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Neues Testverfahren der Polizei Bremen
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Besserer Nachweis für Drogen am Steuer

Ralf Michel 20.01.2019 0 Kommentare

Ein neues Testverfahren soll es der Polizei Bremen ermöglichen, Autofahrern bei Kontrollen den Einfluss von Drogen oder Medikamenten nachzuweisen.
Ein neues Testverfahren soll es der Polizei Bremen ermöglichen, Autofahrern bei Kontrollen den Einfluss von Drogen oder Medikamenten nachzuweisen. (dpa)

Bei Verkehrskontrollen kommt in Bremen seit Kurzem ein neues Testverfahren zum Einsatz – der standardisierte Fahrtüchtigkeitstest (SFT). Die Polizei erhofft sich davon eine bessere Handhabe, um künftig nicht nur Trunkenheitsfahrten, sondern auch Drogen- und Medikamentenmissbrauch am Steuer besser belegen zu können. Fahruntüchtige Männer und Frauen sollen damit im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr gezogen werden können. Und nicht etwa nur wegen einer Ordnungswidrigkeit, sondern wegen einer Straftat.

Den Nachweis der Fahruntüchtigkeit zu erbringen, sei bislang schwierig, sagt Polizeihauptkommissar Stephan Uden, SFT-Experte und Fachausbilder bei der Bremer Polizei. Nicht jedoch bei Alkohol am Steuer. Hier gibt es eine eindeutige Rechtslage und klare Grenzwerte. Mit 0,5 bis 1,09 Promille am Steuer erwischt zu werden, ist eine Ordnungswidrigkeit und wird mit 500 Euro Geldbuße, einem Monat Fahrverbot sowie zwei Punkten in Flensburg sanktioniert. Erst ab 1,1 Promille gilt man als absolut fahruntüchtig. Dann wird von einer Straftat gesprochen, es gibt eine Geld- oder Freiheitsstrafe und der Führerschein wird eingezogen.

Keine Grenzwerte

Doch im Drogenbereich und erst recht bei Medikamenten gebe es diese Grenzwerte nicht, erklärt Uden. „Um hier die Fahruntüchtigkeit belegen zu können, fehlte uns bisher die Handhabe.“ Wer auf Bremens Straßen unter Drogeneinfluss am Steuer erwischt wird, riskiert meist nur, wegen einer Ordnungswidrigkeit belangt zu werden. Wenn überhaupt. Immer häufiger würden seine Kollegen bei Kontrollen merken, dass etwas nicht stimmt. Doch wenn denn weder der Alkohol- noch der Drogenschnelltest etwas anzeigten, könne die Polizei wenig ausrichten, berichtet Uden.

Genau diese Lücke soll der standardisierte Fahrtüchtigkeitstest schließen. Genaugenommen sind es drei Tests: der sogenannte ­Nystagmus, bei dem die Augenbewegung überprüft wird, ein Geh- und Drehtest sowie das Stehen auf einem Bein. Fällt jemand durch alle drei Prüfungen, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass anschließend bei einer Blutuntersuchung Drogen oder Medikamente gefunden werden, die Auswirkungen wie 1,0 oder mehr Promille Alkohol haben, bei 93 Prozent, erläutert Uden. Und dies sei keine grobe Schätzung der Polizei, sondern wissenschaftlich nachgewiesen, betont er.

Testverfahren stammt aus den USA

Das ursprünglich aus den USA stammende SFT-Verfahren wurde von der Polizei in Niedersachsen in Zusammenarbeit mit der Universität Dortmund entwickelt. Entsprechend ist dieses Verfahren in Bremens Nachbarschaft auch schon länger im Einsatz. Seit 2015, allerdings unter der Bezeichnung „Standardtestverfahren“, erklärt Bastian Lückfeldt, Pressesprecher des niedersächsischen Innenministeriums.

In anderen Bundesländern gebe es auch noch weitere Bezeichnungen dafür, sagt ­Stephan Uden. Entscheidend sei jedoch, dass die Polizei auf dem Weg zu einem bundesweit standardisierten Verfahren ist. In Bremen hat es im November 2018 den ersten entsprechenden Lehrgang gegeben, inzwischen gibt es in der Hansestadt 30 SFT-zertifizierte Polizisten. „Die Sache wird insgesamt einheitlicher und professioneller angegangen. Die Kollegen sind entsprechend ausgebildet, damit schaffen wir beweissichere und reproduzierbare Vorgänge für Gerichtsverfahren.“ 

Zahl der Vorfälle steigt

Die Notwendigkeit eines Verfahrens, mit dem die Fahruntüchtigkeit wegen des Einflusses von Drogen festgestellt werden kann, unterstreicht ein Trend, den die Bremer Polizei bei ihren Kontrollen, aber auch bei Verkehrsunfällen verzeichnet: Die Zahl der Vorfälle unter Drogeneinfluss steigt.

Zuletzt hat sie in Bremen sogar die Zahl der Fälle überholt, bei denen Alkohol eine Rolle spielte. 2014 registrierte die Polizei 35 Unfälle, bei denen Betäubungsmittel (BTM) im Spiel waren, 2017 waren es 65. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Fahrer, die unter BTM-Einfluss am Steuer erwischt wurde, ohne dass es zu einem Unfall gekommen war, von 368 auf 464. Die Zahl der Alkohol-Fälle insgesamt, also mit und ohne Unfall, sank in dieser Zeit von 523 auf 503. Dazu passt das Ergebnis einer groß angelegten Kontrolle im vergangenen Jahr: Jeder elfte der von der Polizei herausgewunkenen Autofahrer stand unter dem Einfluss von Drogen.


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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:04
@brakadabra ...

„👍“ ... Ich hab‘ jetzt‘n „Hummer“ ...
...................................🚘.............

Auf‘m ...
FloM am 22.10.2019 13:01
@gorgon:
Himmelnochmal, jahrzehntelang billige Lebensmittel konsumieren und sich dann über die Folgen der Herstellung aufregen.
Welche ...
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