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70 Jahre Grundgesetz
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Dankbar für alles

Kornelia Hattermann 11.05.2019 0 Kommentare

Ehrenamtliches Engagement ist Ehrensache für Lydia van Loh-Wark aus Kattenesch.
Ehrenamtliches Engagement ist Ehrensache für Lydia van Loh-Wark aus Kattenesch. (Christina Kuhaupt)

Nein, hervorgehoben werden möchte Lydia van Loh-Wark mit ihrem Engagement für das Kinderhospiz Löwenherz und auf der Palliativstation des Klinikums Links der Weser eigentlich nicht. „Viele machen so viel mehr als ich“, sagt sie bescheiden. Als eine von fünf Bremerinnen und Bremern ist sie ausgewählt worden, an der Kaffeetafel des Bundespräsidenten zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai in Berlin Platz zu nehmen. Wenn es zu einem direkten Gespräch komme, würde sie den Bundespräsidenten fragen, was seine beeindruckendste Begegnung war. „Da wäre ich wirklich gespannt auf die Antwort.“

Lydia van Loh-Wark ist in Emden in Ostfriesland aufgewachsen, ihre Ausbildung zur Bankkauffrau führte sie auch nach Bremen. Zuerst beruflich und dann privat sei sie in der Hansestadt hängen geblieben. Mit Zahlen konnte sie gut und hat deshalb etwas Abstraktes als Beruf gewählt, auch wenn der Sozialbereich sie schon damals interessierte. Als Verwaltungsangestellte im Rechnungswesen arbeitet sie heute für die Bremische Bürgerschaft.

Zufällig zu Aufgaben gekommen

Dorthin fährt sie meist mit dem Fahrrad aus Kattenesch, wo sie mit ihrem Ehemann lebt. Die beiden erwachsenen Töchter der 61-Jährigen sind aus dem Haus. Als eine ihrer Töchter sich vor zehn Jahren sozial engagieren wollte, kam sie auf das Kinderhospiz Löwenherz in Syke. „Da komme ich mit“, sagte die Mutter, die schauen wollte, ob das das Richtige für ihre Tochter ist. Die ist mittlerweile nach München gezogen, und Lydia van Loh-Wark engagiert sich bis heute für Löwenherz. Öffentlichkeitsarbeit an Infoständen bei Veranstaltungen und auf Messen macht sie, organisiert Spendenübergaben, hilft beim Tag der offenen Tür, bastelt Grußkarten, die verkauft werden zugunsten des Kinderhospizes, das sich aus Spenden finanziert.

Ebenfalls zufällig ist sie auch zu ihrem zweiten Engagement auf der Palliativstation des Klinikums Links der Weser gekommen. „Ich habe eine Bekannte getroffen, die davon erzählte“, berichtet Lydia van Loh-Wark. Sie habe sich das anfangs als Alternative zu der Aufgabe in Syke vorgestellt, jetzt ist sie im fünften Jahr zusätzlich auf der Palliativstation aktiv. „Wir Ehrenamtlichen unterstützen die hauptamtlichen Pflegekräfte als kleine Helferlein“, erklärt sie voller Hochachtung vor dem, was die Pflegerinnen und Pfleger tagtäglich leisten.

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Als Ehrenamtliche hat sie keine pflegerischen Aufgaben, ins Gespräch kommen lautet das Ziel. Zum Beispiel durch das gemeinsame Waffelbacken, zu dem sie mit ihrer Gruppe Angehörige und Patienten einlädt. „Wir tragen in Listen ein, welche Aufgaben wir übernehmen möchten“, erklärt Lydia van Loh-Wark. Auch einen kleinen Chor haben sie dort gegründet, der auf der Palliativstation übt, Gäste sind ebenfalls eingeladen.

Das stationsinterne Team der Ehrenamtlichen sei sich ziemlich nah, man unterstütze sich, jeder verstehe, wovon man spreche, erzählt van Loh-Wark. Regelmäßig besucht sie Gruppenabende, Fortbildungen und Schulungen des Hospizvereins, dem Engagement sind intensive Schulungen vorausgegangen. Ihr eigener Blickwinkel auf das Leben habe sich total verändert. „Man wird geerdet.“ Wenn sie kleine Problemchen habe und dann auf der Palliativstation arbeite, „dann komme ich ohne wieder raus“. Berührungsängste hat Lydia van Loh-Wark nicht, aber ein Limit für die Belastbarkeit: „Ich muss Erlebtes zu Hause abgelegt haben, sonst muss ich es bearbeiten und eine Supervision machen.“ Einmal sei das bisher erforderlich gewesen. „Ich bin heute dankbarer für alles“, bekräftigt sie.

"Das hat sich zufällig ergeben"

Und als sei das alles noch nicht genug: Bis März dieses Jahres war die 61-Jährige fünf Jahre als Schöffin am Landgericht aktiv. „Das war sehr interessant, man bekommt Einblick in alle gesellschaftlichen Bereiche.“ Nebenbei, „das hat sich zufällig ergeben“, waren sie und ihr Mann zudem „Gasteltern“ für eine chinesische Studentin der Jacobs University. Die junge Frau wohnte weiter auf dem Campus, wünschte sich aber Familienanschluss.

Heute hat Xiaoling Zeng einen Doktortitel in Physik und arbeitet in Böblingen. Man habe voneinander so viel über Sitten und Bräuche kennengelernt, das sei für beide Seiten bereichernd gewesen. Der herzliche, innige Kontakt sei geblieben, erst im März war Xiaoling Zeng zu Besuch in Bremen, „wir haben sie für den Führerschein abgehört“, erzählt van Loh-Wark. Die Studentin hatte sich in Bremen ebenfalls ehrenamtlich engagiert, für Geflüchtete in Walle.

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So wie Lydia van Loh-Wark von ihren Eltern deren ehrenamtliches Engagement in der Kirche und im Zivilschutz vorgelebt wurde, setzt sich das auch in ihrer Familie fort. Ihr Ehemann ist Trainer in einem Ruderverein, die Töchter engagieren sich in Düsseldorf und München für gemeinnützige Schüleraustauschorganisationen. Sie selbst hat neben dem Beruf, den Engagements, der Familie, Haus und Garten, für den der Ehemann zuständig ist, noch zwei weitere Leidenschaften: Seit 13 Jahren singt sie im Gospelchor "Gospels & more" in Habenhausen. Von Zeit zu Zeit müsse sie ihre "machbaren Grenzen austesten", sagt sie.

2015 ist sie mit einer Gruppe auf dem Olavsweg in Norwegen gewandert, acht Tage bis auf 1600 Meter Höhe hinauf. In diesem Jahr soll es gemeinsam mit ihrem Mann auf den Trolltunga (Trollzunge) in Südnorwegen gehen. Ein 1100 Meter hoher Berg mit einer herausragenden Klippe, etwa 700 Meter über einem See, den sie einmal hoch und wieder runter will. Zwischen 23 bis 27 Kilometer sind das, rechnet sie. Darauf wird sie sich vorbereiten, intensiv, wenn sie vom Besuch beim Bundespräsidenten zurück ist.

Zur Sache

Kaffeetafel für die Bürger

In Kooperation mit dem WESER-KURIER wurden fünf in unterschiedlichen Bereichen engagierte Bremerinnen und Bremer ausgewählt, die am 23. Mai an der Kaffeetafel des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Berlin Platz nehmen dürfen. Das Staatsoberhaupt will aus Anlass des 70. Geburtstags des Grundgesetzes im Schloss Bellevue mit insgesamt 200 Gästen aus ganz Deutschland diskutieren. Geplant ist ein moderierter Austausch an Tischen mit jeweils acht Gästen über die Werte und Regeln des Grundgesetzes und ihre gesellschaftliche Dimension.

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In der kommenden Woche stellen wir Uschi und Jürgen Giese vor, die junge Flüchtlinge während ihrer Ausbildung unterstützen.


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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...
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