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500 Roller demnächst im Einsatz
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Bremen genehmigt E-Scooter

Maren Beneke und Patrick Reichelt 21.09.2019 15 Kommentare

In Hamburg fahren sie schon: die E-Tretroller von Lime. Nun startet der Anbieter auch in Bremen.
In Hamburg fahren sie schon: die E-Tretroller von Lime. Nun startet der Anbieter auch in Bremen. (Britta Pedersen/zb/dpa)

Nun ist es auch in Bremen soweit: In Kürze werden 500 E-Scooter des Anbieters Lime durch die Straßen rollern. Eine entsprechende Erlaubnis für die sogenannte Nutzung des öffentlichen Straßenraums hat Bremen nun erteilt. Das teilte das Verkehrsressort am Sonnabend mit. Wann genau die Roller in der Stadt Einzug halten, dazu konnte das Ressort keine Angaben machen, dafür ist Lime verantwortlich. In vergleichbaren Städten sind die Gefährte innerhalb weniger Tage nach erteilter Genehmigung in den Straßen abgestellt worden.

Mit der Erlaubnis geht Bremen bundesweit einen Sonderweg. Im Unterschied zu anderen Kommunen, wo E-Scooter unterschiedlicher Anbieter schon seit Längerem zum Verleih stehen, ist die Vermietung in Bremen jetzt klar geregelt: Die Roller dürfen nicht in Grünanlagen und Parks gefahren und nur an bestimmten Orten geparkt werden - verboten ist es beispielsweise, sie auf Gehwegen mit einer Breite von weniger als 1,50 Meter abzustellen; zudem muss Lime dafür sorgen, dass die Gefährte verkehrssicher sind und nicht mehr als vier von ihnen auf einer Stelle stehen. Gibt es Probleme, dann darf das Ordnungsamt einschreiten. In schwerwiegenden Fällen kann die Erlaubnis, die im Übrigen zeitlich befristet ist, den Angaben zufolge auch entzogen werden.

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„Uns war es wichtig, dass wir nicht die chaotischen Zustände mit den Rollern bekommen, wie viele andere deutsche und europäische Städte“, sagte Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne). Als Vorteil empfinde sie, dass Bremen in diesem Segment der Elektromobilität Erfahrungen sammeln könne.

Das nächste große Ding

In der Branche gelten die E-Scooter als das nächste große Mobilitätsding. In vielen amerikanischen Städten, aber vermehrt auch in Europa, verbreiten sie sich rasend schnell. Die Firmen setzen dabei auf das beliebte Sharing-Modell: Sie stellen die Roller bereit, die dann von verschiedenen Fahrern „geteilt“ werden. Nachdem Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im Juni die sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) verabschiedet hatte, drängten auch in Deutschland immer mehr Verleihfirmen auf den Markt.

Der US-amerikanische Anbieter Lime, mit dem sich Bremen nun geeinigt hat, ist unter anderem bereits in Hamburg aktiv, muss sich den Markt dort allerdings mit vier weiteren Verleihern - Bird, Tier, Vio und Circ - teilen. In der Elbstadt gibt es mittlerweile mehr als 3000 E-Scooter, eine Fahrt kostet dort einen Euro Grundgebühr plus 15 bis 20 Cent pro Minute. Bezahlt wird über eine Smartphone-App mittels Paypal oder Kreditkarte.

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Wie viele elektrische Roller es insgesamt in Deutschland sind, ist schwer zu bestimmen, da nicht alle Verleiher Angaben machen. In Berlin stehen etwa 9000 E-Scooter von mindestens fünf Firmen zum Verleih bereit. In München sind es ähnlich wie in Hamburg etwa 3000 und in anderen Großstädten ebenfalls einige Tausend. Dazu kommen Hunderte Roller in mittelgroßen Städten. In ganz Deutschland dürften also inzwischen einige zehntausend Leihroller auf den Straßen stehen. Hinzu kommen die privat genutzten Roller.

Per Handy-App ausleihbar

Das Ausleihen von E-Scootern, die von den Anbietern in der Stadt verteilt werden, ist vergleichsweise leicht: Der Kunde lädt sich eine App auf das Handy, über die Tretroller in der Nähe geortet und auf Wunsch freigeschaltet werden können. Anschließend fährt der Nutzer zu seinem Zielort und kann den Scooter dort einfach stehen lassen. Über Nacht sammeln freie Mitarbeiter die Roller per Transporter ein und laden die Akkus oft in der eigenen Wohnung wieder auf. Bei Lime werden diese Mitarbeiter „Juicer“ genannt, nach Medienberichten verdienen sie pro Roller vier Euro - das hatte in der Vergangenheit für Kritik gesorgt.

In einigen Städten hat die schiere Masse an E-Scootern bereits für jede Menge Ärger gesorgt. Zum Beispiel, weil die E-Roller auf dem Gehweg abgestellt wurden, Zugänge blockierten oder in Flüsse und Seen geschmissen wurden. Daher arbeiten einige Kommunen derzeit an Gegenstrategien: In Berlin sollen ab dem nächsten Jahr etwa extra Parkflächen am Straßenrand für E-Scooter und Leihräder reserviert werden. Düsseldorf will die Vermietung ab 2020 als Sondernutzung einstufen, Roller dürfen dann nicht mehr in Fußgängerzonen, Parks oder auf Spielplätzen abgestellt werden. Die Verleiher müssen falsch abgestellte Roller beseitigen.

Bremen wartet ab

All diese Probleme wollte Bremen im Vorhinein umgehen und hat die Genehmigung daher unter vergleichsweise strenge Auflagen gestellt. „Ob sich E-Scooter aber tatsächlich als wertvolles Element einer umweltverträglichen Mobilität herausstellen, werden wir abwarten müssen“, sagte Verkehrssenatorin Schaefer. Auch daher sei es gut, dass Bremen als Kommune die Spielregeln festlege. Insgesamt hat Bremen demnach in der Vergangenheit mit acht Verleihern Gespräche geführt.

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Anderen Großstädten wie Hamburg, München oder Dortmund bereiten die neuen Roller offenbar weniger Probleme. „Wenn ein Leih-E-Scooter völlig im Weg steht, darf man ihn übrigens auch gern behutsam zur Seite stellen“, sagte ein Sprecher der Stadt Hamburg. Je kleiner die Stadt ist, desto weniger Probleme gibt es offenbar mit E-Scootern. Ein echtes Problem scheinen aber die gestiegenen Unfallzahlen zu sein: In Hamburg habe die Einführung der E-Scooter zu mehr Unfällen geführt, berichtete Christian Kühne, Chefarzt der Hamburger Innenstadt-Klinik St. Georg. „In zwei Monaten haben wir in unserer Klinik mehr Verletzte durch E-Scooter-Unfälle behandelt als Verletzungen durch Fahrradunfälle.“ In Köln wurden laut Polizei 55 Unfälle mit E-Scootern gezählt. 51 davon verursachten die Fahrer selbst. Bei jedem dritten Unfall war Alkohol im Spiel.

Weitere Einschränkungen, die die Hansestadt vorgegeben hat: Lime muss seinen Bremer Kunden einen festen Ansprechpartner vor Ort bereitstellen, der bei Schwierigkeiten kurzfristig einschreiten kann. Das Unternehmen ist in Bremen ein alter Bekannter: Im vergangenen Jahr bot das Unternehmen Leihräder in der Hansestadt an, zog sich aber nach nur zwei Monaten wieder zurück. „Mit der Erlaubnis für 500 Roller können der Anbieter Lime und Bremen jetzt erst einmal Erfahrungen sammeln“, sagte Schaefer weiter. Zudem sei die Genehmigung an einen finanziellen Aspekt gebunden: Lime muss für jeden E-Scooter pro Woche eine Gebühr in Höhe von 50 Cent an die Stadt zahlen. „Auch darüber behalten wir ein Steuerungsinstrument in der Hand, um – wie beim Leihfahrrad auch – einschreiten zu können.“


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Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?
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