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Bremer Grüne fordern Soko gegen Autoposer

Sabine Doll 04.10.2018 15 Kommentare

Die Bremer Grünen fordern eine Soko gegen Autoposer.
Die Bremer Grünen fordern eine Soko gegen Autoposer. (Sebastian Gollnow)

Städte wie Mannheim, Hamburg und auch Oldenburg haben genug von Auto- oder Motorradfahrern, die lärmend und protzend durch die Stadt fahren – und dabei sehr oft auch viel zu schnell unterwegs sind. Diese Städte haben gegen sogenannte Poser aufgerüstet und eigene Kontrollgruppen bei der Polizei eingerichtet oder Beamte im Streifendienst technisch geschult und etwa mit Messgeräten ausgestattet. „Eine solche Sonderkommission brauchen wir auch in Bremen, dazu werden wir einen Antrag für die Bürgerschaft vorbereiten. Wir hoffen, dass die SPD das mitträgt“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Ralph Saxe, im Gespräch mit dem WESER-KURIER.

In der Fragestunde der Bürgerschaft in der vergangenen Woche hatte Saxe die Polizei-Strategie gegen Autoposer bereits zum Thema gemacht. Der Abgeordnete wollte wissen, ob das Phänomen in der Hansestadt zunimmt und was der Senat dagegen unternimmt. Und: Ob es Pläne gibt, mit einer Sondereinheit gegen Poser vorzugehen. Innenstaatsrat Thomas Ehmke verneinte die Fragen: Der Polizei Bremen würden nur vereinzelte Beschwerden von Bürgern über Geschwindigkeitsüberschreitungen und Lärmbelästigungen durch sogenannte Autoposer vorliegen. „Eine Autoposer-Szene vergleichbar der in anderen Städten ist in Bremen nicht zu verzeichnen“, betonte der Staatsrat. Regelmäßig gebe es zielgerichtete Kontrollen unter anderem mit dem Einsatz von Videowagen. Zuständig dafür sei die Abteilung Verkehrspolizei, den Beamten würden zusätzliche Fortbildungen angeboten. Ehmke: „Die Einrichtung einer zusätzlichen Kontrollgruppe ist nicht geplant.“

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Mit dieser Auskunft aus der Behörde von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will sich der Grünen-Abgeordnete nicht zufriedengeben: „Es handelt sich nicht nur um Einzelfälle, das zeigt die Wahrnehmung vieler Bürger, die sich hier offensichtlich sehr deutlich von der des Innenressorts und der Polizei unterscheidet.“ Typische Poser- und auch Raserstrecken in der Innenstadt seien etwa die Bürgermeister-Smidt-Straße, die Martinistraße, die Discomeile, die Korn- und Pappelstraße in der Neustadt, so Saxe.

„Das ist ein großes Thema bei uns“, bestätigt Annemarie Czichon, Ortsamtsleiterin für die Neustadt und Woltmershausen. Immer wieder gebe es Beschwerden von Anwohnern, die von laut aufheulenden Motoren oder Knallgeräuschen beim Anfahren berichteten. Dazu kämen etliche Beschwerden über Raser. „Vor allem an den Wochenenden und abends ist das ein Thema“, so die Ortsamtsleiterin. Ende August hatte sich eine Beiratssitzung damit befasst. Ob eine zusätzliche Kontrollgruppe der Polizei notwendig sei, hänge sicherlich auch von personellen Voraussetzungen ab, so Czichon. „Einen Überwachungsbedarf können wir aber auf jeden Fall bestätigen.“

Ralph Saxe
Ralph Saxe (fr)

Saxe schwebt eine „Soko Autoposer“ nach dem Vorbild Hamburgs vor. Vor einem Jahr hat die Kontrollgruppe mit 13 speziell geschulten Polizeibeamten ihren Dienst aufgenommen, in der vergangenen Woche hat sie ihre Bilanz vorgestellt: 2835 Fahrzeuge wurden seitdem überprüft. Bei 775 Autos war die Betriebserlaubnis aufgrund technischer Veränderungen erloschen, 340 Fahrzeuge wurden sichergestellt und 314 Lärmverstöße festgestellt. 164 Fahrer waren so schnell unterwegs, dass ihnen ein Fahrverbot drohte, 33 standen unter dem Einfluss von Drogen, 16 waren alkoholisiert, 141 Strafanzeigen gab es insgesamt.

In einem Interview mit dem WESER-KURIER hatte die stellvertretende Leiterin der Hamburger Kontrollgruppe, Janina von Keßinger, im Juli betont: „Posen und Rasen gehören sehr oft zusammen, deshalb haben wir auch aggressives Fahrverhalten und illegale Rennen im Blick und leiten entsprechende Ermittlungen ein.“ Die speziell geschulten Beamten seien täglich in Zivilfahrzeugen mit Videoausstattung auf den Straßen unterwegs, bei Verdacht würden Lärmmessungen direkt vor Ort an den Fahrzeugen vorgenommen. Bestätige sich der Verdacht, würden die Fahrzeuge als Beweismittel gesichert, abgeschleppt und von einem Gutachter geprüft. Von Keßinger: „Wir glauben nicht, dass die Gruppe der Autoposer und -raser viel größer geworden ist, vielmehr war der Kontrolldruck in den vergangenen Jahren nicht groß. Die Gesetzeslage hat sich im Grunde auch nicht geändert, es sind jetzt nur Polizeibeamte da, die sich intensiv kümmern.“

Die Erfahrungen und fachliche Expertise der Hamburger Kontrollgruppe ist zunehmend auch in anderen Städten gefragt: Im Frühjahr dieses Jahres etwa seien Polizeibeamte in Oldenburg von den Hamburger Soko-Mitgliedern technisch geschult worden, so von Keßinger. Nach Auskunft des niedersächsischen Innenministeriums seien eigene Kontrollgruppen grundsätzlich nicht geplant. Aber: „Im Rahmen immer wiederkehrender Aktionen der Tuningszene hat die Polizei Treffpunkte und markante Fahrstrecken im Visier und begleitet sie in Form von Kontrollaktionen“, so Ministeriumssprecher Hans Gehrmann. „Die Beamten besitzen die dazu erforderlichen speziellen Kenntnisse.“

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Leserkommentare
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
HB-Maennchen am 23.10.2019 09:23
Da möchte man als schlichter Leser des Weser-Kuriers der jetzt wieder doch etwas deutlicher wahrnehmbaren schreibenden Stimme der Chefredakteurin ...
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