welches Einzelverbraucher ihren Müll wohl um 30 Prozent, und Restaurants sogar um 40 Prozent reduzieren konnten.

Wir können uns da sicherlich etwas abgucken“, erzählt Joschua, der mit seinem kleinen Bruder schon in Hamburg an der „Fridays for Future“-Demonstration teilgenommen hat. Wiebke aus Worpswede ist beeindruckt von der Bewegung. Dass die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler oft des Schwänzens bezichtigt werden, findet sie schade. „Ich setze mich für eine bessere Zukunft ein, das ist alles. Würden wir das an freien Tagen machen, würde uns niemand ernst nehmen“, so die 17-jährige Schülerin der IGS Lilienthal.

Egal unter welchen Wetterbedingungen 

Die Teenager sagen denn auch nicht, dass sie die Schule schwänzen, sondern dass sie auf die Schule verzichten. Warum es neben all den Jugendlichen vergleichsweise wenig ältere Menschen unter den Demonstranten gibt, kann Wiebke sich nicht erklären. „Es ist schon komisch, dass wir viel präsenter sind als die Erwachsenen, obwohl der Klimawandel ein Problem ist, dessen Folgen auch die älteren Generationen noch miterleben werden.“

Später ist es das schlechte Wetter, das die meisten Demonstranten vom Marktplatz vertreibt. Zurück bleibt die Band und ein hüpfender Pulk aus hartgesottenen Schülern und Studenten. Junge Menschen, die ungeachtet von Wind und Regen auf der Straße tanzen, denn sie können den Stillstand einer Politik, von der sie sich im Stich gelassen fühlen, nicht länger ertragen.


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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...
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