Corona-Verdachtsfall in Bremen

Das Gesundheitsamt hat bestätigt, dass eine Patientin im Krankenhaus Bremen-Mitte wegen des Verdachts einer Infektion mit dem Coronavirus behandelt wird. Zugleich warnt es vor übertriebener Seuchen-Angst.

Foto: Vincent Yu/AP/dpa
In China prägen sie inzwischen das Straßenbild, und auch in Deutschland steigt die Nachfrage nach Mundschutz-Masken.

In Bremen gibt es möglicherweise einen ersten Fall des Coronavirus. Derzeit wird eine Frau, die Anfang Januar als Touristin in China unterwegs gewesen war, isoliert auf der Intensivstation des Krankenhauses Bremen-Mitte behandelt. Ob sie sich tatsächlich mit dem Virus infiziert hat, ist noch unklar.

Martin Götz, Referatsleiter für Infektionsschutz im Gesundheitsamt, bestätigt den Verdachtsfall, warnt aber zugleich vor übertriebener Angst vor einer Seuche. Nach ihrer Rückkehr aus China hatte die Frau über Symptome geklagt, die denen der neuartigen Lungenkrankheit ähneln, und sich deshalb in der Notaufnahme des Klinikums gemeldet.

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„Die Patientin erfüllt gewisse Kriterien“, sagt Götz, „bestätigt ist aber noch nicht, dass es sich in diesem Fall tatsächlich um das Coronavirus handelt. Der Patientin geht es klinisch gesehen gut.“ Ihre Blutproben sind nach ­Berlin in die Charité geschickt ­worden und werden dort in einem Speziallabor untersucht. Die Auswertung an sich erfolgt laut Götz innerhalb eines Tages. Bis die Er­gebnisse in Bremen vorliegen, könne es aber durch den Postweg bis zu fünf Tage dauern.

„Bis der Fall bestätigt ist oder es Entwarnung gibt, behandeln wir ihn so, als wäre es ein echter Fall des Coronavirus“, sagt Götz. Das Gesundheitsamt hatte die Bremer Krankenhäuser bereits vor einer Woche über die besonderen Schutzmaßnahmen nach Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin informiert, die bei Verdachtsfällen greifen. Dazu gehören die strikte Isolation der Patienten – das ist im Klinikum Mitte auf der Intensivstation am besten möglich, deshalb liegt die Frau dort – sowie Schutzkleidung für Ärzte und Pflegepersonal.

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„Wir versuchen, die Zahl der Personen, die in Kontakt mit möglichen Erkrankten kommen, so gering wie möglich zu halten“, erklärt Rolf Schlüter, Sprecher des Klinikverbunds Gesundheit Nord. Die Vorsichtsmaßnahmen, die getroffen werden, um bei tatsächlichen Corona-Fällen eine Ausbreitung zu verhindern, seien hoch. Das bestätigt auch Michael Bojarra, Chef-Hygieniker am Rotes-Kreuz-Krankenhaus. Die Empfehlungen des RKI und der Weltgesundheitsorganisation würden auch dort genau beobachtet und umgesetzt.

Gäbe es tatsächlich Fälle der Krankheit in Bremen, würden die Patienten laut Götz voraussichtlich in einer größeren isolierten Station im Krankenhaus Bremen-Ost behandelt oder je nach individuellem Gesundheitszustand direkt in das auf Tropen- und sämtliche neuartigen Erkrankungen spezialisierte Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg verlegt. In Bremerhaven hat das Gesundheitsamt ei­nen Geschäftsmann, der am 23. Januar mit einer Atemwegsinfektion von einer China-­Reise zurückgekehrt war, gebeten, seine Wohnung nicht zu verlassen.

Eine genaue Diagnose steht auch in seinem Fall noch aus, laut Angaben des Amtes war er aber nicht in der Corona-Risikoregion Hubei unterwegs. Sein allgemeiner Gesundheitszustand sei gut. Laut dem Infektionsschutz-Experten des Gesundheitsamts war es nur eine Frage der Zeit, bis erste Verdachtsfälle in Deutschland auftauchen. „Man darf aber nicht davon ausgehen, dass wir eine Seuche haben, die auch in Bremen grassiert“, sagt Martin Götz, „selbst wenn sich herausstellen würde, dass die Patientin das Virus hat. Hier ist Augenmaß angesagt.“

Er verweist auf die aktuell grassierende normale Grippewelle. Zudem hält er die Wahrscheinlichkeit, dass das Coronavirus über Reisende aus den betroffenen Gebieten nach Bremen gelangt, für eher gering. Bremen besitzt keine direkte Flugverbindung nach China. Wuhan, wo das Virus Anfang Januar erstmals aufgetreten war, wird von Deutschland aus gar nicht angeflogen, europäische Flüge gehen über Paris, London oder Rom.

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In Peking ist einem Medienbericht zufolge erstmals ein Mensch an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Wie der chinesische Staatssender CCTV am Montagabend berichtete, war der 50-jährige Mann zuvor von einer Reise aus Wuhan zurückgekehrt. Chinas Staatsfernsehen berichtete unter Berufung auf Behördenangaben, dass die Zahl bestätigter Infektionen landesweit auf 2744 gestiegen sei, die Zahl der Toten auf 80, meist ältere Menschen mit schweren Vorerkrankungen. Mit den rund 50 Fällen außerhalb Chinas sind inzwischen fast 2800 Fälle weltweit bestätigt.

++ Dieser Artikel wurde um 22.02 Uhr aktualisiert ++

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