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Bremer Müllwerker drohen mit Konsequenzen

Jürgen Theiner 13.05.2019 0 Kommentare

Die Beschäftigten der Abfallwirtschaft Bremen wollen endlich die Ergebnisse der Tarifeinigung in ihrer Geldbörse spüren.
Die Beschäftigten der Abfallwirtschaft Bremen wollen endlich die Ergebnisse der Tarifeinigung in ihrer Geldbörse spüren. (Frank Thomas Koch)

Die etwa 120 Müllwerker der noch jungen Abfallwirtschaft Bremen (ALB) wollen endlich mehr Geld sehen. Ordentliche Zuwächse waren eigentlich schon im Dezember vergangenen Jahres im Grundsatz vereinbart und im Februar in einem sogenannten Einigungspapier bekräftigt worden.

Doch der Abschluss eines formalen Haustarifvertrags zwischen der ALB-Geschäftsführung und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lässt weiter auf sich warten, und dafür machen die Beschäftigten nicht die ALB-Chefetage, sondern ihre eigenen Interessenvertreter verantwortlich. „Wenn sich im Laufe der Woche nicht endlich etwas tut, stehen wir am Freitag vor dem Gewerkschaftshaus und machen da unserem Unmut Luft“, droht Betriebsratsvorsitzender Thorsten Entelmann.

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Die ALB ist der Entsorger, der zum 1. Juli vergangenen Jahres die Müllabfuhr der Bremer Privathaushalte übernahm. An der Firma ist zu 50,1 Prozent das Abfallunternehmen Nehlsen und zu 49,9 Prozent die Stadt beteiligt. Die gut 120 Beschäftigten kamen direkt von Nehlsen und verbesserten sich bereits durch diesen Wechsel deutlich. Die Müllwagenfahrer beispielsweise von 13,44 Euro auf 15,32 Euro, die Lader von 12,15 auf 15,24 Euro.

Die im Dezember nach vier Verhandlungsrunden erreichte Einigung auf einen Haustarifvertrag für die ALB sah einen weiteren leichten Anstieg der Stundenlöhne und der Überstundenzuschläge vor. Vereinbart wurde außerdem, dass die Gehälter in den kommenden Jahren angelehnt an die Entwicklung des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst steigen sollen.

Nicht erreicht wurde dagegen unter anderem ein Niveau der betrieblichen Altersvorsorge, wie sie für die Nehlsen-Tochter ENO gilt. Deren Mitarbeiter werden zusätzlich zu den ALB-Beschäftigten bei der Müllabfuhr eingesetzt. Unterm Strich waren die ALB-Müllwerker mit dem Erreichten durchaus zufrieden, sagen Thorsten Entelmann und sein Vize Ronny Stiller. Die beiden gehörten der betrieblichen Tarifkommission aus Verdi-Mitgliedern an, die gemeinsam mit hauptamtlichen Verdi-Funktionären das Ergebnis aushandelten.

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Als dann im Februar das Einigungspapier als Vorstufe des noch abzuschließenden Tarifvertrags unterschrieben wurde, glaubten Entelmann und Stiller, dass der Rest nur noch Formsache sei und das Gehaltsplus bald Realität werden würde. Doch das ist bis heute nicht der Fall. Jetzt reicht es den Verdi-Mitgliedern. Sie haben sich in einem Brief an Gewerkschaftschef Frank Bsirske gewandt.

Ihre Erwartung: Bsirske soll den Verantwortlichen im Gewerkschaftsapparat Dampf machen, damit die vereinbarten Lohnerhöhungen endlich wirksam werden. Man fühle sich durch bestimmte Verdi-Funktionsträger schlecht informiert, heißt es in dem Schreiben der Bremer Müllwerker an die Berliner Zentrale. „Wir verhandeln nicht täglich Tarifverträge, wir sind Arbeiter aus der privaten Entsorgung und wir verdienen einen vernünftigen Umgang.“ Der Brief gipfelt in der Ankündigung, „unsere Wut und Hilflosigkeit durch Aktionen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen“.

Auch ALB-Geschäftsführerin Daniela Enslein würde gern so bald wie möglich einen Tarifvertrag unterschreiben, schließlich stünden doch die Eckpunkte seit Mitte Dezember fest. „Ich finde es unfassbar, wie lange dieser Prozess dauert“, sagt die Abfallmanagerin, die das Ergebnis seinerzeit mit verhandelt hatte. Zwar habe es danach noch Klärungsbedarf bei Details gegeben, doch auch diese letzten Unklarheiten seien längst ausgeräumt.

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Bei der Gewerkschaft Verdi versteht man die Aufregung nicht. Es sei „nicht unüblich“, dass nach Einigungen über die Grundzüge von Tarifverträgen noch Einzelheiten besprochen werden müssen, bevor das Vertragswerk in seine endgültige Form gebracht wird. „Sorgfalt geht da vor Geschwindigkeit“, sagt Verdi-Verhandlungsführer Oliver Bandosz.

Sollte es gelingen, in den nächsten Tagen letzte „Unschärfen“ zu beseitigen, könne der Tarifvertrag für die Abfallwirtschaft Bremen schon sehr bald unterzeichnet werden. Dass sich die ALB-Geschäftsführerin jetzt zum Anwalt der Beschäftigten aufschwinge, ist für Bandosz unverständlich. „Frau Enslein könnte die vereinbarten Verbesserungen auch jetzt schon auszahlen, gegebenenfalls unter Vorbehalt“, regt der Verdi-Sekretär an.

ENO soll aufgespalten werden

Unterdessen sind die Tage der ENO gezählt. Die Nehlsen-Tochter hatte 1998 bei der Müllabfuhr das operative Geschäft übernommen, nachdem die damalige Große Koalition aus SPD und CDU beschlossen hatte, die städtische Abfallwirtschaft zu privatisieren.

Die ENO-Mitarbeiter, die aus dem öffentlichen Dienst kamen, konnten damals ihre entsprechenden Konditionen wahren. Nun soll die ENO aufgespalten werden. Ihre Beschäftigten werden auf die ALB und die Straßenreinigung verteilt. Auch bei der Straßenreinigung ist Nehlsen Mehrheitsgesellschafter, die Stadt ist mit 49,9 Prozent dabei.


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Leserkommentare
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
europaweit jetzt ...
suziwolf am 21.10.2019 12:01
Warum dieser einfache Hinweis
auf www.spiegel.de
[ ,auf Erweiterung der Information‘ ]
mit „👎“ bewertet wird,
erklärt sich ...
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