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Bremer Polizei rät zu Schulweg-Training

Kristin Hermann 07.08.2018 1 Kommentar

Julia Schilling und Tochter Lucie üben den Schulweg vor der Einschulung gemeinsam. 
Julia Schilling und Tochter Lucie üben den Schulweg vor der Einschulung gemeinsam.  (Frank Thomas Koch)

Die Abkürzung ist verlockend. Lucie weiß, dass ihr großer Bruder diese manchmal nimmt. Gerade jetzt, wo die Sonne besonders stark scheint, will die Sechsjährige am liebsten jeden Meter sparen. Aber ihre Mutter Julia Schilling ist in diesem Punkt streng. Lucie soll von Anfang an lernen, welcher Weg der sicherste ist. Kurz vor ihrer Einschulung gehen Mutter und Tochter noch einmal gemeinsam die Strecke, die das Mädchen ab kommender Woche nun täglich allein zurücklegen muss. Ab Sonnabend ist sie offiziell ein Schulkind. 

Ganz fremd ist Lucie der Weg zur Grundschule Rablinghausen nicht. Immer mal wieder hat sie ihre Mutter begleitet und den älteren Bruder abgeholt. Doch nun ist sie bald auf sich alleine gestellt. Die Strecke ist vergleichsweise kurz. „Und zum Glück muss sie keine gefährlichen Kreuzungen überqueren“, sagt Julia Schilling. Es geht immer nur geradeaus, danach führt rechts ein kleiner Weg direkt auf die Schule zu. Eine Stelle hält Lucies Mutter trotzdem für nicht ganz ungefährlich. An der Ecke Rablinghauser Landstraße/Mühlenhauser Weg sind dreimal in der Woche viele Marktstände aufgebaut, an denen sich Lucie vorbeidrängen muss. „Das ist dann sehr unübersichtlich und eng“, sagt sie.

Eltern als Vorbild

So wie Schilling und ihre Tochter die Strecke gemeinsam ablaufen, rät es auch die Bremer Polizei. Damit sollen sich die Abc-Schützen an den Straßenverkehr gewöhnen. „Kinder, die sich kaum im Straßenverkehr bewegen, schätzen Situationen häufig falsch ein“, sagt Polizeisprecherin Jana Schmidt. Um dem Nachwuchs ein Vorbild zu sein, sollten deshalb auch die Eltern ihr eigenes Verkehrsverhalten überprüfen. Dazu gehöre unter anderem das Stehenbleiben vor Bordsteinen und die Orientierung durch beidseitiges Wechseln der Blicke (links-rechts-links). „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und werden in diesem Alter häufig durch Freunde oder auch technische Geräte abgelenkt. Alle Verkehrsteilnehmer müssen jederzeit mit unvorhergesehenen Reaktionen von Kindern im Straßenverkehr rechnen“, sagt Schmidt. 

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Laut einer Statistik der Unfallkasse Bremen ereigneten sich im vergangenen Jahr 879 Unfälle auf dem Schulweg, insgesamt kam es in Bremen und Bremerhaven zu 11.051 Schülerunfällen – neun davon waren schwer. Die Zahl ist so hoch, weil die Schulen verpflichtet sind, jeden noch so kleinen Zwischenfall bei der Unfallkasse zu melden. Die genauen Ursachen für die Unfälle auf dem Schulweg werden statistisch nicht erfasst. „Wir können aber sagen, dass es häufig Fahrradunfälle sind. Zum Beispiel werden die Schüler von Autos angefahren, sie verhaken sich mit ihren Fahrrädern oder kippen vom Bordstein“, sagt Anke Deters, Verwaltungsleiterin bei der Unfallkasse. 

Autofahrer sensibilisieren

Passend zur Einschulung sind vergangene Woche die ersten Banner mit der Aufschrift: „Vorsicht! Schulbeginn! Rücksicht!“ und „Achtung Schulbeginn“ angebracht worden, um Autofahrer zu sensibilisieren. An insgesamt 47 Orten in der Stadt werden diese Hinweise nun für einige Zeit zu sehen sein. Zudem wird die Polizei in den kommenden vier Wochen präventive Kontrollen in Form von Geschwindigkeitsmessungen und Überprüfungen der Rückhaltesysteme durchführen. Wie bereits in den Vorjahren werden in Kooperation mit der Polizei an schwierigen Verkehrsknotenpunkten gelbe Füße auf den Gehweg gemalt. Diese sollen den Kindern helfen, sich zu orientieren und den sichersten Schulweg auszuwählen.

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Doch nicht nur den kleinsten Schülern passieren solche Zwischenfälle: Nach Angaben der Unfallkasse sind auch ältere Kinder gefährdet, die nach dem Schulwechsel ab der fünften Klasse nun eine weiterführende Schule besuchen. „Die Wege sind meist weiter und werden nicht wie in der Grundschule mit den Kindern trainiert. Man geht einfach davon aus, dass die Kinder, das schon können“, so Deters. 

Hohes Verkehrsaufkommen vor Schulen

Auch wenn Grundschüler von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gefahren werden, komme es häufig zu Verkehrsunfällen. Das Problem der sogenannten „Elterntaxis“ haben auch das Kinderhilfswerk und die Bremer Polizei erkannt. Da zu bestimmten Zeiten viele Kinder zeitgleich mit dem Auto zur Schule gebracht werden, sei das Verkehrsaufkommen, insbesondere vor den Grundschulen, extrem hoch. Ein Halten von Fahrzeugen in diesen Bereichen sei oft nicht vorgesehen, da die Fahrbahnbreiten und das Parkplatzangebot für diesen Ansturm nicht ausgelegt sind. Es kommt zu unüberschaubaren Verkehrssituationen, die für alle Beteiligten mit einem hohen Unfallrisiko einhergehen.

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„Häufig ist vor den Schulen zu diesen Zeiten zu beobachten, dass Kinder von ihren Eltern auf der Fahrbahnseite, also der „falschen“ Seite aus dem Auto gelassen werden. Sehr oft kann man in solchen Fällen feststellen, dass die Kinder dann quer über die Fahrbahn in Richtung Schule geschickt werden, ohne Rücksicht auf querende Fahrzeuge“, sagt Jana Schmidt von der Polizeipressestelle. Viele Fahrzeuge stehen zu den Schulanfangszeiten aufgrund der begrenzten Parkplatzmöglichkeiten in zweiter oder dritter Reihe vor den Schulen. Für Kinder ein unübersichtliches Gemenge. 

Vor der Schule von Lucie ist das Parken eigentlich verboten. Ein großes Schild am Zaun soll die Eltern darauf hinweisen, dass Parken vor Schulen mitunter eine tödliche Gefahr darstellen kann. Das Kinderhilfswerk und der Verkehrsclub Deutschland raten Eltern dazu, Fahrgemeinschaften zu bilden, wenn sie in Gegenden wohnen, in denen lange Schulwege und fehlende Busse die Autofahrt unumgänglich machen. 

Hilfreich für das Erlernen von Bewegung im Straßenverkehr ist auch das Projekt Schulexpress. Hier sammeln sich die Kinder an verabredeten Haltepunkten und gehen gemeinsam zur Schule und auch wieder nach Hause.


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Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?
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