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Talkrunde "Herzensangelegenheiten"
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Das Geheimnis des richtigen Trainings

CHRISTIANE MESTER 10.09.2018 0 Kommentare

Peter Gagelmann, Tim Wiese und Götz Dimanski (von links) sprechen über Herzensangelegenheiten.
Peter Gagelmann, Tim Wiese und Götz Dimanski (von links) sprechen über Herzensangelegenheiten. (Frank Thomas Koch)

„Wir wissen alle, was gut für die Gesundheit und das Herz ist“, sagt Sportmediziner Götz Dimanski. Die Herausforderung liege darin, das Wissen in die Tat umzusetzen. So erfuhren die rund 40 Gäste bei der Talkrunde „Herzensangelegenheiten“, keine bahnbrechenden Neuigkeiten, sondern verfolgten eine angeregte Unterhaltung auf dem prominent besetzten Podium: Ex-Torwart Tim Wiese und DFB-Schiedsrichter Peter Gagelmann berichteten aus der Welt des Leistungssports.

„Ein Arbeitnehmer in Deutschland, ist im Durchschnitt an 17,2 Tagen im Jahr krank“, sagt Andreas Lakemann von der Barmer, und macht damit den Aufschlag für die Gesprächsrunde. „Man kann die Mitarbeiter auch mal stehen lassen“, sagt Götz Dimanski, Chefarzt der Abteilung Sportmedizin am Rehazentrum Bremen. Was der Mediziner mit einem Augenzwinkern formuliert, untermauert er gleich darauf mit Zahlen.

Wer sechs Stunden am Tag im Stehen arbeite, der habe gegenüber den sitzend arbeitenden Kollegen einen Gewichtsvorteil von 2,6 Kilogramm. Am meisten profitiere jedoch derjenige, der täglich mit dem Rad zur Arbeit fahre: „Radfahrer sind im Durchschnitt vier Kilo leichter“, lässt Dimanski wissen. Unternehmer sollten ihre Mitarbeiter jedoch nicht dazu verleiten, ihr Verhalten von heute auf morgen radikal zu ändern. Das sei alles andere als förderlich für die Gesundheit.

Wer bislang wenig Sport getrieben habe und seinen Körper innerhalb von acht Wochen zur Strandfigur zwingen wolle, der tue sich keinen Gefallen, so Dimanski weiter. „Sie können das vom Willen her schaffen und von den Muskeln auch, aber die Gelenke und Knorpel werden diese Dynamik nicht mitmachen.“ Erstrebenswert sei vielmehr eine langfristige Verhaltensänderung. „Zehn bis 15 Minuten Bewegung am Tag machen den Unterschied. Es geht darum, den Hebel im Kopf umzulegen und nicht um Blut, Schweiß und Tränen.“

Genau das scheint jedoch das Trainingskonzept von Ex-Fußballprofi Tim Wiese zu sein. „Den Körper muss man reizen“, bringt er seine Devise bei der Veranstaltung auf den Punkt. „Bleibt man immer auf dem selben Level, bringt das nichts“, meint er. Im Laufe seines bisherigen Lebens hat der Profisportler seinen Körper gleich mehrfach an wechselnde Herausforderungen angepasst – und das immer auf hohem Niveau. „Wer wenig wiegt, der fliegt schneller“, erklärt er bei der Talkrunde, was sein Trainingsziel zu Torwart-Zeiten war. Seine Strategie, das Idealgewicht von 90 Kilogramm zu halten, bringt er für das Publikum auf die kurze Formel: „Stehen in der Sauna.“ Das wirke „wie ein kleiner Wüsten-Marathon“, erklärt Wiese. Bei einem Saunabesuch verbrenne sein Körper so bis zu 600 Kalorien.

Auf die Zeit als Fußballprofi folgte für Tim Wiese ein kurzer Abstecher in die Welt des Profi-Wrestling. Anders als beim Fußball, ist bei diesem Sport vor allem ein muskulöser Körper gefragt. Dementsprechend habe er innerhalb von kürzester Zeit rund 30 Kilogramm zunehmen müssen, bestätigt Wiese. Diese Aussage lässt Moderatorin Anneke ter Veen ein heikles Thema ansprechen: „Der Muskelaufbau vollzog sich beachtlich schnell. Wie sah es da mit Anabolika aus, ist das ein Thema gewesen?“, fragt die Moderatorin und Tim Wiese räumt ein: „Die Überlegung war da.“

Schließlich habe er sich jedoch dagegen entschieden – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Nebenwirkungen. „Ich habe es nie gemacht“, versichert Wiese. Seine Taktik sei eine andere gewesen. „In der Vorbereitung auf meinen ersten Kampf habe ich 5000 Kalorien am Tag zu mir genommen“, berichtet er und meint: „Abnehmen ist ein Kinderspiel dagegen.“ Inzwischen ist bekannt: Es blieb bei diesem einen Kampf. Sein Gewicht hat der Sportler erneut drastisch reduziert. „Unter anderem mit Nordic Walking“, erzählt Wiese. Allerdings trage er  bei seinen Spaziergängen im Laufschritt, „grundsätzlich eine Zehn-Kilo-Weste“.

„Macht das Herz solche Sprünge mit?“, will Anneke ter Veen von den beiden Ärzten auf dem Podium wissen. Sportmediziner Götz Dimanski ergreift als erster das Wort: „Jeder hat seine individuellen Grenzen. Das Herz hat durchaus einen großen Anpassungsrahmen.“ Insgesamt betrachtet sei es aber so: „Man muss sich entscheiden. Will ich einen Körper, den ich präsentieren möchte oder möchte ich etwas für meine Gesundheit tun?“ Letzteres erfordere regelmäßige Bewegung, viel Schlaf und eine ausgewogene Ernährung, sagt Dimanski.

Dass Schiedsrichter häufig unter Schlafstörungen leiden, erfahren die Veranstaltungsgäste von Peter Gagelmann: „Man kann auf dem Platz 273 richtige Entscheidungen treffen, aber die eine falsche ist es, an der man gemessen wird. Da wälzt man sich durchaus mal schlaflos im Hotelbett“, räumt er ein. Stressbewältigung sei ein immer wichtiger werdendes Thema für seinen Berufsstand. „Früher hatte ein Schiedsrichter alle drei Wochen ein Spiel“, sagt Gagelmann. Heutzutage folge auf ein Bundesliga-Wochenende keine Ruhepause, sondern die Fahrt zum Flughafen: „Gleich am Montag schon wieder der Flieger nach Portugal zur Champions-League“, verdeutlicht Peter Gagelmann den Zeitdruck an einem Beispiel.

Stress ist genau wie Bewegungsmangel ein Risikofaktor für Herzerkrankungen, aber die Ernährungsgewohnheiten spielen ebenfalls eine Rolle. Die Moderatorin kommt auf einen Trend zu sprechen: „Früher habe ich Blaubeeren gegessen, heute nennt sich das ‚Powerfood‘. Was steckt dahinter?“ Das Schlagwort sei nicht mehr als eine Verkaufsmasche der Ernährungsindustrie, stellt Johann Ockenga, Klinikdirektor und Facharzt für Innere Medizinam Klinikum Bremen-Mitte, klar. Die positiven Effekte, die in Studien nachgewiesen würden, seien letztlich nicht haltbar. „Im Reagenzglas lassen sich Auswirkungen auf isolierte Zellen feststellen, aber in ihrem Körper laufen andere Prozesse ab“, klärt der Mediziner auf.

Ähnlich verhalte es sich mit Nahrungsergänzungsmitteln. „Wenn sie sich einigermaßen gut ernähren, haben sie überhaupt keinen Mangel, den sie ausgleichen müssten“, schließt Johann Ockenga.


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Leserkommentare
adagiobarber am 21.10.2019 18:36
viele kleine gelungene schritte ...

in eine verdiente, sichere zukunft.

glückwunsch.

manch' heimischer hat ...
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...
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