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Bremer Unternehmer betreut Obdachlose

Ulrike Troue 19.05.2019 0 Kommentare

Kenny setzt mit dem Schuhputz-Service gegen Spende das neueste Projekt von Gerolf Wolpmann (links) um, der sich intensiv um Obdachlose kümmert.
Kenny setzt mit dem Schuhputz-Service gegen Spende das neueste Projekt von Gerolf Wolpmann (links) um, der sich intensiv um Obdachlose kümmert. (Christina Kuhaupt)

„Wenn Du die Hand aufhälst, kommst Du Dir richtig klein vor“, sagt Kenny. „Es ist ein besseres Gefühl, etwas zu tun“, erzählt der 39-jährige Obdachlose ganz offen, weshalb er „Sternchens“ Anregung sichtlich motiviert umsetzt: Kenny, der mit seiner Wolldecke einen Stammplatz vor der Passage Bischofsnadel hat, bietet neuerdings einen Schuhputz-Service gegen Spende an.

Sterne von "Sternchen"

Durch ein selbstgemaltes Plakat macht der 39-Jährige, der mit Freude zeichnet, auf sein Angebot aufmerksam. „Die Menschen wollen sehen, dass Du was machst, die tun ja auch was“, weiß Kenny, der seit 15 Jahren auf der Straße lebt. Neben den Klappstuhl hat der Obdachlose mit Dreadlocks und Lippenpiercings gut sichtbar eine nostalgische Schuhputzbox aufgestellt, die sein Freund „Sternchen“ ihm spendiert hat. Das ist der Spitzname, den rund 25 Bremer Obdachlose Gerolf Wolpmann gegeben haben. Der erfolgreiche Geschäftsmann begegnet ihnen mit Respekt auf Augenhöhe: „Ich sehe in dem Moment den Menschen, er ist mein Freund.“ Der lebensbejahende Mann hat kleine Plastiksterne an die Obdachlosen verteilt. „Damit können sie etwas zurückgeben“, erzählt Wolpmann. Der silberne Stern sei ein Dankeschön an Menschen für ihre Spende gedacht. 

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"Keiner bettelt gerne"

„Ich möchte Obdachlose dazu bewegen, nicht nur die Hand aufzuhalten“, erklärt der Lilienthaler. „Keiner bettelt gerne“, betont er.  Wolpmann freut sich, dass Kenny mit dem Schuhputz-Service sein neuestes Projekt aufgegriffen hat. Er weiß, dass es nicht jedem gelingt, verlässlich zu sein. Dennoch würde er das Projekt gerne mit anderen auf andere Orte in der Stadt ausweiten, damit die Bevölkerung Obdachlose positiv wahrnimmt.

„Ich kenne diese Menschen nur von der Straße, aber sie können mit mir über alles reden, ich bin für sie da“, beteuert Gerolf Wolpmann. Der schlanke Mann mit der Jutetasche mit weißen Sternen besucht Obdachlose regelmäßig an ihren Stammplätzen. Er spricht sie an, verteilt Taschentücher und einen Umschlag mit einem Schein. Dazu spendiert er ihnen 20 Euro als Anteil an der BSAG-Monatskarte. Schwarzfahren und daraus resultierende Gefängnisaufenthalte sind nach Wolpmanns Worten inzwischen die Ausnahme. „Wird ein Sofa benötigt, gebe ich einen Betrag zum Kauf dazu und kümmere mich um den Transport“, berichtet er. Auch Schlafsäcke, Rucksäcke und Isomatten verteilt er regelmäßig.

Bevormunden oder bekehren will er nicht

Seit etwa acht Jahren kümmert sich Gerolf Wolpmann in Abstimmung mit der Inneren Mission um Menschen, die auf der Straße leben und oft durch eine schwierige Kindheit oder Schicksalsschläge in diese Lage gekommen sind. Dass er dabei mit Alkohol, Drogen und aus der Sucht resultierenden Straftaten in Kontakt kommt, verhehlt er nicht. „Droge ist der Teufel“, stellt er fest. Auch diesen Problemen stellt sich der umtriebige Unternehmer. „Ich mache das aus meinen christlichen Glauben heraus“, berichtet Wolpmann. Das verschweige er den Obdachlosen nicht. Bevormunden oder bekehren wolle er sie nicht, sondern ihnen verlässlich seine helfende Hand reichen.

Zuversicht und Ruhe

„Ich bin im Prinzip ein Hirte der Straße geworden“, bringt er seinen persönlichen Einsatz auf den Punkt. Der Mutmacher hat auch schon Menschen von der Straße zurück in den normalen Alltag geholt. „Vielen fehlt Geborgenheit, sie haben nie gelernt, was Liebe empfangen heißt“, sagt Gerolf Wolpmann, dem die zwischenmenschliche Begegnung besonders am Herzen liegt. Das soziale Engagement des Unternehmers, der Zuversicht und Ruhe ausstrahlt und nicht den Eindruck macht, mal kürzertreten zu wollen, gilt als vorbildlich. Seit etwa 25 Jahren unterstützt Gerolf Wolpmann, dessen Firma für Brandschutz und Sicherheitstechnik in Horn angesiedelt ist, eher im Verborgenen soziale Projekte.

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Die Aktivitäten hatten in Brasilien angefangen, wo drei Kinderheime aufgebaut  wurden. Danach war Gerolf Wolpmann bis 2014 zehn Jahre Vorsitzender der Hilfsorganisation „Sahel“, die bedürftigen jungen Menschen, Kindern und Jugendlichen im westafrikanischen Burkina Faso eine Lebensperspektive gibt. Der Förderer engagiert sich bis heute dort, gibt Geld für ein Kinderkrankenhaus, ein Behindertenprojekt und Ernährungshilfe. Ferner ist seine Firma Partnerunternehmen von großen Hilfsorganisationen wie „Caritas International“, „Ärzte ohne Grenzen“ oder „Sea Watch“, und er selbst hilft „aus dem Bauch heraus“ bei Natur- und Umweltkatastrophen. 

Seit 47 Jahren selbstständig

Weil er das Fliegen in ferne Länder leid war, konzentriert Gerolf Wolpmann sein soziales Engagement inzwischen mehr auf Bremen. Neben seinem Einsatz für Obdachlose fördert er gemeinsam mit vielen anderen die Caritas-Projekte „Essen auf Rädern“ und „Wärme auf Rädern“ gegen Altersarmut sowie  das Projekt „Stern-Taler“ gegen Kinderarmut.

Der in Lilienthal lebende Unternehmer ist seit 47 Jahren selbstständig und hat seinen Betrieb inzwischen  so aufgestellt, dass er sich selbst praktisch ausschließlich um soziale Projekte kümmern kann. Die Familie und das Training einer Fußball-Jugendmannschaft seien für ihn ein schöner Ausgleich für sein soziales Engagement. Der Seniorchef ist glücklich über die Unterstützung und stolz auf den Rückhalt aus der Familie und der Firmenbelegschaft. „Als Unternehmen sehen wir uns auch in der Verantwortung für Menschen in Not“, steht auf der Homepage. „Was die Firma verdient, geben wir weiter“, sagt der erfolgreiche Geschäftsmann. Seine Glaubwürdigkeit belegt ein Zahlenpapier. Demnach hat Wolpmann Gebäudetechnik 2018 eine Vielzahl sozialer Projekte mit einem sechsstelligen Betrag unterstützt.

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Dass der bescheiden wirkende Wohltäter mit dem Schuhputz-Projekt nun an die Öffentlichkeit geht, begründet er mit dem Wunsch, andere Geschäftsleute dazu zu bewegen, ebenfalls Aktivitäten im Bereich der Nächstenliebe zu entwickeln. „Wenn Sie etwas verändern wollen, müssen Sie das Gute vorleben. Und es ist ein schönes Gefühl, Menschen in Not zu helfen“, sagt er. „Denn Geld ist nur etwas Gutes, wenn es für den Menschen eingesetzt wird.“

Weitere Informationen: 

Kenny bietet seinen Schuhputzservice gegen Spende jeden Dienstag, Donnerstag, Freitag und Sonnabend von 10.30 bis 15 Uhr vor der Passage Bischofsnadel an.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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