Wetter: Regen, 11 bis 14 °C
Minus von 17 Millionen Euro erwartet
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Bremer Kliniken steuern auf Rekorddefizit zu

Jürgen Theiner 05.09.2019 9 Kommentare

Auch die Einnahmen von bisher erlösträchtigen Bereichen wie die Herzchirurgie am Klinikum Links der Weser sind eingebrochen.
Auch die Einnahmen von bisher erlösträchtigen Bereichen wie die Herzchirurgie am Klinikum Links der Weser sind eingebrochen. (Roland Scheitz)

Die wirtschaftliche Talfahrt des städtischen Krankenhausverbundes Gesundheit Nord (Geno) beschleunigt sich. Hatten die Verantwortlichen des Klinikkonzerns für das laufende Jahr ursprünglich einen operativen Verlust von 5,5 Millionen Euro eingeplant, so wird sich das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen am Jahresende nun voraussichtlich auf minus 17,7 Millionen Euro belaufen. Es wäre das höchste Defizit seit der Keimkrise 2011/12 am Klinikum Mitte. Entsprechende Informationen des WESER-­KURIER hat die Geno bestätigt. Die Hiobsbotschaft aus der Konzernzentrale setzt auch die neue Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) unter Handlungsdruck.

Aus Geno-internem Zahlenmaterial, das dem WESER-KURIER vorliegt, lässt sich ablesen, dass die Einnahmen der vier Häuser in Bremen-Mitte, Nord, Ost und Links der Weser auf breiter Front eingebrochen sind. Das gilt auch für bisher erlösträchtige Bereiche wie die Herzchirurgie am Klinikum Links der Weser (-4,4 Prozent gegenüber 2018). In einzelnen medizinischen Disziplinen wie der Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde sind die Rückgänge den Unterlagen zufolge sogar deutlich zweistellig.

Mehr zum Thema
Kommentar zur Lage beim Klinikverbund Geno: Lahme Führung
Kommentar zur Lage beim Klinikverbund Geno
Lahme Führung

Schwarze Zahlen seien utopisch, sagt man beim Bremer Klinikverbund Geno über die eigene Lage. Dort ...

 mehr »

Als wichtigster Grund für die Misere gilt der Mangel an qualifiziertem Personal insbesondere in der Pflege. Diagnostische und therapeutische Leistungen können deshalb in manchen Fällen schlicht nicht erbracht werden. Nach Angaben von Geno-Sprecherin Karen Matiszick sind derzeit über alle Standorte rund 40 Vollzeitstellen im Pflegebereich nicht besetzt. Und das vorhandene Personal fällt offenbar immer öfter aus. Vor dem Hintergrund hoher Arbeitsbelastung seien manche Beschäftigte nicht mehr im gleichen Maß wie frühere Generationen von Krankenschwestern und -pflegern willens, „an ihre Grenzen zu gehen“, wie Matiszick es ausdrückt. Auf einem internen „Pflegegipfel“, der für den 10. September angesetzt ist, will die Geno nach Wegen suchen, wie die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten so verbessert werden können, dass die  Identifikation mit dem Beruf wieder steigt und bei Schulabgängern die Bereitschaft geweckt werden kann, eine Ausbildung in der Pflege zu beginnen.

Ambulante Behandlung wird zum Problem für Krankenhäuser

Neben dem gravierenden Fachkräftemangel setzt offenbar eine weitere bundesweite Entwicklung den Bremer Kliniken zu: der Trend zur ambulanten Behandlung von Erkrankungen, die früher stationär versorgt worden wären. Was die Patienten freut, wird für die Krankenhäuser zunehmend ein Problem, denn das herkömmliche Abrechnungssystem passt oft nicht mehr zu den ambulant erbrachten Leistungen. In der Folge monieren die Krankenkassen immer häufiger die Rechnungen der Kliniken und verweigern die Erstattung. Nach Darstellung von Karen Matiszick versucht die Geno auch auf diesem Gebiet, sich den veränderten Gegebenheiten anzupassen und beispielsweise frei gewordene Sitze von niedergelassenen Ärzten zu erwerben, um über diesen Umweg ambulante Leistungen abrechnen zu können. All dies gehe „natürlich nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit“. Noch sei es deshalb für die Gesundheit Nord „utopisch, schwarze Zahlen zu erreichen“.

Doch warum soll in Bremen unrealistisch sein, was andernorts möglich ist? In Berlin erwirtschaftet der Krankenhausverbund Vivantes seit Jahren positive Betriebsergebnisse. Vivantes ist kein auf maximale Effizienz getrimmter privatwirtschaftlicher Träger, sondern ein Unternehmen, das sich zu 100 Prozent in Landesbesitz befindet. Bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro machte Vivantes 2018 gut 16 Millionen Euro Gewinn und bewegte sich damit ungefähr auf Vorjahresniveau. In Fachkreisen gilt der Landesbetrieb als vorbildlich geführt.

Mehr zum Thema
Pflegermangel macht Geno zu schaffen: Klinikverbund rutscht tiefer in die Miesen
Pflegermangel macht Geno zu schaffen
Klinikverbund rutscht tiefer in die Miesen

Das Defizit des Bremer Klinikverbundes Gesundheit Nord wird zum Jahresende deutlich über den ...

 mehr »

Was ist dort möglicherweise nachahmenswert? Unter anderem die Erweiterung der Leistungspalette in Richtung von Pflegeeinrichtungen. Zum Vivantes-Verbund gehören nicht nur neun Krankenhäuser, sondern beispielsweise auch 17 Pflegeheime und zwei Seniorenwohnhäuser. Während die Geno immer noch in vielen Fällen Patienten stationär aufnimmt, obwohl diese eigentlich in eine Pflegeeinrichtung entlassen werden müssten, hat Vivantes dieses Element gleich in sein Leistungsspektrum integriert und verdient damit Geld.

In Bremen mahlen die Mühlen langsamer. Schon unter dem früheren Geno-Geschäftsführer Diethelm Hansen wurde 2009 ein Konzept zur Reorganisation der Geno-Häuser aufgestellt, 2018 legte die aktuelle Geno-Spitze ebenfalls ein Zukunftskonzept für den Klinikverbund vor. Ob und in welchem Umfang es tatsächlich umgesetzt ist, ist schwer abzusehen. Derzeit arbeitet die Geno-Geschäftsführung daran, dem Aufsichtsrat im Dezember Vorschläge für Modifikationen des Zukunftskonzepts vorzulegen. Fest steht für Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard nur eines: An den vier Häusern selbst soll nicht gerüttelt werden. „Eine Standortschließung schließt die Koalition aus“, sagt ihr Sprecher Malte Hinrichsen.

Mehr zum Thema
Gesundheitspolitik: Kritik an Geno-Finanzspritzen
Gesundheitspolitik
Kritik an Geno-Finanzspritzen

Die Freien Kliniken Bremen - Rotes-Kreuz-Krankenhaus, Diako, St.-Joseph-Stift, Roland-Klinik - ...

 mehr »

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 14 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
linde79 am 20.10.2019 17:58
Wie wäre es denn, wenn man auch mal die Qualität der Lehrer und Lehrerinnen hinterfragte? Wie wäre es in Anbetracht der Bildungsmisere, die ...
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige