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Jagdfreigabe für Nutrias in Bremen
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Deiche schützen, Biberratten jagen

Frank Hethey 07.06.2019 4 Kommentare

In einer EU-Verordnung von 2014 werden die Tiere als „invasive Arten“ geführt, die eine Bedrohung einheimischer Arten darstellten.
In einer EU-Verordnung von 2014 werden die Tiere als „invasive Arten“ geführt, die eine Bedrohung einheimischer Arten darstellten. (Andreas Arnold/dpa)

Schon länger haben der Deichverband am rechten Weserufer und die Landesjägerschaft gedrängelt, nun hat das Umweltressort reagiert: Seit Freitag dürfen die als Deichzerstörer geltenden Nutrias ganzjährig gejagt werden. Mit großer Genugtuung reagierte der Deichverband auf die Jagdfreigabe für den auch als Biberratte bekannten Nager. „In Bremen kann Hochwasserschutz nur kompromisslos durchgeführt werden“, sagte Geschäftsführer Wilfried Döscher. Erst jetzt gebe es eine rechtliche Grundlage, um die Deiche im Blockland vor dem sich „explosionsartig“ vermehrenden Nager zu schützen.

Scharfe Kritik an der Jagdfreigabe übt dagegen der Naturschutzbund (Nabu). Erst einmal müsse der Beweis geführt werden, dass die Schäden wirklich von Nutrias herrührten, sagte Geschäftsführer Sönke Hofmann. „So schnell werden Deiche nicht unsicher durch ein paar Löcher.“

Elternschutz von Muttertieren ebenfalls aufgehoben

Über Nutrias als Übeltäter gibt es laut Deichverband keinen Zweifel. Zehn gravierende Wühlschäden seien allein in diesem Jahr im Blockland gezählt worden. „Den Morast müssen wir dann mit dem Bagger ausgraben und die Stelle neu verdichten“, so Döscher. Der Höhlenbau sei auch gefährlich für Menschen. „Wenn wir mit unseren Maschinen am Gewässer entlangfahren, können die Bagger ein­sacken.“

Für den Geschäftsführer des Deichverbands war die Jagdfreigabe längst überfällig. In Niedersachsen sei die ganzjährige Jagd von Nutrias schon seit 2001 erlaubt. „Diese Regelung ist jetzt auch in Bremen angekommen.“ Besonders positiv bewertet der Deichverband, dass auch der Elternschutz von Muttertieren aufgehoben ist. Bis zu dreimal pro Jahr bekommen die ursprünglich aus Südamerika stammenden Tiere sechs bis acht Junge, die ihrerseits bereits nach drei bis fünf Monaten geschlechtsreif sind.

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„Gäbe es den Elternschutz, würden wir ständig mit einem Bein im Knast stehen“, sagte Holger Bartels, Präsident der Landesjägerschaft Bremen. Im Entwurf sei der Schutz des Muttertieres noch enthalten gewesen. Für Naturschützer Hofmann ist das ein massiver Verstoß gegen das Tierschutzrecht. „Wo bleibt da die Waidgerechtigkeit?“, fragte er. Man könne doch nicht einfach das Muttertier wegschießen und dann zusehen, wie die Jungen eingehen.

Bei der Jagd auf die bis zu zehn Kilogramm schweren Nutrias werden Lebendfallen eingesetzt. Laut Bartels werden sie direkt an der Wasserkante platziert. Tappt ein Nutria in die Falle, wird das Tier direkt vor Ort mit dem Revolver oder einer Pistole erlegt. „Das kriegt keiner mit“, sagte Bartels. Danach wird der tote Nager noch weiter verwertet, aus dem hochwertigen Fell lässt sich Kleidung fertigen, das Fleisch ist nach vorheriger Trichinenschau genießbar.

Bedrohung heimischer Arten

Ermöglicht wird die uneingeschränkte Jagderlaubnis durch die Aufnahme der Nutrias in die Jagdzeiten-Verordnung. Soweit es sich um Jungtiere handelt, sind auch Marderhunde und Waschbären ohne Auflagen zum Abschuss freigegeben. Hofmann sieht darin „mehr als nur eine lahme Ente des Umweltsenators“, diese Bestimmung „mal eben so als Verordnung durchzuschieben“. Von der neuen Landesregierung erwartet Hofmann die Rücknahme der Jagdzeiten-Verordnung. Und eine Beteiligung der Öffentlichkeit, wenn die Verordnung neu formuliert wird. 

In einer EU-Verordnung von 2014 werden die Tiere als „invasive Arten“ geführt, die eine Bedrohung einheimischer Arten darstellten. Marderhunde und Waschbären sind Raubtiere, sie haben in unserer Region keine natürlichen Feinde. Letzteres gilt auch für Nutria, die sich als Allesfresser hauptsächlich pflanzlich ernähren und dadurch laut Umweltressort geschützte Röhricht- und Muschelbestände schädigen. 

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Zeitlich begrenzt dürfen auch Nilgänse gejagt werden, eine ebenfalls sogenannte invasive Art aus Afrika. Nilgänse seien eine aggressive Art, die sogar Störche aus ihren Nestern vertreiben, sagte Stadtjägermeister Harro Tempelmann. Nur im Bürgerpark müssen die Nilgänse nicht um ihr Leben fürchten. Nach Angabe von Parkdirektor Tim Großmann gibt es seit etwa drei Jahren zwei Pärchen mit bis zu sieben Nachkommen am Hollersee. „Für uns sind die aber unproblematisch, wir beobachten sie nur.“

Obwohl sich die Landesjägerschaft für die Jagdfreigabe auf Nutrias eingesetzt hat, fühlen sich die Jäger nicht in ihrem Element. „Diese Tiere zu jagen, passt uns eigentlich nicht“, sagte Tempelmann. „Damit werden wir zu Schädlingsbekämpfern degradiert.“ Mit Jagdfreuden habe das nichts zu tun, dennoch werde man sich der Aufgabe nicht entziehen.


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