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Bienenseuche in Bremen ausgebrochen

Patricia Brandt 13.06.2019 4 Kommentare

Die Amerikanische Faulbrut ist eine Gefahr für Bienen, für Menschen hingegen nicht.
Die Amerikanische Faulbrut ist eine Gefahr für Bienen, für Menschen hingegen nicht. (Michael Reichel/dpa)

Weite Teile Bremens sind zum Sperrgebiet erklärt worden: Nach Angaben des Landesveterinäramts ist mit der Amerikanische Faulbrut (AFB) eine hochansteckende Bienen-Seuche ausgebrochen. Die AFB wird durch sporenbildende Bakterien hervorgerufen und durch mit Sporen kontaminiertem Honig verbreitet. Die Erkrankung betrifft jedoch nur Bienen, nicht Menschen. Auch der Honig bleibt verzehrbar. Offen ist zurzeit, wie viele Völker abgetötet werden müssen. „Für uns ist das der worst case“, sagte der Vorsitzende des Bremer Imker-Vereins, August-Wilhelm Schinkel, dem WESER-KURIER. Da sich offenbar viele Hobby-Imker nicht haben registrieren lassen, werde man überlegen müssen, ob der Gesetzgeber eingreift und Imkern beispielsweise regelmäßige amtstierärztliche Untersuchungen vorschreibt.

Zu den am Donnerstag vom Veterinärdienst erklärten Sperrbezirken zählen die Neustadt, Obervieland, Mitte, Östliche Vorstadt, Vahr, Schwachhausen und in Hemelingen die Stadtteile Hastedt und Sebaldsbrück. Laut Behörde müssen Völker aus diesen Gebieten ab sofort registriert und unverzüglich amtstierärztlich untersuchen werden. Bienenvölker, lebende oder tote Bienen, Waben, Wabenteile, Wabenabfälle, Wachs, Honig, Futtervorräte, Bienenwohnungen und benutzte Gerätschaften dürfen auch nicht mehr aus den Bienenständen entfernt werden. Ebenso ist der Transport in oder aus den Sperrbezirken untersagt. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldbuße von bis zu 30.000 Euro geahndet. Honig, der nicht zur Verfütterung von Bienen bestimmt ist, betrifft die Regelung aber nicht.

Sporen bereits vor neun Wochen entdeckt

Die Anordnungen sind offenbar erforderlich, um einer weiteren Ausbreitung der Amerikanischen Faulbrut begegnen zu können. Der Bienensachverständige des Veterinäramts, Friedrich Pohl, hatte den Bremer Imkerverein bereits vor Wochen darüber informiert, dass in neun Stadtteilen oder Bereichen Bremens Sporen des Erregers der Amerikanischen Faulbrut nachgewiesen wurden. Schuld ist das sporenbildende Bakterium Paenibacillus larvae.

Wie sich die AFB in der Hansestadt ausgebreitet hat, ist laut Friedrich Pohl noch unbekannt. „Es ist, als hätte jemand aus dem Flugzeug mit der Gießkanne Erreger verstreut – wir wissen nicht, wie kamen sie dahin“, so Pohl bei einem Treffen von Imkern. „Und wir vermuten, da kommt noch mehr. Irgendwo müssen noch kranke Völker stehen.“

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In Bremen gebe es mehr als 1000 Bienenvölker. „Bis zu zehn Prozent sind nicht gemeldet“, schätzt Pohl. Ein Problem sei, dass es viele neue Imker gebe, die ihre Völker nicht beim Veterinäramt registrieren ließen. „Es gibt Leute, die haben ihre Bienen irgendwo aufgestellt, die Bienen schwärmen aus, räubern andere Völker aus und übertragen den Krankheitserreger durch den fremden Honig.“

Anders als bei der Schweinepest müssen die erkrankten Völker aber nicht unbedingt abgetötet werden. „Bei geringer Sporen-Belastung kann man durch aktives Arbeiten an den Bienen Sporen vernichten“, sagte Pohl. „Wir können Völker retten.“ So könnten Kunstschwärme gebildet werden.

Wie lange Bremen braucht, um die Seuche in den Griff zu bekommen, ist offen. „Wir brauchen mindestens ein Jahr“, schätzt der Bienensachverständige.

Einige Imker wie der Vorsitzende der Bremer Imker, August-Wilhelm Schinkel, haben den Verdacht, dass für den Ausbruch der Krankheit gutgemeinter Naturschutz verantwortlich sein könnte: „Dass Bienen mit gekauftem Auslandshonig gefüttert werden, der mit Sporen belastet ist.“ Deshalb nimmt Schinkel den Ausbruch der Krankheit zum Anlass, auch nichtorganisierte Imker aufzurufen, ihre Tiere registrieren zu lassen und eine sogenannte Futterkranzprobe abzugeben. Bei der Futterkranzprobe wird ein Teil des Honigs, rund 100 Gramm, von der Wabe genommen und im Labor auf Sporen untersucht. Die Kosten der Untersuchung werden wegen der Seuche vom Amt übernommen.

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„Die Einschränkungen durch ein Sperrgebiet sind für Imker enorm“, sagt Schinkel. „Wir können mit den Bienen nicht rein noch raus. Wandern ist nicht mehr möglich. Für betroffene Imker ist es noch viel schlimmer. Man muss sehen, was man mit den Völkern macht: Ob sie saniert werden können oder abgetötet werden müssen.“

Für Berufsimker Hartmut Schmidt-Uhlenkamp aus Blumenthal könnte sich der Seuchenausbruch auf das Geschäft auswirken: Schmidt-Uhlenkamp geht mit seinen rund 100 Völkern dahin, wo das Futterangebot für Bienen groß ist. So reist er mitsamt den Bienen nach Riede oder Mahndorf, wenn der Raps blüht, und anschließend Richtung Berlin „in die Robinien.“ Sorge bereitet dem Nordbremer , der das Imkern schon von seinem Großvater gelernt hat, der Faulbrutausbruch auch aus einem anderen Grund. „Es ist ungeheuer schwierig, den Seuchenherd zu bekämpfen und die Seuche auszurotten. In der Stadt sitzen wir alle eng aufeinander.“


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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:29
@Wesersteel ...

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Oder Vorhandene mit Rammschutz ausrüsten ?
Bremen-Fan am 22.10.2019 13:25
Was ist "mangelnde soziale Kompetenzen"? Oder wollte @daa2011 einfach ein Schlagwort benutzen, um Bremer Eltern schlecht zu reden, die ihre Kinder in ...
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