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Die Zauberflöte als Produktion der HfK
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Beam me up, Pamina!

Sigrid Schuer 10.07.2019 0 Kommentare

Die drei Damen Isabelle Marie Serafin (von links), Anna Joelle Cooks und Johanna Thomanek ­sorgen sich um den am Boden liegenden Prinzen Tamino (Felix Heuser).
Die drei Damen Isabelle Marie Serafin (von links), Anna Joelle Cooks und Johanna Thomanek ­sorgen sich um den am Boden liegenden Prinzen Tamino (Felix Heuser). (Roland Scheitz)

Die Künstlergarderobe im Theater am Leibnizplatz ist ein einziger Farben- und Formenrausch. Während Dirigent Stefan Veselka auf der Vorderbühne „Die Zauberflöte“ probt, schneit Dongfang Xie alias Papageno herein, auf dem Rücken sozusagen ein Notfall-Kit, einen Rucksack in transparentem Plastik. Um seinen Hals hängt eine Panflöte. Noch ist der junge Bariton in Zivil, sein rosefarbenes Bühnenkostüm mit poppig orangefarbenem Aufdruck hängt an der Stange. Und auch die schwarzen Haare sind noch nicht blond im Stil eines Korea-Popstars eingefärbt. Die Sommersemester-Abschluss-Produktion der Hochschule für Künste ist schon etwas ganz Besonderes.

Denn Professor Kai Lehmann, dem künstlerischen Leiter Kostümbild und Video, ist es gelungen, die finanziellen Mittel einzuwerben, damit sein elfköpfiges Studierenden-Team des integrierten Designs und des Masterstudios Mode, Mensch und Gesellschaft zum ersten Mal seit vielen Jahren die kompletten Kostüme für das interdisziplinäre Projekt der „Zauberflöte“ kreieren kann. Premiere ist am Freitag, 12. Juli, um 19.30 Uhr in der Bremer Shakespeare-Company.

Mozarts vorletzte Oper ist in der Version von Regisseur Gregor Horres eher futuristisch angelegt. Die Impulse für dieses Regie-Konzept mit der ganz besonderen Ausstattung kamen nicht zuletzt aus der Studierendenschaft. „Gregor Horres ist da sehr offen“, betont Livia Honus. Sie stattet zum ersten Mal eine Opernproduktion aus und hat gleich beim ersten Mal Feuer gefangen. Das Besondere an Bühnenkostümen sei, dass es gelte, dem Ensemble ein Höchstmaß an Beweglichkeit zu ermöglichen, so Honus. Wie sagte es doch gleich Karl Valentin: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit!“

Das können sie und ihre Kommilitoninnen nur bestätigen, seit März haben sie ununterbrochen an den Kostümen gearbeitet. Denn Prinz Tamino wird in einem silberfarbenem Astronautenanzug in eine ihm fremde Welt gebeamt, in der der Zauberer Sarastro, hier ein Wissenschaftler in durchsichtigem Overall, beabsichtigt, in seinem Labor den idealen Menschen zu erschaffen. Pamina und Tamino müssen schließlich sprichwörtlich miteinander durch Feuer und Wasser gehen, um diesem Ideal entsprechen zu können. Ursprünglicher Auftrag von Tamino war es, die Tochter der Königin der Nacht, Pamina, die von Sarastro entführt worden ist, zu befreien. Felix Heuser, Masterstudent und Absolvent im Fach Gesang bei Professor Thomas Mohr singt mit tenoraler Strahlkraft die Auftrittsarie des Tamino: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön, wie noch kein Auge je gesehen“. Denn der Astronauten-Prinz verliebt sich vom Fleck weg in Pamina. Die aber ist in ihrem blütenweißen, steifen Reifrock gefangen in starren Konventionen, kann sich erst im Verlauf der Handlung daraus lösen und erscheint schließlich auch im Raumfahrer-Overall.

Der weiße Guckkasten-Bühnenbild-Entwurf von Heike Neugebauer, Ausstattungsleiterin der Bremer Shakespeare-Company, dient als Folie für die abstrakten Feuer- und Wasser-Videosequenzen von Anna-Katharina Rupp. Blickfang sind eindeutig die Kostüme. Wie die der drei Knaben, wattierte Anzüge in knalligem Neongelb, auf die die Studentinnen eine Vielzahl Augen per Hand im Siebdruckverfahren aufgebracht haben. Auch wenn sich Tamino mit den drei Knaben lässig abklatscht, sie haben ihn stets im Blick, und niemand weiß so genau, auf wessen Seite sie eigentlich stehen. Auf der der Königin der Nacht oder ihres Antagonisten Sarastro? Für Sabrina-Nadja Reidt, die die vertrackten Koloraturen der sternflammenden Königin zu singen hat, ist indes ganz klar, wer hier gut und wer hier böse ist. „Die Rache-Arie macht mir wirklich Spaß“, betont die Sopranistin, die ganz nebenbei auch noch eine talentierte Jazz-Sängerin ist.

Denn schließlich, fügt sie erfrischend unverblümt hinzu, sei die Königin der Nacht von ihrem Ehemann Sarastro „ja verarscht“ worden. Nun müsse die sternflammende Königin damit klarkommen, dass ihre Macht mehr und mehr schwinde, das provoziere schließlich ihre Wut und Verzweiflung. Die Tränenbrille, an deren Gestell Kristall-Perlenketten befestigt sind und die sie zu ihrem rosa Chiffon-Mantel trägt, kommt ihr da gerade recht. Wie überhaupt – da sind sich die Sängerinnen des Ensembles einig – diese „Zauberflöte“ eine der starken Frauen ist. Und das gilt nicht zuletzt für Papagena. „Sie checkt ihren Papageno erst mal gründlich ab“, sagt Saskia ­Becker und lacht dabei. Ja, und dann ergreift sie als vorwitzige Papagena ziemlich schnell die Initiative, und es heißt in einem Balztanz zur Sache Schätzchen, damit bald jede Menge kleine Papagenos und Papagenas auf die Welt kommen. „Wir sind ganz froh, dass wir in dieser Inszenierung nicht der Führung weiser, alter Männer unterliegen“, betont Reidt mit Nachdruck. Außerdem sei Pamina viel mutiger als Tamino, charakterisiert Shuang Zhan ihre Rolle. Schließlich müsse sie die Situation aushalten, wenn Prinz Tamino, nicht wissend um das über ihn verhängte Schweigegebot, nicht mehr mit ihr spreche. An Felix Heusers Gesicht ist vorne an der Bühnenrampe abzulesen, wie sehr ihn diese Situation gerade zerreißt, wenn Pamina singt: „Fühlst Du nicht der Liebe Sehnen?“ In diesem Kommunikationsproblem ist „Die Zauberflöte“ ja sehr modern. Denn wie oft fragt er oder sie sich, weshalb das geliebte Gegenüber gerade nicht auf eine What’s App antwortet.

Zwischen den Studierenden, die gerade auf ihren Probeneinsatz warten, sitzt Manfred Voss, um ein Auge auf das Licht zu haben. Der Beleuchtungspapst, der schon ganze Lichtkonzepte für viele große Musentempel, unter anderem für die Bayreuther Festspiele entworfen, hat, ist der Schwiegervater von Thomas Mohr. Dem ist es als Projektleiter wichtig, in den Opernproduktionen möglichst praxisnahe Produktionsbedingungen zu schaffen, um die jungen Sängerinnen und Sänger, die in ganz Bremen verstreut wohnen, fit für das anspruchsvolle Bühnenleben zu machen. Nicht selbstverständlich ist es auch, dass ein ganzes Orchester die Mozart-Musik spielt. Gerade deshalb war Stefan Veselka Mohrs Wunschkandidat für die Produktion. Denn der stellvertretende Generalmusikdirektor des Theaters Münster, der nebenbei noch ein hervorragender Pianist ist, hatte zuvor Kapellmeister-Positionen am Stadttheater Bremerhaven und am Badischen Staatstheater Karlsruhe inne.

Auch wenn er Verbesserungsvorschläge hat, lobt Veselka immer wieder „Bravi, sehr gut!“. „Er ist für uns eine große Hilfe, es ist immer gut, andere Impulse zu bekommen und andere Dirigierstile kennenzulernen“, betonen die Ensemble-Mitglieder. Um die Zukunft der Oper braucht man sich bei der Spielfreude und dem Gesangstalent des jungen Ensembles indes keine Sorgen zu machen. Nicht von ungefähr sind die Protagonisten zum Teil bereits auf der großen Opernbühne des Theaters am Goetheplatz zu erleben. So sang Dongfang Xie bereits in Verdis „Maskenball“, und Maria Martin Gonzalez, die Pamina in Zweitbesetzung, sprang jüngst in der Opernrarität „L’etoile“ ein. Noch eine Verbindung gibt es zum Theater am Goetheplatz: Die junge italienische Chorleiterin Alice Meregaglia hat die musikalischen Proben geleitet, bis Stefan Veselka in die Produktion einstieg.

Weitere Informationen

Mozarts „Zauberflöte“ hat am Freitag, 12. Juli, um 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz Premiere. Weitere Vorstellungen: Sonntag, 14. Juli, um 17 Uhr sowie am Dienstag und Donnerstag, 16. und 18. Juli, um 19.30 Uhr. Eine Aufführungsserie mit Klavier folgt ab dem 25. Oktober im Alten Pumpwerk in Findorff.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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