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Aus Liebe zum schwarzen Plastik

Pascal Faltermann 22.07.2019 0 Kommentare

Ohne Plattenladen im Viertel ging es für sie nicht weiter: Marc Braun (l.) und Guido Gulbins eröffnen Black Plastic Bremen.
Ohne Plattenladen im Viertel ging es für sie nicht weiter: Marc Braun (l.) und Guido Gulbins eröffnen Black Plastic Bremen. (Christina Kuhaupt)

Das Viertel ohne einen reinen Plattenladen – damit konnten sie sich nicht abfinden. Marc Braun und Guido Gulbins wollten nicht darauf verzichten: auf das Stöbern, Diskutieren, auf den Austausch mit anderen Musiknerds. Nachdem mit dem Plattenladen Ear im Januar eine Institution im Steintor seine Türen geschlossen hatte, entstand ein Vakuum in der östlichen Vorstadt. Vinyl, das schwarze Gold, bestimmt das Leben der beiden Männer. Deswegen ließ sie der Gedanke, einen eigenen Laden aufzumachen, nicht los.

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Sie sprachen mit Freunden, Kollegen und Bekannten, sie suchten nach passenden Räumlichkeiten, knüpften Kontakte und suchten Partner. Die Leidenschaft, die Liebe zu den Schallplatten und der Musik trieb sie dabei mehr an, als ein Businessplan, den sie aber trotzdem aufstellten. Nun ist es soweit: Am Sonnabend, 27. Juli, eröffnen sie mit Remmidemmi und Brimborium am Dobben 69 in unmittelbarer Nähe zur Sielwallkreuzung Black Plastic Bremen – 6000 Platten, drei DJs und zwei „Allstar“-Bands stehen an dem Tag bereit. Als Partner haben Braun und Gulbins den Dortmunder Valentin Gube an ihrer Seite, der einen gleichnamigen Laden seit Jahren in der Stadt im Ruhrpott betreibt.

Marc Braun beschäftigt sich fast sein ganzes Leben lang mit Schallplatten. Der dreifache Familienvater fing neben seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in dem Plattenladen El Pie in Delmenhorst im Jahr 1985 an bei Ear zu arbeiten. Jenes Bremer Musikgeschäft, das der mittlerweile verstorbene Bernd Link 1972 zuerst Am Dobben 82 eröffnet hatte – direkt gegenüber von dem jetzigen neuen Laden.

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Auch so schließt sich eine Geschichte. Braun zog es 1995 nach Portugal, wo er in Lissabon selbst eigene Läden – Godzilla und später King Size Records – eröffnete. Heute verkauft Braun Schallplatten im Online-Handel, womit er auch seine Familie finanziert. Aus diesem Grund kann er selbst auf einen großen Fundus an Schallplatten in mehreren ­Lagern schauen, privat besitzt er etwa 10 000 Schallplatten, darunter eine ausgewählte Jazz-Sammlung. „In erster Linie bin ich Musikfan. Ich behalte und höre eine richtig gute Platte lieber, als sie unbedingt zu verkaufen“, sagt Marc Braun.

Als Discjockey unterwegs

Sein Compagnon Guido Gulbins hat ebenfalls einen beachtlichen privaten Plattenbesitz angesammelt: Rund 5000 LPs und knapp 6000 Singles besitzt er laut eigenen Angaben. Der Referent in der Schulaufsicht der Bildungsbehörde hat zwar noch nicht als Verkäufer gearbeitet, der Erfahrungsschatz ist aber vorhanden. Gulbins ist seit Jahren in sämtlichen Kneipen Bremens unterwegs und legt als DJ auf. Zudem organisiert der zweifache Vater die nicht-kommerzielle Plattenbörse Halbstark in unterschiedlichsten Locations in Bremen. „Als wir von dem Gerücht gehört haben, dass Ear dicht machen wird, war uns sofort klar: Das geht gar nicht“, sagt Gulbins.

Was anfangs eine verrückte Idee gewesen sei, wurde schnell konkreter. Den beiden Musikliebhabern sei aber auch klar gewesen, dass sie jemanden mit ins Boot holen wollten und sprachen den Dortmunder Black-Plastic-Chef Valentin Gube an, der sowieso ein bisschen in Bremen verliebt sei.

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„Wir haben ihn dann am Tresen verhaftet“, sagt Gulbins. In der Viertel-Kneipe Maerz überredeten Marc Braun und Guido Gulbins den Dortmunder, eine Dependance in Bremen zu eröffnen – und Gube war sofort im Boot. Denn: Nur ein großer Plattenladen in einer Stadt wie Bremen sei einfach zu wenig. ­Zusammen mit Karin Take von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) gingen sie dann auf die Suche nach einem passenden ­Laden. „Wir haben uns echt viele angeschaut“, sagt Gulbins. Gefunden haben sie nun den 35 Quadratmeter großen Verkaufsraum am ­Dobben.

„Ein Plattenladen ist keine Goldgrube“, weiß Marc Braun. Aber er müsse so viel abwerfen, dass zumindest die Kosten gedeckt seien. Viel wichtiger ist den beiden aber, dass es wieder einen Platz für Musikfreaks, für Plattenliebhaber, für Sammler und Kulturinteressierte gibt. „Vielleicht ist das was für ­Sozialromantiker, aber wir wollen hier auch einen Raum schaffen, damit über Musik und Platten gesprochen werden kann“, sagt Guido Gulbins.

Betreiber versprechen faire Preise

Das Geschäft werde ein reiner Vinyl-Laden, sagen die beiden Betreiber. Anbieten wollen sie eine große Mischung aus allen musikalischen Genres. „Wir haben den Vorteil, dass wir durch Black Plastic in Dortmund und unseren eigenen Bestand auf ein riesiges Repertoire zurückgreifen können“, sagt Braun. Zudem haben die beiden schon zahlreiche Platten eingekauft. „Wir kaufen so ziemlich alles an Second-Hand-Platten an und machen faire Preise“, sagt Gulbins. Natürlich könne man auch jede Platte bestellen. Ganz gleich ob gebraucht oder neu – die Platten werden alphabetisch sortiert. Da stehe die 100-Euro-Scheibe auch mal neben der Gebrauchten für drei Euro. Auf jeden Fall werde es eine Bremer Ecke geben mit Platten von Bands, Künstlern und Labels aus der Stadt. Und auch Konzerttickets werden verkauft.

Mit den anderen Viertelläden, die in kleinerem Rahmen Vinyl anbieten, wolle man freundschaftlich zusammenarbeiten. „Wir wollen uns gegenseitig bereichern“, sagt Gulbins. So empfehle man Kunden gerne auch beispielsweise das Studio Illegale, den Golden Shop oder das Rockland im Viertel.

Weitere Informationen

Black Plastic Bremen öffnet an sechs Tagen in der Woche. Montag bis Sonnabend von 11 bis 19 Uhr und am Donnerstag bis 20 Uhr. Bei der ­Eröffnungsfeier am Sonnabend, 27. Juli, werden die DJs The Amazing Singer Man (Halbstark – Rock ’n’ Roll & Trash), Alexander Wunder und Hanno HNO auflegen. Abends spielen die Bands The Rabble Rousers (Bill Collins & Elf von ­Slime) und Lord Super (Guido Bolero & ­Andreas ­Wolfinger).


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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