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Berufsschulen stehen vor Lehrermangel

Sara Sundermann 07.11.2018 2 Kommentare

Wer unterrichtet künftig? Jeder zweite Berufsschullehrer wird bis zum Jahr 2030 in den Ruhestand gehen. 
Wer unterrichtet künftig? Jeder zweite Berufsschullehrer wird bis zum Jahr 2030 in den Ruhestand gehen.  (Bodo Schackow/dpa)

Jeder zweite Berufsschullehrer wird bis zum Jahr 2030 in den Ruhestand gehen. Das ist der Befund einer aktuellen Expertise des renommierten Bildungsforschers Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Und dieser Befund gilt auch für Bremen, ist der Berufsschullehrerverband VLB überzeugt. Auch hier werde die Hälfte der Berufsschullehrer bis 2030 in Pension gehen, sagt Eckhard Friedrichs, Vorsitzender des VLB Bremen.

Zwar habe Bremen als Stadtstaat mit guter Lebensqualität und kurzen Wegen eine bessere Ausgangsposition, um Berufsschullehrer zu gewinnen als ländliche Flächenstaaten wie Niedersachsen, wo Lehrkräfte oft weite Arbeitswege hätten, sagt Friedrichs. Doch prinzipiell rolle auch in Bremen eine große Ruhestandswelle an. „Das größte Loch wird in sieben bis acht Jahren auf die Berufsschulen zukommen, etwa im Jahr 2025“, so Friedrichs.

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Im Prinzip wäre nun also noch Zeit, um zu handeln. Der häufigste Ausbildungsweg eines Berufsschullehrers ist lang: Abitur, dreijährige Ausbildung, dann ein Bachelor- und Masterstudium und zuletzt ein 18-monatiges Referendariat. „Das dauert meist sieben Jahre, die wenigsten sind unter 30, wenn sie an einer Berufsschule anfangen“, sagt Friedrichs.

Laut Bildungsbehörde gibt es allein in der Stadt Bremen mehr als 1000 Lehrkräfte an öffentlichen Berufsschulen. Der VLB spricht dagegen von einer Kernbelegschaft von 600 Berufsschullehrern im engeren Sinne im Land Bremen – hinzu kämen zum Beispiel Lehrkräfte anderer Schulformen, die ebenfalls an Berufsschulen im Einsatz seien. 

Bundesweit und in Bremen

Die Behörde geht von einer viel geringeren Zahl an Abgängen aus Altersgründen aus: Bis 2030 rechne man mit gut 200 Berufsschullehrern, die in den Ruhestand gehen, sagt Behördensprecherin Annette Kemp. Die Behörde erwartet also, dass in Bremen nicht jeder Zweite, sondern nur jeder Fünfte wegfällt. „Wir wissen um die Pensionierungen und die Notwendigkeit von Neueinstellungen Bescheid“, so Kemp. Dennoch stehe Bremen im Vergleich zu anderen Kommunen gut da, denn mehr als 63 Prozent der Berufsschulllehrer seien hier im Alter zwischen 24 und 50.

Friedrichs vom VLB kritisiert: „Das hören wir seit Jahren. De facto ist aber kaum ein Berufsschullehrer 50 Jahre im Einsatz. Die meisten gehen auch nicht erst mit 67 Jahren in Pension, sondern viele schon mit 63 – das rechnet die Behörde nicht mit ein.“ Unstrittig ist: Es werden bundesweit und in Bremen in den kommenden Jahren viele neue Berufsschullehrer gebraucht. Und anders als zum Beispiel für Grund- und Oberschulen habe Bremen für die Berufsschulen nicht zu wenig ausgebildet, sagt Friedrichs. Laut Behörde werden pro Jahr mehr als 50 Personen für das Referendariat aufgenommen. Zudem sei ein Seiteneinstieg B für Berufsschulen in Arbeit, der im Sommer 2019 starten solle.

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Das Grundproblem liegt aus Sicht von Lehrkräften darin, überhaupt Nachwuchs zu gewinnen. Einerseits studieren immer mehr Abiturienten und machen nicht erst eine Ausbildung. Andererseits können beispielsweise ausgebildete Ingenieure nach ihrem Studium auch in die Wirtschaft gehen, wo sie oft deutlich mehr verdienen als an einer Berufsschule.

Verweis auf den Sanierungsstau

Deshalb müsse die Arbeit an Berufsschulen attraktiver werden, fordert der VLB: Durch Stipendien für Studierende der entsprechenden Fächer, durch mehr Digitalisierung an Schulen und bessere Bezahlung insbesondere von Leitungsstellen. „In Bayern werden etwa 70 Prozent der Berufsschullehrer nach A13 bezahlt, in Bremen bekommt man A12 und auch wer kommissarisch die Leitung eines Bildungsgangs übernimmt, bekommt dafür zum Teil nicht mehr Geld“, sagt Friedrichs.

Er verweist zudem auf den Sanierungsstau: „Hamburg wird bis 2027 insgesamt 28 von 32 beruflichen Schulen neu gebaut oder komplett saniert haben und dafür 720 Millionen Euro ausgeben – in Bremen ist bislang der Neubau einer Berufsschule in Planung.“ Die Bildungssenatorin will noch eine Schulstandortplanung für Berufsschulen vorlegen – wann diese kommen soll, ist derzeit unklar. Bremen ist ein großer Berufsschulstandort: Hier werden längst nicht nur Bremer ausgebildet, sondern auch viele Jugendliche aus dem Umland und ganz Deutschland.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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