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Holpern und stolpern am Hauptbahnhof
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Barrierefreiheit rund ums City Gate in Bremen ist eingeschränkt

Justus Randt 23.06.2019 0 Kommentare

Viel Fläche, große Unsicherheit -
Viel Fläche, große Unsicherheit - "Wo ist eigentlich vorgesehen, dass am Bahnhof Radfahrer fahren?", fragt sich WESER-KURIER-Leserin Annabell Karbe. "Das ist chaotisch, man muss sich durchschlängeln, ich hoffe, das ändert sich." (Christina Kuhaupt)

An manchen Ecken rund ums City Gate stehen noch die Schuttcontainer. Es ist noch nicht alles fertig auf dem neugestalteten Areal am Bahnhof. Aber schon jetzt zeichnen sich Stolperstellen ab, an denen das Fortkommen für viele nur holprig vonstattengeht.

Annabell Karbe, Hausleiterin im Stiftungsdorf Rönnebeck, sind Problemstellen an Fußgängerüberwegen aufgefallen. Und sie hat den Eindruck, dass viele Radfahrer am Bahnhofsplatz offenbar nicht erkennen, wo sie langfahren sollen. „Ich habe die Senioren gedanklich immer mit dabei”, sagt sie. „Nicht alle Menschen hören gut, nicht alle haben ein schnelles Reaktionsvermögen.“ Dabei denkt Annabell Karbe „auch an Kinder, an die Klientel, die nicht immer klaren Kopfes am Bahnhof unterwegs ist, und an hektische Reisende“, denen „extrem kritische Situationen“ drohten.

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Zum Beispiel an Überwegen, die es trotz Ampel für Fußgänger in sich haben können. Martin Stellmann, Sprecher des Amtes für Straßen und Verkehr, weiß, dass „verkehrliche Änderungen“ ihre Tücken bergen. „Das ist wie mit Trampelpfaden, die man plötzlich verlassen soll.“ So müssten sich Autofahrer an einigen Stellen erst wieder daran gewöhnen, dass nach zwei Jahren Bauzeit auf einmal wieder Fußgänger die Straße queren.

Joachim Steinbrück, der Bremer Landesbehindertenbeauftragte, kann diverse Schwachstellen benennen – von der Stolperkante am City Gate bis hin zum Blindenleitsystem, das auf einer Straßenseite zuverlässig zum Überweg führt – und auf der anderen Seite im Nichts endet, wie zwischen Bahnhofsplatz und An der Weide. Da treffen neue Lösungen auf alte Probleme.

Lücke im System

Stolperstelle für Blinde vor dem Hauptbahnhof.
Stolperstelle für Blinde vor dem Hauptbahnhof. (Christina Kuhaupt)

Dem Blindenleitsystem, das auf dem Bahnhofsplatz um einen Mast herum führt, fehlen ein paar Platten an der Flanke. Während sein Blindenstock ohne Unterbrechung durch die Rillen geführt wird, muss Joachim Steinbrück als Fußgänger hier mächtig aufpassen: „Da bin ich neulich aus der Bahn geflogen“, sagt er. Gut, dass das zur Sprache kommt, auch wenn nichts passiert ist.

Auf dem Platz sei es auch schon vorgekommen, dass Marktstände das Blindenleitsystem blockieren – nicht alle haben immer die Probleme Blinder im Blick. Aber auch Steinbrück hat sich schon verschätzt: „Ich habe damals zugestimmt, das alte graue Leitsystem aus Kostengründen nicht zu beseitigen. Ich dachte, das ist so schlecht, das stört keinen. Aber jetzt kommt es schon manchmal zu Irritationen, wo beide Systeme zusammentreffen.“

Vorsicht, Bahnsteigkante

Lange Bahnsteigkanten ohne Absenkung zum Überqueren.
Lange Bahnsteigkanten ohne Absenkung zum Überqueren. (Christina Kuhaupt)

Nachdem vor wenigen Jahren die Straßenbahn- und Bussteige umgestaltet worden sind, „sind die Haltestellen extrem lang geworden“, sagt Joachim Steinbrück. Zwei Straßenbahnzüge und ein Omnibus finden hintereinander Platz. Das hat auch Nachteile. Zum Beispiel werden die Wege länger. „Es gibt eine Diskussion darüber“, so Steinbrück, „dass die Bordsteinabsenkung, die bisher immer in der Mitte des Bahnsteigs war, verschwunden ist.“

Rollstuhlfahrer, Rollatorbenutzer und Menschen mit Gehbehinderung müssten wegen der langen Bahnsteige ohne Querungshilfe große Umwege in Kauf nehmen. „Auch wenn die Furt natürlich meistens durch Bahnen oder Busse blockiert war.“ Steinbrück hat Verständnis für die Bremer Straßenbahn AG, die „Sorge wegen möglicher Stürze durch die Absenkung“ gehabt habe. „Sie hat aber auch zurückgemeldet: Wir prüfen das.“

Viel los hier

Unübersichtliche Lage: viel Verkehr auf engem Raum.
Unübersichtliche Lage: viel Verkehr auf engem Raum. (Christina Kuhaupt)

Viel Verkehr auf wenig Raum am Fußgängerüberweg von der Straße An der Weide zum City Gate und zum Bus- und Straßenbahnsteig A. Wenn sich dort Straßenbahnen, Busse und Autos in Stoßzeiten gegenseitig in die Quere kommen, versperren sie den Fußgängern den Weg.

Die ohnehin schon „unübersichtliche Situation“ werde dann noch komplizierter und gefährlicher, meint WESER-KURIER-Leserin Annabell Karbe, zumal auch Fahrradfahrer an dieser Stelle, „wie überhaupt auf dem gesamten Bahnhofsplatz“, offenbar nicht erkennen könnten, wo es für sie langgeht. Martin Stellmann vom Amt für Straßen und Verkehr ist bewusst, dass es sich um einen „von vielen Verkehrsträgern sehr stark frequentierten Bereich“ handelt. Aber nur, weil es mal eng werde im Zentrum der Stadt, laufe nicht gleich etwas falsch.

Absturz unter der Arkade

Absturz- und Stolpergefahr unter der City-Gate-Arkade.
Absturz- und Stolpergefahr unter der City-Gate-Arkade. (Christina Kuhaupt)

Die City-Gate-Arkade, parallel zum Bus- und Bahnsteig A, birgt auf – nahezu – ganzer Länger eine riskante Schikane in Gestalt einer bordsteinhohen Kante. „Darüber gab es eine intensive Diskussion, ich kann nur sagen, der Ortsbeirat und ich haben das kritisiert“, erinnert sich Joachim Steinbrück an die Planungsphase. Die Bauherren, sagt er, hätten zu bedenken gegeben, müsse man sonst innerhalb des Gebäudes einen Höhenversatz bauen.

Da, wo sie ist und wie sie gestaltet wurde, stellt die Stufe eine ernste Stolpergefahr dar, es ist bereits zu Stürzen gekommen. Für Steinbrück ist klar: „Eine visuelle Markierung wäre zwingend notwendig.“ Für den sogenannten Leuchtdichtekontrast visueller Informationen für Sehbehinderte gibt es eine eigene Industrienorm. Auch wer nicht sehbehindert ist, profitiert von der Eindeutigkeit der Markierung.

Abbieger und Überflieger

Vorsicht vor abbiegenden Autos am reaktivierten Überweg.
Vorsicht vor abbiegenden Autos am reaktivierten Überweg. (Christina Kuhaupt)

Rund zwei Jahre lang war der Übergang zwischen Herdentorsteinweg und Bahnhofsplatz dicht. Jetzt steht der City-Gate-Komplex, und der Überweg führt mitten hindurch. Gelbe „Schutzblinker“, wie Martin Stellmann sagt, zusätzliche Hinweisschilder und demnächst auch eine erneuerte Furtmarkierung sollen den Fußweg unter der Hochstraße hindurch sicherer machen. Stellmann spricht von „bedingt verträglichen Abbiegeverkehren“ und weiß: Dort ­„ignorieren einige Autofahrer ihre Sorgfaltspflicht beim Abbiegen“. Annabell Karbe war „entsetzt“ von der Situation und begrüßt, dass nachgebessert wird.

Leitsystem mit Abfluss

Das Blindenleitsystem wechselt am City Gate von hell auf dunkel.
 
Das Blindenleitsystem wechselt am City Gate von hell auf dunkel.   (Christina Kuhaupt)

Darüber, wie Blinde und hochgradig Sehbehinderte durch die Passage hindurch geleitet werden sollen, ist lange gesprochen worden“, sagt Joachim Steinbrück, der als Behindertenbeauftragter an Verkehrsvorhaben beteiligt ist. Wegen der Gastronomie rechts und links im City-Gate-Durchgang sei die zentrale schwarze Entwässerungsrinne ins Blindenleitsystem integriert worden. „Das hätte hell sein müssen, wie für stark Sehbehinderte vorgesehen“ und wie es einheitlich im gesamten taktilen System rund um den Bahnhof durchgehalten ist. „Damit konnte ich mich nicht durchsetzen.“


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Leserkommentare
Lemurer am 23.10.2019 10:41
Noch nicht gemerkt? Die redaktionelle Qualität der WK Artikel hat bald Bild-Zeitungsniveau erreicht.
Lemurer am 23.10.2019 10:39
Dem Mann ist also ein realer Terrorakt mit evtl. Toten lieber als ein Fehlalarm? Soll er seine Tochter ruhig von der Schule nehmen.
Oder ...
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