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Interview mit Bernd Hirsch vom Bremer Airbe
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„Auf dem Weg zum Flugzeugmuseum“

Detlev Scheil 15.12.2018 0 Kommentare

"Interessante Objekte zum Präsentieren gibt es jedenfalls genug", Bernd Hirsch vom Verein Bremer Airbe.
"Interessante Objekte zum Präsentieren gibt es jedenfalls genug", Bernd Hirsch vom Verein Bremer Airbe. (Frank Thomas Koch)

Herr Hirsch, der Verein Bremer Airbe wurde 2015 gegründet, um das Erbe der Bremer Flugzeugindustrie zu bewahren und in die Öffentlichkeit zu tragen, damit es nicht vergessen wird. Dazu gab es in diesem Jahr eine Reihe von größeren Veranstaltungen. Sind Sie mit der Resonanz zufrieden?

Bernd Hirsch: Ja, die Besucherresonanz war erfreulich. Die wichtigsten Veranstaltungen waren ein Modellflug-Wochenende, ein Tag der offenen Tür beim Bremer Verein für Luftfahrt am Flughafen mit dem Schwerpunkt auf Schautafeln zur Geschichte des Neuenlander Feldes, eine Ausstellung in der Bremenhalle des Flughafens zur Condor FW 200 und eine Beteiligung am Tag der Sicherheit beim Klinikum Links der Weser in Kooperation mit dem Borgward-Oldtimerclub.   

Warum Kooperation mit dem Borgward-Club?

Wir haben dieses Jahr 60 Jahre Erstflug des Kolibri-Hubschraubers gefeiert. Es ist wenig bekannt, dass es in Bremen ein sehr frühes Anliegen des Firmenchefs Carl F. W. Borgward und des Flugzeugkonstrukteurs Henrich Focke war, diesen Hubschrauber in Serie zu bauen.

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Beim Condor-Wochenende in der Bremenhalle war sehr starkes Interesse von Jung bis Alt an der Geschichte des Flugzeugbaus spürbar. Und der Condor-Simulator für einen virtuellen Rundflug über Bremen begeisterte regelrecht. Haben Sie das auch so wahrgenommen?

Ja, das Echo war enorm. Es ist schade, dass dieses viermotorige Bremer Passagierflugzeug wenig in der Öffentlichkeit bekannt ist. Den Simulator haben wir mit Absicht auf die Condor zugeschnitten, um sie bekannter zu machen. Die Langstreckenflüge der Condor über den Atlantik vor 80 Jahren, nur zehn Jahre nach der Atlantiküberquerung der Junkers W33 „Bremen“, waren Glanzleistungen. Gerade in der Dekade von 1928 bis 1938 hat Bremen in der Luft- und Passagierschifffahrt enorm viel für die transatlantische Annäherung geleistet.  

Doch diese Pionierleistungen drohen allmählich in Vergessenheit zu geraten, weil das Thema Raumfahrt in den Vordergrund drängt. Wie ließe sich das ändern?

Ja, Bremen ist derzeit sehr gut positioniert in der Raumfahrtsparte, deshalb ist die Raumfahrt ein dominantes Thema, das nicht infrage gestellt werden darf. Aber es sollte nicht vergessen werden, dass die Raumfahrt eine Tochter der Luftfahrt ist und dass gerade auch Bremen ein historischer Ort ist, in dem die Luftfahrt ihre Anfänge hatte. Dem Verein Bremer Airbe geht es darum, die Luft- und Raumfahrtgeschichte stärker zu vermitteln und erlebbar zu machen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Unter anderem möchte der Verein Bremer Airbe für interessierte Schulen Unterrichts- und Erlebnisbeiträge zum Thema Luftfahrt liefern und hat deshalb einen Dialog mit dem Bildungsressort begonnen. Einerseits sollen Grundlagen der Fliegerei als Beispiele für Mint-Fächer vermittelt werden. Zum anderen soll bei Exkursionen zum Beispiel zum Flughafen die Praxis gezeigt werden. So soll natürlich auch Neugierde für die vielfältigen Berufe am Airport geweckt werden.

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Wie sind diese Angebote angelaufen?

Begonnen hat es in der Grundschule am Buntentorsteinweg, aber wir möchten künftig auch in Oberschulen und Berufsschulen gehen. Seit Oktober arbeiten wir mit der Oberschule in der Helgolander Straße zusammen, wo sich inzwischen eine Arbeitsgemeinschaft Luftfahrt gegründet hat. Das Interesse ist also da und sicherlich ausbaufähig. Wir haben ein Faltblatt mit Informationen für interessierte Schulen aufgelegt.

Könnten weitere Schulen dazukommen?

Wir sind dabei, uns dafür zu wappnen. Das Bildungsressort hat signalisiert, dass zukünftig zum Beispiel der Campus der Wilhelm-Kaisen-Oberschule zusammen mit der Helene-Kaisen-Grundschule ein nächster Partner sein könnte. Das Gymnasium Vegesack könnte auch infrage kommen.

Wie steht es um die Absicht des Vereins Bremer Airbe, ein Flugzeugmuseums in Bremen zu gründen?

Interessante Objekte zum Präsentieren gibt es jedenfalls genug. Wir haben noch einen in Bremen entwickelten Senkrechtstarter vom Typ VAK 191B auf dem Airbus-Gelände. Wir haben den Passagierjet VFW 614 und eine Focke-Wulf-Stieglitz, das weltweit erfolgreiche Kunstflug-Flugzeug aus Bremen. Die Stieglitz war früher in der Bremenhalle, wurde dann aber nach Paderborn gegeben und könnte zurückkehren.

Aber der letzte Stand zur VFW 614, die Airbus gehört, lautete doch, dass sie zur Airbus-Museumswiese nach Hamburg-Finkenwerder überführt werden soll.

Dort, wo sie jetzt auf dem Bremer Airbus-Gelände steht, ist sie im Weg. Die Bemühungen des Vereins „Freundeskreis der VFW 614“, einen Ersatzstandort zu finden, waren bisher nicht von Erfolg gekrönt – zumal es vom Flughafen bisher keinerlei Unterstützung gab. Wir wollen jedoch die VFW 614 unbedingt in Bremen behalten, das ist uns sehr wichtig.

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Warum?

An diesem komplexen Industrieprodukt lässt sich der Übergang von analogen zu digitalen Verfahren und Lösungen erläutern, weil es in seinem Lebenslauf zwei Entwicklungsstände verkörpert hat. Mit Blick auf das Großraumflugzeug Airbus A 380 wurde ab 1995 ein fortschrittliches elektronisches Drei-Achs-Flugsteuerungssystem entwickelt, das zunächst in die hier verbliebene und dafür völlig entkernte VFW 614 ATD eingebaut und bis 2001 mit gutem Erfolg erprobt wurde. Anhand dieses Exemplars kann auch anschaulich erläutert werden, welche zukunftsrelevanten Berufsgruppen am Flugzeugbau beteiligt sind.

Woher rührt nun Ihr Optimismus, dass die VFW 614 in Bremen bleibt?

Wir gehen davon aus, dass es wegen der hohen Transportkosten einer Überführung nach Hamburg noch Chancen für den Verbleib in Bremen gibt. Auch gibt es mit dem Geschäftsführer Elmar Kleinert einen neuen Gesprächspartner in der Flughafenleitung, der in seinem erfahrungsreichen Werdegang bewiesen hat, dass ihm die Geschichte der Luftfahrt ein Anliegen ist. Vor seiner Station in Berlin hatte er den Flughafen Paderborn betreut und dort zusammen mit der Quax-Pilotenvereinigung ein lebendiges Luftfahrtmuseum aufgebaut. Über 20 interessante und flugfähige Oldtimer-Flugzeuge sind dort versammelt. In einem ersten Gespräch hat Herr Kleinert uns versichert, dass er bereit ist, seine Erfahrungen aus Paderborn in Bremen einzusetzen.

Ist das dann der konkrete Anfang Ihres ersehnten Flugzeugmuseums in Bremen?

Ja, wir hoffen, dass der Weg zu einem Bremer Luft- und Raumfahrtmuseum nun beschritten werden kann. Um nicht falsch verstanden zu werden: Wir sprechen nicht von einem teuren Neubauprojekt, sondern wir gehen davon aus, dass es am Bremer Flughafen Örtlichkeiten gibt, wo man mit den schon vorhandenen Dingen beginnen könnte, die Sammlung aufzubauen.

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...und damit beginnen, Besucher für die Bremer Luftfahrtgeschichte zu begeistern?

Ja. Gerade auch für Schulen, auf die wir nun zugehen, könnte das ein interessanter Anschauungsort sein, wo Schülergruppen empfangen und informiert werden, ehe sie weiter auf Besichtigungstour im Flughafenbereich gehen. Mit Airbus, OHB, Atlas Air Service, der Bundesanstalt für Flugsicherung und der Flugschule des Bremer Vereins für Luftfahrt beispielsweise gäbe es dafür Partner, die Interessantes vorzuzeigen haben.

Das Gespräch führte Detlev Scheil.

Zur Person

Bernd Hirsch

ist emeritierter Professor für Produktionstechnik an der Universität Bremen und ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins Bremer Airbe, der das Erbe der Bremer Luftfahrtindustrie bewahren will.


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linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

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